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Söders Zehn-Punkte-Plan Wann kommt WLAN in bayerische Züge?

Viel Spott musste sich Bayerns Finanzminister Söder für den Plan anhören, bis 2050 standardmäßig WLAN in bayerischen Zügen einzurichten. Als Reaktion auf den Netz-Spott korrigierte sich die CSU schnell: WLAN soll es bereits 2020 geben. Doch auch dieser Zeitplan scheint unrealistisch.

Von: Max Muth

Stand: 25.01.2018

Das Display eines Smartphones (Handy) mit dem Hinweis auf "WLAN im ICE" | Bild: picture-alliance/dpa/Friso Gentsch

Bis 2020 sollen in Bayern Busse und Bahnen mit WLAN ausgestattet sein. So steht es aktuell im Zehn-Punkte-Plan auf der Webseite der CSU, den Markus Söder vor einer Woche in Kloster Banz vorgestellt hatte. In einer ersten Version hatte es noch geheißen, dass im Jahr 2050 die Digitalisierung der Infrastruktur im ÖPNV inklusive WLAN erreicht sein soll.

Schnelle Korrektur, aber trotzdem falsch

Ein Missverständnis, erklärte die CSU. WLAN sei natürlich deutlich früher flächendeckend verfügbar und korrigierte die Jahreszahl. Doch auch die zweite Version mit WLAN im ÖPNV im Jahr 2020 ist offenbar nicht korrekt. Wörtlich heißt es unter Punkt vier im Zehn-Punkte-Papier:

"Der Ausbau von WLAN läuft bereits: Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 insgesamt 20.000 Hotspots in allen Bussen und Regionalbahnen einzurichten."

Punkt 4 des 10-Punkte-Plans der CSU

Doch was ist mit "20.000 Hotspots in allen Bussen und Regionalbahnen" gemeint? Auf Nachfrage sagt ein CSU-Sprecher, die Zahl 20.000 beziehe sich auf das Programm "Bayern-WLAN".

Bayern-WLAN hat bisher kaum mit Bussen oder Bahnen zu tun

Das Programm, das vom WLAN-Zentrum in Straubing gemanagt wird, soll touristische Highlights, Schulen und Behördenstandorte mit WLAN zu versorgen. Und es läuft gut: Im Dezember wurde in Garmisch-Partenkirchen Hotspot Nummer 10.000 eingeweiht. Allein: Beim Bayern-WLAN ist das offizielle Ziel mittlerweile 40.000 Hotspots. Und: Mit Bahnen und Bussen hat das Programm bisher kaum zu tun.

Laut dem Bayerischen Finanzministerium laufen derzeit Pilotversuche in insgesamt 135 Bussen, die auch gut nachgefragt werden. Um flächendeckendes WLAN im Linienbusverkehr zu bekommen, müssen allerdings schätzungsweise 8000 Busse ausgerüstet werden.

Auf einer Pressekonferenz hat Bayerns Finanzminister am Freitag bestätigt, für die Busse 2020 als Zieljahr anzustreben. Dafür will das Finanzminister ausreichende finanzielle Förderung bereitsellen. Vielleicht, so Söder, wirke das Datum auch als zusätzliche Motivation für die Kommunen: 2020 ist in Bayern Kommunalwahljahr.

Stadtwerke wissen nichts von Söders ambitioniertem Ziel

Hier ist WLAN schon Standard. Busse der Stadtwerke Augsburg sind seit 2016 mit freiem WLAN ausgerüstet.

Söder ist bei seinem Ziel auf die Motivation der Kommunen angewiesen, denn der Freistaat kann selbst nicht WLAN in Busse einbauen. Das müssten die jeweiligen Betreiber tun, zumeist die Stadtwerke. Der Sprecher der Regensburger Stadtwerke, Martin Gottschalk, sagt, dass sein Unternehmen derzeit nicht plant, WLAN in Stadtbusse einzubauen. Damit sich das lohne, seien die Fahrgäste gar nicht lang genug unterwegs. Sollte der Ausbau seitens des Freistaats dennoch gewünscht sein, hält Gottschalk 2020 für ziemlich ambitioniert, aber möglicherweise machbar – ausreichende Fördermittel vorausgesetzt. Ähnlich sieht es in München aus, dort wird gerade in 10 Bussen getestet, ob die Fahrgäste das Angebot überhaupt nutzen. Am weitesten ist Augsburg: dort wurden schon 2016 fast alle Verkehrsmittel mit WLAN ausgerüstet.

In aktuellen Bahn-Ausschreibungen steht WLAN nicht im Anforderungsprofil

Auch bei der Bahn ist es kompliziert: Zuständig für die Ausstattung der Züge im regionalen Bahnverkehr ist die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG): Barrierefreiheit, Komfort, Mindestgeschwindigkeit der Züge. All das legt die BEG in ihren Ausschreibungen fest. Auch WLAN könnte die BEG von den Bahnbetreibern fordern, allerdings nur bei neuen Ausschreibungen. Die Bayerische Regiobahn (BRB) etwa hat 2015 den Zuschlag für die Strecke zwischen München, Augsburg und Füssen bekommen. "Der Vertrag läuft bis 2030", sagt Presseprecher Christopher Raabe. "Von WLAN ist darin aber keine Rede." Und auch in aktuellen Ausschreibungen fehlt dieser Punkt.

Die BRB ist kein Einzelfall. Viele bestehende Verträge laufen bis Mitte der 20er Jahre. Um alle Betreiber dazu zu bringen bereits bis 2020 WLAN anzubieten, müsste die BEG nachverhandeln und etwa mit großzügigen Förderprogrammen Überzeugungsarbeit leisten.

2020 ist ähnlich unrealistisch wie 2050

Doch selbst wenn die Förderung vom Freistaat käme und alle Betreiber WLAN in ihre Züge einbauen würden, hieße das immer noch nicht, dass es auch funktioniert, weiß BRB-Pressesprecher Raabe. "Ich wohne in Augsburg und fahre häufig mit der Bahn nach München, da haben sie dann 15 Minuten lang gar kein Netz." Grund ist die mangelnde Netzabdeckung durch die Mobilfunkbetreiber.

Fazit: 2020 als Ziel für flächendeckendes WLAN in Bahnen und Bussen in Bayern scheint genauso unrealistisch wie 2050. Selbst wenn die BEG die Anforderungen für aktuelle Ausschreibungen ändert, dann wäre ein Großteil der bayerischen Züge erst etwa 2030 mit WLAN ausgerüstet. Ob WLAN dann überhaupt noch eine sinnvolle Technologie ist, bleibt abzuwarten.


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Stony, Montag, 29.Januar, 10:18 Uhr

31. WLAN im Nahverkehr

Unsere superschlauen Politiker sollen erst einmal für das flächendeckende schnelle und in der Geschwindigkeit unreglementierte Internet sorgen, davon hätten alle, auch die Wirtschaft, etwas.
WLAN mag ganz nett sein, wenn man meint, von überall ins Netz, insbesondere die (un-)sozialen Netzwerke gehen zu müssen. Viele Leute, auch ich, können aber gut warten, bis sie wieder über ein Festnetz reinkommen, was in aller Regel auch erheblich besser abgesichert ist, als relativ offene WLAN. MfG

Dete, Montag, 29.Januar, 09:33 Uhr

30. Da hat sich der Herr Söder wohl beschwert und den Max der Muth verlassen

Peinlich und frustrierend - weil, es irgendwie ins Bild passt.
Der Artikel von Herrn Max Muth auf der Internetseite des Bayrischen Rundfunks erfuhr vermutlich am 26.01.2018 ein Update, das den Artikel von einem wirklich guten, ironischem Twitter-Zitat befreite, ohne dass es für die Leser ersichtlich ist. Zack, umgeschrieben. Schade.
Dieser Umstand lässt Fragen darüber aufkommen, wer für den Inhalt der Artikel beim BR verantwortlich ist. Die Redaktion oder die bayrische Staatskanzlei…

Der Artikel wurde tatsächlich geupdated, aber nicht weil Herr Söder angerufen hatte, sondern um schneller zum aktuellen Stand zu kommen. Inhaltlich hat sich dadurch ja nichts verändert. Mit freundlichen Grüßen, Max Muth
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  • Antwort von Dete, Montag, 29.Januar, 09:52 Uhr

    Mag sein. Wenn die Leser solche Änderungen aber trotzdem wahrnehmen, entsteht der beschriebene Anschein. Wenn Updates als Updates gekennzeichnet würden, täte es der Sache an sich gut. Es würde halt unabhängiger und objektiver wirken.
    MfG

  • Antwort von Max Muth, Dienstag, 30.Januar, 09:51 Uhr

    Prinzipiell gebe ich Ihnen recht bei wirklichen Updates. In diesem Fall ist ja technisch kein Update, es wurden keine Fakten korrigiert oder hinzugefügt, da ist auch die Frage, wie man das bezeichnen würde. Wenn man "Update:" dazuschriebe, wäre das eigentlich falsch. Wenn das dennoch den Anschein erweckt, die Berichterstattung sei nicht unabhängig, ist das natürlich trotzdem ein Problem. Aber dann kann ich ja - wie hier - in den Kommentaren antworten. ;) mfG, Max Muth

sletrabf, Freitag, 26.Januar, 20:12 Uhr

29. Mobilfunk an ÖPNV-Routen - CSU verantwortlich

Es ist leider richtig, dass ein Hotspot im Fahrzeug noch kein Internet bringt. Besonders an vielen Bahnstrecken lässt die Abdeckung oftmals zu wünschen übrig. Hier konnte die CSU allerdings in den letzten 8 Jahren sehr viel tun, stellte sie doch den Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Wenn ihr etwas an dem Thema liegen würde, sollte sie es auch voranbringen oder jemanden Anderen als Minister arbeiten lassen...

  • Antwort von Hrdlicka, Samstag, 27.Januar, 10:52 Uhr

    @sletrabf: ..naja so ziemlich das einzige was dieser Digital- und Mautminister seiner Meinung nach fertig gebracht hat ist doch die Maut, die hoffentlich baldmöglichst vor dem Europäischen Gerichtshof fällt. Jetzt steht er ja der Chaotischen Spass Unions-Landesgruppe im Bundestag vor, da muss man nichts mehr vorweisen

Paul Meier, Freitag, 26.Januar, 12:59 Uhr

28.

Dies zeigt doch wieder einmal wie inkompetent die GroKo-Parteien in der Digitalisierung aufgestellt sind.

Statt über WLAN in Bus und Bahn zu debattieren, sollte der flächendeckende schnelle Mobilfunkempfang im Vordergrund stehen.

Wenn es wie anderen Ländern (z.B. Japan, Südkorea, Polen) bis in die letzte Ecke des Landes LTE/4G-Empfang mit hoher Empfangsstärke bei zeitgleich geringeren Mobilfunkgebühren gäbe, bräuchte man keine überholten WLAN-Debatten.

Das Geld für solch WLAN besser in die Förderung des Mobilfunkausbaus stecken.

  • Antwort von Sven, Freitag, 26.Januar, 13:06 Uhr

    ...Yepp, isz den Autoren dieses Artikels dieses Hauptproblem bekannt? Andere Länder verlangen viel weniger Geld für viel mehr Netzabdeckung und Datenvolumen. Und hier wird schlechtes Netz einfach weiterverbreitet und feiert das als Erfolg. Wo ist der Referent von Hr. Söder?

  • Antwort von Robert De Niro, Freitag, 26.Januar, 16:52 Uhr

    Wäre schön, aber WLAN ist schnell, billig und einfach. Gehört zu jedem Restaurant oder Hotel. Da braucht man auch nicht lange durmherrum reden. LTE/xxx bringt meinem Notebook nicht viel. WLAN ist ein Service den's schon lange in Zügen geben müsste.

Sven, Freitag, 26.Januar, 12:28 Uhr

27. Flickschusterei

Repeater in Bahnen und Bussen sind Flickschustereien, die vom wirklichen Problem ablenken (sollen?): Das steinzeitliche LTE-Netz in Dtl. Ich fuhr neulich 1000km durchs menschenarme finnische Lapland. Es erschien nicht 1x "Edge" oder "3G"im Display. Durchgängige Highspeed-Abdeckung mit attraktiven Flatrates sind da so verständlich wie Sauna. Die brauchen also gar kein Bahn-WLAN. Und hierzulande hat man nicht mal am wichtigsten Umsteigebahnhof Mannheim mehr als Edge, was dann die Bahn repeated. Haha. Bahnen erzeugen kein eigenes WLAN, da ist jedem (Politiker) hoffentlich klar.