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"Sie drohen mit Waffen" Seenotretter berichten von Angriffen durch libysche Küstenwache

Menschenleben retten und sich dabei selbst in Gefahr bringen? Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichten, dass Menschenleben retten und sich dabei selbst in Gefahr bringen? Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichten, dass die libysche Küstenwache mit schweren Waffen auf sie gezielt hätte. Auch seien Boote direkt beschossen worden.

Von: Karin Bensch-Nadebusch

Stand: 28.02.2018

Arbeit der Iuventa im Mittelmeer | Bild: picture-alliance/dpa

Derzeit sind mehrere deutsche Hilfsorganisationen im Mittelmeer vor Libyen unterwegs. Es gibt libysche Küstenwächter, die extrem aggressiv gegen uns vorgehen, erzählt Axel Steier von der zivilen Seenotrettungsorganisation „Mission Lifeline“ am Rande einer Veranstaltung im Brüsseler Europaparlament.

"Wir werden aufs Korn genommen. Es wird mit schweren Waffen auf uns gezielt. Und Warnschüsse werden abgegeben. Es wurden auch schon Boote direkt beschossen. Uns ist es nicht passiert, aber es kann jederzeit passieren."

Axel Steier, Seenotrettungsorganisation Mission Lifeline

Hilfsorganisationen im Visier der lybischen Küstenwächter


Verletzt wurde bislang noch kein Mitarbeiter der Hilfsorganisationen. Aber durch solche Aktionen seien bereits viele Flüchtlinge ertrunken, kritisiert Steier, weil libysche Küstenwächter versuchten, die Menschen schneller zu bergen als die Hilfsorganisationen.

"Die kriegen keine Rettungswesten, werden bloß schnell rüber geholt an Bord des Schiffes der libyschen Küstenwache. Um möglichst viele möglichst schnell nach Libyen zu bringen, wofür die EU ja zahlt."

Axel Steier, Seenotrettungsorganisation Mission Lifeline

EU hat der libyschen Küstenwache 46 Millionen Euro gezahlt


Die Europäische Union hatte im Sommer vergangenen Jahres 46 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um die libysche Küstenwache und den Grenzschutz im Süden des Landes zu verbessern. Mit dem Geld sollte die Küstenwache besser ausgestattet werden, zum Beispiel mit Schlauchbooten, Funkgeräten und Rettungsmaterial.

Hilfsorganisationen wehren sich gegen Vorwürfe


Der Vorwurf, dass zivile Rettungsorganisationen Hand in Hand mit Menschenschleppern im Mittelmeer gearbeitet haben, dass sie Flüchtlinge von den Booten der Kriminellen direkt auf ihre Schiffe aufgenommen haben, um möglichst viele zu retten, dieser Vorwurf hat einen großen Imageeschaden für die Arbeit der Helfer angerichtet. Bis heute gibt es dafür allerdings keine eindeutigen Belege.

"Wir haben nie mit Schmugglern zusammen gearbeitet. Es gibt bis heute kein Gerichtsverfahren gegen 'Jugend rettet'. Und es sind keine Beweise vorgelegt worden, dass wir das getan haben. Die Beweise, die dort angeführt werden, die sind aus dem Kontext gerissen und falsch benutzt worden."

Julian Köberer, Hilfsorganisation Jugend rettet

Libysche Küstenwächter "in Menschenschlepperei verstrickt"


Julian Köberer von der zivilen Hilfsorganisation "Jugend rettet" ist davon überzeugt, dass es sich bei den Anschuldigungen um eine gezielte Kampagne handelte. Die italienische Politik habe einen Sündenbock gesucht für die vielen Flüchtlinge, die aus Afrika nach Italien kamen. In Wahrheit gebe es libysche Küstenwächter, die in Menschenschlepperei verstrickt sind, meint Köberer.

"Es ist auch nachgewiesen, dass einige dieser Milizen, die dann als Küstenwache auftreten, teilweise involviert sind in Schmuggel. Dann werden Leute durchgelassen, zum Beispiel von anderen Regionen wieder abgefangen, um deren Geschäft kaputt zu machen."

Julian Köberer, Hilfsorganisation Jugend rettet


Noch ist es Winter, es ist kalt, das Meer ist rau. Doch, wenn der Frühling kommt, die Temperaturen steigen, dann könnten sich wieder mehr Flüchtlinge auf den Weg machen. Und dann könnte die Auseinandersetzung größer werden, zwischen den privaten Hilfsorganisationen und den libyschen Küstenwächtern.  
 


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