102

Einigkeit auf dem CSU-Parteitag Seehofer: "Bayern ist das Paradies!"

Der CSU-Parteitag lief wie ihn sich die Parteiführung erhofft hatte. Die Doppelspitze Seehofer und Söder wurde mit einer respektablen Mehrheit gewählt. Das vertrauensvolle Verhältnis der Schwesterparteien CSU und CDU scheint wiederhergestellt. An Zeichen der Geschlossenheit fehlte es nicht.

Von: Eva Lell, Eva Huber, Stanislaus Kossakowski

Stand: 16.12.2017

Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) stehen am 16.12.2017 in Nürnberg (Bayern) beim CSU-Parteitag nach seiner Rede auf der Bühne. Foto: Sven Hoppe/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

Dass es tatsächlich ein Parteitag der "authentischen Geschlossenheit" war, wie der zum Spitzenkandidat für die Landtagswahl gekürte Finanzminister Markus Söder erklärte, bleibt anzuzweifeln. Vielmehr entstand der Eindruck einer Einmütigkeit aus Vernunft, die nur einem dienen soll: dem Wahlerfolg. Zumindest ist es der Parteitag, bei dem der Franke Söder als designierter Ministerpräsident und Hoffnungsträger der Partei auftritt:

"Wer glaubt wir geben auf, wer glaubt, wir haben Angst, der wird sich täuschen. Die CSU wird kämpfen, um bei dieser Wahl erfolgreich zu sein."

Markus Söder

Zielmarke: "40 plus x"

Der mit 83,7 Prozent zum sechsten Mal wieder gewählte Parteichef Horst Seehofer gab für Markus Söder die Zielmarke "40 plus x" bei den Landtagswahlen im Herbst 2018 aus. Söder zeigte sich optimistisch und entschlossen, diese Vorgabe erreichen zu wollen. Was er sich zur Aufgabe machen will: um die absolute Mehrheit in Bayern kämpfen, AfD-Wähler zurück gewinnen.

"Die CSU ist die starke Volkspartei in der Mitte. Aber die demokratische Rechte gehört dazu."

Horst Seehofer

Der neue Söder: Nicht fränkisch, sondern bayerisch

Söder ist dabei, sich mit einem neuen Amt, einmal mehr, neu zu erfinden. In seiner Rede erzählte er sehr persönlich vom Sterben seines Vaters und forderte mehr Geld für die Pflege und Sterbebegleitung im Alter. Und er versprach:

"Es gibt keinen fränkischen, keinen schwäbischen, es gibt nur einen bayerischen, der für ganz Bayern da ist."

Markus Söder

Doch kann der Franke Söder auch in Oberbayern Stimmen holen? Die oberbayerische CSU-Bezirkschefin Ilse Aigner, der auch Ambitionen für das Amt des Ministerpräsidenten nachgesagt wurden, meint ja.

"Wir haben ja auch gesagt, dass wir in Bayern nicht gut abgeschnitten haben, weil die Bundespolitik und die Spitzenkandidatin mit reingespielt hat. Ich gehe davon aus, dass wenn Markus Söder zur Wahl steht, dass das in Oberbayern positiv gewertet wird."

Ilse Aigner

Wie nach einem Boxkampf

Diejenigen, die sich in der Vergangenheit bekämpft haben, müssen nun zusammen arbeiten. Ausführlich loben sich Seehofer und Söder gegenseitig. Auf der Parteitagsbühne reißen sie gemeinsam freudestrahlend die Arme hoch - wie nach einem Boxkampf. Horst Seehofer spricht zum letzten Mal als amtierender Ministerpräsident auf einem Parteitag und zieht Bilanz über zehn Jahre an der Spitze des Freistaats Bayern. Bei seinem Amtsantritt 2008 hatte er den Freistaat als Vorstufe des Paradieses bezeichnet:

"Ich sage heute, Bayern ist das Paradies! Das können wir uneingeschränkt sagen."

Horst Seehofer

Seehofer hatte Markus Söder auf dem Parteitag selbst zur Wahl als Spitzenkandidat vorgeschlagen. Der wird in einer offenen Wahl nominiert, mit vier Gegenstimmen. Das Ende der Selbstbeschäftigung kündigte Söder an, Seehofer eine neue Ära. Er meinte damit die Ämtertrennung. Tatsächlich beginnt aber auch die Ära Söder. Und von ihm erwartet die Partei, bei der Landtagswahl die Macht der CSU im Freistaat sichern.


102

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Realo Ost, Sonntag, 17.Dezember, 17:52 Uhr

21. Übertriebene Selbstbeweihräucherung.

...WAR das Paradies, Herr Seehofer! Bis 2015 hätte ich Ihnen vorbehaltlos zugestimmt. Doch von da an ging es bergab. Übrigens überall noch mehr, weil da schon jahrelang keine paradiesischen Zustände mehr herrschten wegen vorhandener Überfremdung. Der Strom an Deutschenfeindlichkeit wird sich leider unaufhaltsam Richtung Bayern ergießen. Selbst in Dunkeldeutschland erkennt man seine Auswirkungen bereits.

Josef, Sonntag, 17.Dezember, 12:57 Uhr

20. 40 + X

gibt der Seehofer in Auftrag an Söder!
Machbar wenn man bedenkt das dass letzte Ergebnis von der Bundestagswahl gegen Merkels Politik gerichtet war, wenn Söder jetzt eine klare Linie aufzeigt.
Was muss er tun, er muss auf die Ebene des Bürgers kommen und evtl. sich von richtigen Berater beraten lassen und sich auch Außerhalb des schwarzen Zirkels sich umhören, welche Sorgen und Nöte die Bürger haben.
Größte Aufgabe wird es sein die Abwanderer an die AFD aufzufangen, denn diese Wähler haben einen klaren Kopf und die wissen was sie wollen und wer heute noch glaubt das sind lauter Rechte der verschleiert die Realität, denn die sind es, die Themen aufgreifen was die andere Politik gern unterm Tisch verschwinden lässt.
Man kann Söder nur viel glück wünschen das er sein Ziel erreicht, ich hoffe es auch, man sieht ja was raus kommt wenn zviele Mitreden wollen und das kann Bayern als wirtschaftstärkste Kraft Europas nicht gebrauchen.
Mit Söder für ein glückliches stabiles Bayern!

  • Antwort von Francesco, Sonntag, 17.Dezember, 15:13 Uhr

    Träumen darf man ja mal. Nein, es war nicht die Kanzlerin, sie waren es selbst. Ich persönlich bin - als ehemaliger CSU-Stammwähler - relativ sicher, dass es die nächsten Jahre mit der CSU weiter Berg ab gehen wird. Sie haben einfach zu lange den Schuss nicht gehört, die Bürgerinteressen ignoriert und kriminelle Machenschaften in der Wirtschaft (Dieselskandal, Glyphosat, Bayern Ei, Riedener Horn, etc.) unterstützt sowie nur auf den Putz gehauen, aber nichts umgesetzt. Ich habe mir nie träumen lassen, dass ich die CSU irgendwann nicht mehr wählen kann. Aber es war für mich in den letzten Jahren einfach zu viel des Kasperltheaters, des Postengeschacheres und der ekelhaften Machtdemonstrationen. Der Sprachcomputer Dobrindt, der wirklich nur leere Phrasen drischt, geht für mich gar nicht mehr. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
    Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

  • Antwort von Josef, Sonntag, 17.Dezember, 15:46 Uhr

    @Francesco
    man sollte Söder eine Chance geben, wenn er sie nicht Nutzt dann war es mit Bayern und der CSU für alle Zeit. Dieselskandal, Glyphosat usw. sollte man schon unterteilen zwischen Landespolitik und Bundespolitik auch bayrische Interessen für Arbeitnehmer.

    Sollte Söder versagen, dann war es mit dem Paradies und wir bekommen italinienische Verhältnisse! Könnte mir auch nicht im größten Traum mir vorstellen das Bayern rot/grün regiert wird!

    Also Söder hat jetzt die Zukunft Bayerns in der Hand, sollten ihm die Bürger das Vertrauen schnenken, wie er in die Geschichtsbücher eingeht das liegt am ihm, vielleicht schaft er es in die Walhalla, dann war er ein großer!

  • Antwort von Francesco, Montag, 18.Dezember, 11:13 Uhr

    @ Josef

    Dieselskandal und Glyphosat hatte ich stellvertretend für die verantwortlichen CSU-Bundespolitiker Dobrindt -sorry, für mich ein Totalausfall - & Schmidt angeführt. Bayern-Ei und Riedener Horn stehen für die üblichen Machenschaften der Bayerischen CSU. Ich will mich - allein schon aus persönlichem Stolz - von diesen Damen und Herren einfach nicht mehr weiter verarschen lassen. Aber vielleicht haben sie ja jetzt verstanden und ändern ihre Vetternwirtschaft-Politik. Sobald ich dies nachhaltig sehen kann, werde ich auch wieder CSU wählen. Aber jetzt müssen sie erst mal in Vorleistung und beweisen, ob sie auch "Wählervolk-Interessen" können...

Andrea , Sonntag, 17.Dezember, 12:30 Uhr

19. Bayern ist das Paradies! Für wen? Für Politiker?

Für Wohnungssuchende in München sicher nicht. Für Flaschensammler auch nicht. Für kranke Kinder, die auf Spenden hoffen, auch nicht. Für Rentner, die vor ständig steigenden Mieten Angst haben, auch nicht. Für junge Frauen, die nur mit Pfefferspray am Abend spazieren gehen, auch nicht.

  • Antwort von Wolf, Sonntag, 17.Dezember, 18:00 Uhr

    Das Frauen mit ständig gezücktem Pfefferspray allein spazieren gehen wundert ja nun nicht. So klappt das nie mit dem Nachbarn!

  • Antwort von WBO, Sonntag, 17.Dezember, 19:16 Uhr

    Und für Umwelt und Natur schon 3mal nicht. Ich bitte alle CSU Dauerwähler sich mal den Beitrag vom BR 2 Zündfunk anzuhören.

    http://cdn-storage.br.de/iLCpbHJGNL9zu6i6NL97bmWH_-bf/_AJS/_A4f_y4y571S/171210_2205_Zuendfunk-Generator_Die-Bayerische-Staatsregierung-und-ihr-Umga.mp3

Miiich, Sonntag, 17.Dezember, 12:24 Uhr

18. Das verratene Paradies

Jetzt kurz vor der Landtagswahl erinnert sich die CSU wieder an Bayern....wie jedes mal tönt es wieder ein halbes Jahr Bayern zuerst und CSU=Bayern. Es tönt mehr nicht, denn einen Tag nach der Landtagswahl sind wieder nur Berlin und die dortigen Posten wichtig.
Jene Posten und eine fiktive Bayernmilliarde, für die man heuer stillschweigend und ohne Widerstand einen Großteil der letzten Länderrechte geopfert hat.
Und jetzt werden sie sich wieder als Verteidiger der (kaum noch vorhandenen) Eigenstaatlichkeit Bayerns darstellen, als Kämpfer dür Föderalismus und Subsidiarität, obwohl sie in Berlin weiterhin jede Zentralisierung auf den Bund applaudierend mittragen.

Wer dieser Partei das noch glaubt ist selber Schuld.
Die CSU müss erst beweisen, dass ihr wirklich wieder mehr an Bayern liegt, als sichere Direktmandate für den Bundestag.

Nur eine Bayernpartei im Landtag könnte die CSU wieder auf Kurs bringen, denn sie hat vergessen woher sie kommt und wer ihre Wähler sind.

  • Antwort von Josef, Sonntag, 17.Dezember, 13:11 Uhr

    @ Miiich
    Wer dieser Partei das noch glaubt ist selber Schuld.
    Die CSU müss erst beweisen, dass ihr wirklich wieder mehr an Bayern liegt, als sichere Direktmandate für den Bundestag.

    Das war die Bundestagswahl und da muss es das ziel sein und sie haben es geschafft und das braucht ein starkes Bayern als Grundvoraussetzung um überhaupt Landespolitik umzusetzen.
    Vielleicht ist es jetzt besser wenn die Ämter getrennt sind, so das der Bürger den Unterschied erkennt wann es um Landespolitik oder Bundespolitik geht!

Francesco, Sonntag, 17.Dezember, 12:24 Uhr

17. Trifft für ...

CSU-Politiker sicher zu. Das Volk, an dem zum Teil zu Gunsten der Großkopferten völlig vorbei "regiert" wird, wird das sicher differenzierter sehen. Wichtige Themen wie Breitband, Industrie 4.o, Naturschutz und gesunde Landwirtschaft, Bildung, etc. kommt bei denen überhaupt nicht vor, gehört aber für mich zum "Paradies". Ergo: Nur populistische Sprüche wie eh und je und kein Mehrwert fürs Wähler-Volk.