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Reaktionen auf Nationalpark-Aus "Schwarzer Tag für den Naturschutz"

Bayerns Ministerpräsident Söder hat den Plänen für einen dritten Nationalpark im Freistaat in seiner Regierungserklärung eine Absage erteilt. Die Reaktionen darauf sind gemischt: Grüne und Naturschützer zeigen sich enttäuscht, Jäger und Landwirte im Landkreis Donau-Ries erleichtert.

Von: David Friedman

Stand: 18.04.2018

In seiner ersten Regierungserklärung als Bayerischer Ministerpräsident hat Markus Söder die Idee eines dritten Nationalparks vorerst beerdigt. Anfangs waren ja der Frankenwald und der Spessart als dritter Nationalpark vorgesehen. Nach vehementen Widerständen in diesen Regionen kamen als Ersatz die Donau-Auen zwischen Lechmündung und Weltenburg in die engere Auswahl und die Rhön zwischen Hessen und Bayern. Beide Nationalpark-Pläne werden jetzt nicht in die Tat umgesetzt.

"Wir stellen die Idee eines Nationalparks weit zurück, meine Damen und Herren."

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident

Um gleichzeitig die Gemüter der Nationalpark-Befürworter zu beruhigen, will Markus Söder die bestehenden Naturparke stärken und sogenannte Umweltbildungsstätten einrichten.

"Ein dritter Nationalpark wird nicht helfen, die Schöpfung zu bewahren. Wir wollen sie in der Fläche haben, in ganz Bayern."

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident

Konkret versprach Söder:

"Wir werden ein Biodiversitätszentrum in der Rhön, ein Walderlebnis- und Eichenzentrum im Spessart, das Zentrum Naturerlebnis Alpin am Riedberger Horn und an der Donau ein begehbares Donau-Aquarium zusammen mit dem Haus im Moos einrichten. Wir verbieten nicht die Nutzung der Natur – wir laden ein, die Natur zu erleben."

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident

Enttäuschung über das Aus für einen dritten Nationalpark

Von einem "schwarzen Tag für den Naturschutz" sprach der Grünen Landtagsabgeordnete Thomas Mütze aus Aschaffenburg. Es gebe keinen sachlichen Grund, die Suche nach einem geeigneten Standort für einen dritten Nationalpark so mir nichts, dir nichts aufzugeben – so Mütze.

Enttäuscht vom Nationalpark-Aus zeigt sich auch der Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle. Mit der Aufgabe der Pläne für einen Nationalpark vertue man eine große Chance für die Region und den Naturschutz.

"Ein Nationalpark wäre schon eine große Attraktion für den Landkreis gewesen."

Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle

Der gleichen Meinung ist auch Claus Schenk, der Sprecher des Bündnisses "Nationalpark Rhön":

"Wir haben gezeigt, dass die Rhön die Qualität eines Nationalparkgebietes hat. Wir wissen, in welcher Liga die Rhön als Biosphärenreservat und als möglicher Nationalpark gespielt hätte – für den Naturschutz und für den Tourismus. Vielleicht ist ja irgendwann in der Zukunft der Bayerische Landtag soweit, dass er einen dritten Nationalpark in Form eines Laubwaldgebietes doch noch sucht. Claus Schenk, Sprecher des Bündnisses 'Nationalpark Rhön'

Freude über das Aus für einen dritten Nationalpark

Freude herrscht dagegen beim Bürgermeister von Marxheim im Landkreis Donau-Ries, Alois Schiegg. Er hatte hohe Auflagen für seine Jäger und Landwirte gefürchtet, falls ein Nationalpark "Donau-Auen" gekommen wäre.

Ins gleiche Horn stößt auch der Nationalpark-Gegner Josef Kroll vom Bauernverband Ingolstadt:

"Die Nachteile sind für mich doch größer wie die Vorteile. Es ist sowieso ein Pseudoreservat, wo eingeschränkter Bau wegen dem beschränkten Naturschutz besteht. Da braucht man keinen zusätzlichen Naturschutzpark. Ich hab‘ Verwandte im Bayerischen Wald – die Bauern, die Waldbesitzer jammern. Des is a Katastrophe."

Josef Kroll, Bauernverband Ingolstadt

Auch Daniel Wehner, der erste Vorsitzende des Vereins "Unsere Rhön - gemeinsam stark" atmet erleichtert auf, als er hört, es wird nun definitiv keinen dritten Nationalpark "Rhön" geben:

"Also, der Nationalpark ist uns über Nacht übergestülpt worden. Man wollte eine Käseglocke über das Gebiet hängen und hat damit jede Entwicklung ausgeschlossen. Die ganze Informationspolitik war auch sehr schlecht. Das hat der Markus Söder erkannt und hat dadurch neue Wege für uns eröffnet." Daniel Wehner, erster Vorsitzender Verein 'Unsere Rhön - gemeinsam stark'

Umkehr der CSU-Politik

Noch im Juli des vergangenen Jahres hatte die damalige Umweltministerin Ulrike Scharf von einem offenen Rennen zwischen Rhön und Donau-Auen um den Status eines Nationalparks gesprochen. Horst Seehofer verteidigte damals seine Initiative für einen dritten Nationalpark mit dem Hinweis auf entsprechende Umfragen, die besagten, dass 75 bis 85 Prozent der Bevölkerung für einen Nationalpark wären. Diese Erkenntnis hat nun sein Nachfolger, Markus Söder, beiseite geschoben.


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Leonia, Donnerstag, 19.April, 12:58 Uhr

10. Söders "Geschmeidigkeit" . . .

. . . muss niemanden verwundern. Sein einziges wahrhaft ehrgeiziges Projekt war uns ist der Job als Ministerpräsident. Schon vorher hat er dafür wenig mehr geleistet als zugegebenermaßen erstaunliche Selbstdarstellungsfähigkeiten unter Beweis zu stellen. Aber einen belastbaren und dauerhaften Standpunkt hat er noch nie gehabt: heute hü und morgen hot, wie es gerade für die Wählerstimmen am ergiebigsten ist. Wer sich auf den verlässt ist verlassen.

Sebastian Schönauer, Donnerstag, 19.April, 12:18 Uhr

9. Schwarzer Tag für den Naturschutz

Es stellt sich angesichts der Anti- Nationalparkkampagnen in allen "Suchgebieten" die Frage, ob es nicht von Anbeginn die Absicht der CSU war, durch eine aufgeheizte Nationalparkdiskussion den Naturschutzgedanken insgesamt zu diskreditieren und damit zu schwächen.. Die populistischen Kommentare der Funktionären des Bauernverbandes, wie der Jäger und auch der nicht betroffenen Privatwaldbesitzer gehen in die Richtung, dass gegen die wenigen Landbesitzer oder Landnutzer wie Jäger und Bauern keine Wälder unter Schutz gestellt werden dürften. Die Frage der Holzrechte im Spessart wäre mit ernstehaften Verhandlungen zu lösen gewesen. Die CSU - Granden vor Ort haben dagegen bewusst eine Abwehrhaltung vor Ort aufgebaut und dazu beigetragen, dass es keine vorurteilsfreien Diskussionen vor Ort geben konnte. Die CSU stößt mit dieser Entscheidung allerdings fast zwei Drittel (64 %) der bayerischen Bevölkerung vor den Kopf, die sich zu Recht für größere nutzungsfreie Waldschutzgebiete ausspricht.

Optic, Donnerstag, 19.April, 06:09 Uhr

8. Bayern braucht 3.Nationalpark

Es war zu erwarten. Viel bla bla vom Söderla. Schwierige Themen geht Söder nicht an. Eine Rote Linie in Sachen Umwelt und Natur ist nicht zu erkennen. Da hilft nur eins. Das Kreuzchen bei der Landtagswahl an die richtige Stelle machen. Die CSU wird dieses Mal kaum die absolute Mehrheit im Landtag schaffen. Es mus als Koalitionspartner her. Die Freien Wähler sind nur ein billiger CSU Abklatsch, die SPD hat sich in Bayern eine bequeme Nische eingerichtet. Bleiben nur noch die Grünen.

  • Antwort von Holger Lenz , Donnerstag, 19.April, 13:36 Uhr

    Bloß nicht! Der Feldversuch in Hessen ist krachend gescheitert. Die hessische Umweltpolitik ist am Ende und der Steuerzahler blutet. Vielleicht kommt mangels Alternativen die FDP auf die Beine.

HinterTürkisch, Donnerstag, 19.April, 02:00 Uhr

7. Phantomschmerzen

Die, die sich über das (vorläufige?) Aus für einen "Nationalpark Donauauen" freuen, sehen sicher nicht, dass-wie man es dreht und wendet-nicht alles dem Menschen gehören darf: Je mehr Fläche wie jetzt bewirtschaftet werden kann, desto mehr wird davon auch unweigerlich in vielfacher Hinsicht qualitativ abbauen. Und wie mir unlängst von Verwandten aus Südbayern berichtet wurde: Die dortige Regionalzeitung zitiert einen Bürgermeister, der es doch praktisch gefunden hätte, wäre ein "Nationalpark Donauauen" gekommen-dann nämlich wäre ein auf dem Grund seiner Gemeinde in Planung befindlicher Donauflutpolder verhindert worden; und auch hier ist die Angst der Landwirte, Grund nicht mehr bearbeiten zu können. Insgesamt ist das ALLES verrückt, da ja doch niemand ALLES mit ins Grab nehmen kann.

Waldgott Gottwald, Donnerstag, 19.April, 00:15 Uhr

6. Ein neuer Nationalpark erfordert Mut der Regierenden, Söder hat ihn nicht...

Markus Söder und sein Kabinett haben die Bedeutung von Naturschutz für die Daseinsvorsorge scheinbar überhaupt nicht verstanden.

Es geht ja gar nicht um entweder Naturschutz punktuell durch angebliche Großprojekte oder Naturschutz in der Fläche. Durch die jahrelange Streiterei ist der Nationalpark zum flächenfressenden Stilllegungs-und-Leut-Entmündigungs-Ungeheuer geworden, viele CSU-Lokalfürsten haben fleißig an diesem Bild mitgemalt. Nein. Nationalpark ist nichts weiter als ein wirksames Naturschutzinstrument unter vielen anderen.

Und vor allem keine menschenfeindliche No-Go-Zone, Herr Söder!

Und Staatswald ist öffentliches Gut, er gehört nicht nur den Jägern und dem Bauernverband. Er sollte viel mehr für Naturschutz, Erholung und Freizeitgestaltung der Allgemeinbevölkerung da sein, als zu nahezu 100% nur der forstlichen Nutzung zu dienen.

Diesen Tag finde ich deswegen nicht nur für den Naturschutz ein schwarzer Tag, sondern auch für Bayern.