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Unscharfe Bilder War es ein Wolf in Rettenberg? Noch ist kein Nachweis möglich

Gestern ist angeblich ein Wolf in Rettenberg, im Oberallgäu, gesichtet worden, Passanten haben ein Video und Fotos gemacht. Das Landesamt für Umwelt kann wegen der schlechten Aufnahmen vorerst nicht bestätigen, dass es ein Wolf ist.

Von: Viktoria Wagensommer

Stand: 07.03.2018

Standbild aus dem Video, das angeblich einen Wolf bei Rettenberg (Oberallgäu) zeigt, der eine Wiese überquert | Bild: Benjami Liss

Das Wildtiermanagement des Landesamts für Umwelt (LfU) bewertet die gestern eingegangenen Aufnahmen aus Rettenberg in einer ersten Einschätzung als nicht ausreichend für den Nachweis eines Wolfes. Grund sei die Qualität der Aufnahmen, die zum Teil in der Dämmerung aufgenommen sind, sagte ein Sprecher dem BR. Jetzt wurden die Fotos und das Video an die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf weitergeleitet, wo sie ebenfalls ausgewertet werden sollen.

Es könnte ein Wolf gewesen sein - sagt ein Jäger

Heinrich Schwarz, der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Oberallgäu, sagte dem BR, aus seiner Sicht könne es sich bei dem im Video sichbaren Tier schon um einen Wolf handeln. Bei der Färbung von Wölfen gebe es viele Varianten und der weiße Fleck am Hinterteil könne von einer Verletzung, beispielweise von einem Zusammenstoß mit einem Auto kommen. In diesem Fall kommt ihm zufolge unter dem grauen Fell nämlich die weiße Unterwolle zum Vorschein.

Mit einer DNA-Probe könnte man das Tier bestimmen

Ein hundertprozentiger Nachweis eines Wolfes sei allerdings nur mithilfe einer DNA-Speichelprobe an einem gerissenen Tier möglich oder mithilfe von Kot oder Haaren, die zum Beispiel an einem Zaun hängen geblieben sein könnten. Örtliche Vertreter des Netzwerks Große Beutegreifer machen sich laut Schwarz möglicherweise auf die Suche nach solchen Spuren.

Ein Wolf im vergangenen Sommer

Bereits im vergangenen Sommer wollen Touristen wohl einen Wolf gesehen haben. Weil unklar war, ob es sich nicht eher um einen Schäferhund-Mischling handelte, wurden die Bilder Schwarz zufolge damals aber nicht ans LfU zur Prüfung weitergeleitet.

Warnung vor dem Wolf

Franz Hage, Vorsitzender des Alpwirtschaftlichen Vereins Allgäu, warnt vor den Folgen für die Landwirtschaft im Oberallgäu. "Weidewirtschaft und vor allem Alpwirtschaft sind mit dem Vorkommen von Wölfen nicht vereinbar", sagte er dem Bayerischen Rundfunk auf Nachfrage. Die Tiere auf den Weiden und Alpen seien vor dem Wolf weder durch Zäune noch durch Hütehunde geschützt.

Die Politik müsse alles dafür tun, dass sich die Wölfen nicht dauerhaft im Oberallgäu niederließen. Wie berichtet wird derzeit geprüft, ob es sich bei dem Tier, das auf den Fotos und dem Video zu sehen ist, wirklich um einen Wolf handelt.


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