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Trotz Verbot: Unkrautvernichter in Meringer Kindergarten

Spätestens seit Glyphosat sind sie in aller Munde: Unkrautvernichter und ihre Folgen für Pflanzen, Tiere und natürlich auch die Menschen. Jetzt schlägt das Thema im schwäbischen Mering hohe Wellen, denn betroffen ist dort ein Kindergarten.

Von: Andreas Herz

Stand: 14.02.2018

"Banvel M" in Meringer Kindergarten | Bild: BR/Andreas Herz

Aufreger ist das Unkrautvernichtungsmittel "Banvel M". Eingesetzt wurde es auf der Wiese des Meringer Kindergartens Farbkleckse - ohne, dass die Eltern davon wussten.

Klaus Becker von den Grünen in Mering.

Im Meringer Gemeinderat wollten die Grünen und Teile der CSU den Chemie-Einsatz stoppen. Denn Klaus Becker ist überzeugt:

"Ein Gift, das in die Umwelt eingebracht wird und da dürfen dann sogar Kinder spielen - vielleicht sogar noch das Blatt in den Mund nehmen - da besteht mit Sicherheit die Gefahr, dass Rückstände auch die Kinder betreffen."

Klaus Becker, Grüne Mering

Doch für SPD-Bürgermeister Hans-Dieter Kandler ist der Chemie-Einsatz im Kindergarten und auch im Freibad völlig in Ordnung. Ein Interview lehnt er ab - keine Zeit, wegen der vielen Faschingsfeiern. Nur soviel: man habe das Mittel mit Bedacht eingesetzt.

Doch stimmt das? In der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gibt Dr. Josef Huber eine klare Antwort:

"Aufs Kindergartengelände und auch im Freibad ist es nicht zugelassen."

Dr. Josef Huber, Landesanstalt für Landwirtschaft.

Das heißt, wenn ein Unkrautvernichtungsmittel widerrechtlich eingesetzt wird, können durchaus Strafen auf die Gemeinde bzw. auf den Verantwortlichen zukommen, meint Klaus Becker von den Meringer Grünen.

Positiv-Beispiel Stadtbergen

Roland Storr vom Bauhof in Stadtbergen.

Dass es auch ohne Chemie geht, beweist die Nachbargemeinde Stadtbergen. Dort wird das Unkraut mit riesigen Stahlbürsten aus den Randsteinen gefegt.

"Unkrautmittel ist kein Spaß und es ist verboten. Und seit ich hier im Bauhof bin, wird sowas nicht mehr verwendet."

Roland Storr, Bauhof Stadtbergen

Und die Grünflächen? Die werden mit viel Handarbeit gepflegt, regelmäßiges Düngen und Mähen. Zwei Saison-Kräfte wurden dafür extra eingestellt.

Die Meringer Eltern wollen die Sache in ihrem Kindergarten nun zum Thema machen. Und die Grünen wollen im Gemeinderat den Druck erhöhen. Noch ist hier die Chemie-Keule das Mittel der Wahl.


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Wolfhard von Thienen, Freitag, 16.Februar, 08:45 Uhr

13. Pestizideinsatz in Mering

Man muss fairerweise sagen, dass der Antrag im Gemeinderat zum Verzicht auf Pestizide nicht optimal vorbereitet war und die Gemeinderäte zu wenig Informationen bekamen. Dass jetzt allerdings dank Recherche herauskam, dass das in Kindergärten eingesetzte Pestizid dort eigentlich verboten ist, ist schon ein starkes Stück. Dafür muss der Bürgermeister die Verantwortung übernehmen und aufklären, wie das passieren konnte.
Ich habe übrigens nach der negativen Gemeinderatsentscheidung in mühevoller Arbeit ein umfassendes Papier auf Basis von Informationen des Bund Naturschutz und eigenen Recherchen verfasst, in denen ich Wege aufzeige, wie die Gemeinde auf Pestizide verzichten kann. Dies habe ich dem Bürgermeister Kandler, dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Resch und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden David geschickt. Als promovierter Biologe bin ich fachlich dafür durchaus in der Lage. Ich habe weder Dank noch eine sonstige Antwort erhalten.

Hans Meier, Mittwoch, 14.Februar, 20:30 Uhr

12. Hohe Wellen?!

Dass das Thema unter dem Gros der Eltern hohe Wellen schlägt, kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Eher die Tatsache, dass den üblichen Selbstdarstellern mal wieder eine Bühne geboten wird. Diese würden sich im Übrigen auch empören, wenn das eigene Kind im ökologischen Kleerasen vor dem Kindergarten in eine Biene treten würde.
Das ökologischen Bewusstsein der betreffenden Eltern endet aber auch sehr schnell, wenn es drum ginge, seine Kinder mal anders als mit dem PKW abzuholen...

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 15.Februar, 15:37 Uhr

    Mit dümmlichen Elternbashing wird der Vorfall nicht besser. Gottseidank gibt es "Selbstdarsteller" und nicht nur selbstgefällige Schlaumaier

Ingo , Mittwoch, 14.Februar, 17:05 Uhr

11. Ein Jahr ohne Anklage?

In Deutschland sitzen Leute gerne mal zwei Jahre in Untersuchungshaft, weil die Staatsanwaltschaft wiederholt Haftverlängerung beantragt. Erstmal vor der eigenen Tür kehren!

  • Antwort von §§ 112 ff. StPO, Mittwoch, 14.Februar, 21:44 Uhr

    Mit dem Unterschied, dass dies alles durch Ermittlungsrichter geprüft und beschlossen wird. Die Verlängerung muss durch das zuständige Oberlandesgericht entschieden werden.
    Und nicht einfach eingesperrt und vergessen.
    Deutschland ist im Gegensatz zur aktuellen Türkei ein Rechtsstaat.

Seba, Mittwoch, 14.Februar, 16:31 Uhr

10. Je weniger chemische Gifte in unsere Umwelt gelangen um so besser !!

Grundsätzlich gilt es in meinen Augen, den Einsatz chemischer Umweltgifte auf ein Minimum zu begrenzen!! Da sehe ich keinen Unterschied zwischen Kindergarten, privatem Vorgarten, Parkanlage oder landwirtschaftlicher Nutzfläche. Jeder Tropfen Chemie, der in unsere Umwelt gelangt, hat das Potential, Schäden zu verursachen.
Auf alles und auf jeden "Pf...z" wird eine Steuer erhoben, warum nicht auch auf solche Chemie ??? Wenn das Gift extrem teuer ist, überlegen sich vielleicht auch gewerbliche Ausbringer, andere Methoden der Unkrautvernichtung einzusetzen ??
Mir ist jedoch bewusst, soweit wird es sicher nicht kommen, da würden mächtige Lobby-Verbände sicher rechtzeitig eingreifen.
Solange diese Einflüsse so mächtig sind, sollte sich bitte auch niemand aufregen, wenn in einem Kindergarten oder bei der Produktion von Lebensmitteln kräftig die Chemie zum Einsatz kommt!! Alles legal und im Rahmen der Grenzwerte !

Wolfgang Bachmeir, Mittwoch, 14.Februar, 14:47 Uhr

9. Unkrautvernichtungsmittel

Das ist keine ehrliche und seriöse Berichterstattung in diesem Bericht wurden Fakten verschwiegen nur die halbe Wahrheit berichtet

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 14.Februar, 15:47 Uhr

    Dann lass uns nicht dumm sterben......

  • Antwort von Wolfgang Bachmeir , Mittwoch, 14.Februar, 19:50 Uhr

    1.Laut Hersteller ist das Mittel auf Sport -und Zierrasen zugelassen . Wo gibt es einen Sportrasen der nicht regelmäßig betreten wird? 2. Das Mittel ist in jedem Baumarkt erhältlich. 3. Laut Bauhofleiter war der Einsatz mit dem AELF abgesprochen. 4. Die Behandlung wurde von einer fachkundigen Person ausgeführt. 5. Anstatt den Bauhofleiter der Gemeinde Mering zu fragen hat man jemanden aus Stadtbergen interviewt. Seriöse Berichterstattung sieht anders aus

  • Antwort von 2-Methyl-4-Chlorphenoxyessigsäure, Mittwoch, 14.Februar, 22:13 Uhr

    Als Spielwiese darf eine mit Banvel M behandelte Rasenfläche erst nach dem Schnitt verwendet werden. Ich wette, das hat niemanden interessiert.

  • Antwort von BR Reporter Andreas Herz, Donnerstag, 15.Februar, 07:22 Uhr

    Sehr geehrter Herr Bachmeir,

    vielen Dank für Ihre Kritik. Da ich annehme, Sie schreiben hier in Ihrer Funktion als Meringer SPD-Gemeinderat, will ich Ihnen gerne antworten.
    Zu den von Ihnen genannten Punkten:

    1. Die Hersteller-Angaben sind nicht relevant. Entscheidend ist die behördliche Genehmigung. Und hier ist die Aussage der zuständigen Landesanstalt eindeutig: Die Verwendung des Mittel im Freibad und im Kindergarten ist nicht zulässig.
    2. siehe Punkt eins.
    3. Selbst wenn das Vorgehen mit dem Augsburger Amt abgesprochen wurde, bleibt das ausgesprochene Verbot bestehen.
    4. Was ändert es, wenn ein für den fraglichen Bereich verbotenes Mittel von Fachpersonal ausgebracht wird?!
    5. Ich hätte sehr gerne die offizielle Meinung des Bürgermeisters, dem ja auch der Bauhof untersteht, erfahren. Leider wollte er kein Interview geben. Warum das unseriöse Berichterstattung ist, kann ich nicht nachvollziehen. Stadtbergen ist ein Beispiel für eine Gemeinde, die auf Gift verzichtet. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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