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Pressekonferenz in der Staatskanzlei Umstrittene Skischaukel am Riedberger Horn wird nicht gebaut

Bayerns Ministerpräsident Söder hat entschieden: Die Skischaukel am Riedberger Horn im Allgäu wird nicht gebaut - zumindest nicht in den nächsten zehn Jahren. Stattdessen will die Staatsregierung viel Geld für umweltfreundlichen Tourismus ausgeben und vorhandene Lifte modernisieren. Opposition und Umweltverbände sind trotzdem nicht zufrieden.

Von: Regina Kirschner, Florian Haas

Stand: 06.04.2018

Tief verschneit: Das Riedberger Horn bei Balderschwang  | Bild: picture-alliance/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Der umstrittene Verbindungslift am Riedberger Horn wird erst mal nicht gebaut. "Auf die Skischaukel wird verzichtet, für mindestens zehn Jahre", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am späten Vormittag in München. Zuvor hatte er mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein und mit dem Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (ebenfalls CSU) über das überraschende Aus des Projektes beraten.

Söder: "Das Ziel: Ruhe und Frieden am Riedberger Horn"

Statt der Skischaukel soll nun am Riedberger Horn für rund 20 Millionen Euro ein neues, naturnahes Tourismuskonzept entstehen. Söder sagte wörtlich: "Unser Ziel war es, wieder Ruhe und Frieden am Riedberger Horn zu schaffen." Außerdem sollen ihm zufolge bestehende Liftanlagen modernisiert und so der Wintersport weiter stark gefördert werden.

Konkret plant Söder mehrere Maßnahmen. Unter anderem soll ein neues "Zentrum Naturerlebnis Alpin am Riedberger Horn" gebaut werden – vergleichbar mit dem Haus der Berge in Berchtesgaden. Außerdem soll die Mobilität durch Elektrobusverbindungen zwischen den Skigebieten verbessert werden; auch die Digitalisierung in der Region werde vorangetrieben. Die Strahlkraft des Projekts wird Söders Prognose zufolge weit über die beiden Gemeinden hinaus gehen und das gesamte Allgäu touristisch verstärken.

Ministerpräsident wollte kein "Disneyland im Schnee"

Söder sprach davon, eine Gegenposition zu den Wintersportorten in Österreich aufzubauen. Dort sei alles ein bisschen "Disneyland im Schnee". Nun setze man einen bewussten Gegenpunkt dazu. Der neue bayerische Regierungschef will mit dieser Entscheidung einen "Schlussstrich unter die politisch aufgeregte Debatte" setzen und spricht von einem "großen Schritt nach vorne".

Die beteiligten Bürgermeister der schwäbischen Gemeinden und der Landrat äußerten sich zufrieden über die Entscheidung und dankten Söder. Dieser habe den "Gordischen Knoten" gelöst, sagte Balderschwangs Bürgermeister.

Am 1787 Meter hohen Riedberger Horn wollten bisher die Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein eine neue Bergbahn bauen, um die Skigebiete miteinander zu verbinden. Dazu wurde eigens der Landesentwicklungsplan geändert. Das Aus für die Skischaukel hatte sich zwar in den vergangenen Tagen angedeutet, kommt aber im Gesamtrückblick dennoch überraschend - auch weil sich Söder als Heimatminister einst für das Großprojekt ausgesprochen hatte.

Ein Erfolg für die Umweltschützer

Unter einer Skischaukel wird die Verbindung zweier benachbarter Wintersportgebiete verstanden. Die Ski- und Snowboardfahrer können dann nach Belieben von einer Pistenregion in die andere wechseln, also hin und her schaukeln. Befürworter der schwäbischen Skischaukel meinten, die Region müsse sich mit dem Projekt für den Wettbewerb insbesondere mit österreichischen Skigebieten wappnen müsse. Kritiker hatten die Risiken für den Umwelt- und Naturschutz hervorgehoben. Sie dürften die jetzige Entscheidung als großen Erfolg feiern.

Oppsition: Umdenken in der Alpenpolitik

Die Opposition im Landtag fordert jetzt ein grundsätzliches Umdenken der Staatsregierung in der Alpenpolitik. SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn wirft Söder Populismus vor. Söder müsse nun zeigen, dass es ihm ernst ist mit dem Naturschutz in den Bergen:

"Damit es ein richtiger Erfolg wird, muss diese Änderung des bayerischen Alpenplans rückgängig gemacht werden. Und was auch ein Prüfstein wäre für die ernsthaften Absichten der CSU, dass es aus Steuermitteln keine Subventionen mehr für Schneekanonen gibt."

Florian Von Brunn, SPD-Umweltpolitiker

Umweltverbände: Söders Ankündigungen erfreulich, aber nicht genug

Dass die Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang zwar momentan auf den Lift verzichten, die Voraussetzung dafür - die Änderung des Alpenplans - aber bestehen bleibt, halten auch die Umweltverbände für problematisch. Für Norbert Schäffer vom Landesbund für Vogelschutz sind die Ankündigungen Söders statt auf eine neue Bergbahn nun auf ein naturnahes Tourismuskonzept zu setzen zwar erfreulich, aber noch nicht genug:

"Wir wollen geklärt haben, ob es rechtens war, den Alpenplan zu ändern. Wir glauben es nicht!"

Norbert Schäffer, Landesbund für Vogelschutz

Ihre Normenkontrollklage wollen der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz also aufrecht erhalten. Söder hat der Forderung der Umweltschützer, die Änderung des Landesentwicklungsprogramms rückgängig zu machen, bereits eine Absage erteilt und die Klage als unsinnig bezeichnet.


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Chr. Horger, Freitag, 06.April, 19:16 Uhr

22. Opposition und Umweltverbände sind trotzdem nicht zufrieden.

Das ist doch offensichtlich das einzige was die Opposition kann - unzufrieden und dagegen sein. Zu mehr sind SPD, Grüne usw. wie mir scheint ja nicht fähig. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die wählende Bevölkerung daran erinnert und wieder die Macher wählt.

  • Antwort von 100 % Erneuerbare, Freitag, 06.April, 20:21 Uhr

    Mit solch einer fadenscheinigen Umweltpolitik kann man auch nicht zufrieden sein. Die Skischaukel ist nur verschoben, noch nicht komplett vom Tisch. Wird Zeit, dass die Macher für solch eine Politik nicht mehr gewählt werden. Bayerns Boden ist zu wertvoll, dass man ihn zubetoniert bzw. durch einschneidende Umnutzung zerstört und nachfolgenden Generationen als versiegelte Fläche auf dem Tablett serviert. Wann beginnt endlich das Umdenken bei den angeblichen Vordenkern?

  • Antwort von Zwiesel, Freitag, 06.April, 20:32 Uhr

    @Chr. Horger:
    Wer sind denn die Macher? Söder und seine CSU? Haben die nicht gerade einen Rückzieher gemacht von etwas was sie unbedingt machen wollten? Und es ist gut, dass, anders als Sie, SPD, Grüne, Umwelt- und Naturschutzverbände und Bürger nicht zufrieden sind. Das grundsätzliche Verbrechen an der Natur, wodurch die Schischaukel überhaupt erst gebaut werden hätte können, ist die Änderung des Alpenplans. So lange diese Änderung nicht zurückgenommen wird, kann man nicht zufrieden sein. Gut dass es sie gibt, die unzufrieden und dagegen sind.

Max Scholl, Freitag, 06.April, 19:00 Uhr

21. Riedberger Horn

Umstrittene Skischaukel am Riedberger Horn wird nicht gebaut
Wiedereinmal ist die CSU eingeknickt. Keine Haltung, kein Durchsetzungsvermögen. Politik der Beliebigkeit.

Neumaier, Michael, Freitag, 06.April, 18:13 Uhr

20. Riedberger Horn

Nachdem ich eigentlich schon mein Vertrauen in eine verantwortungsbewusste Umweltpolitik der CSU verloren habe, bin ich zumindest über die Kehrtwende Skischaukel Riedberger Horn froh! Die Änderung des Alpenplanes muss nun umgehend zurückgenommen werden.

  • Antwort von Leonia, Freitag, 06.April, 20:50 Uhr

    Aber die Änderung des Alpenplans will Söder nicht zurücknehmen. Daher kann man ziemlich sicher annehmen, dass er die dadurch mögliche Nutzung des ursprünglich geschützten Areals in irgendeiner Weise doch noch aus der Tasche zaubern wird . . . aber halt erst nach der Wahl.

Zwiesel, Freitag, 06.April, 17:26 Uhr

19. Zustimmung erkauft

Söder hat sich die Zustimmung zu seinem Wahlkampftheater bei der Interessengemeinschaft Schischaukel teuer erkauft. Und er sagt: "Unser Ziel war es, wieder Ruhe und Frieden am Riedberger Horn zu schaffen." War wohl doch so, dass es auch direkt bei den Bürgern in Obermaiselstein und Balderschwang unterschiedliche Auffassungen gab, die vor Ort zu Belastungen führten. Und, mit dieser Entscheidung ist nur der Auslöser für das noch grüßere grundsätzliche Verbrechen an der Natur beseitigt. Hätte Söder Charakter, würde er auch die Änderung des Alpenplans und in diesem Bereich den LEP zurücknehmen. Dafür bräuchte er nicht einmal irgendwelche Interessengruppen kaufen. Dass er das nicht tut zeigt, wie Söder wirklich denkt. Deshalb ist es notwendig, die Klage gegen die Änderung des Alpenplans aufrecht zu erhalten. Söder ist mit Vorsicht zu "genießen".

kritikwürdig, Freitag, 06.April, 17:13 Uhr

18. SO geht Demokratie!!

Da ist mir doch die CSU unter Söder lieber, als viele Umweltverbände!
Söder ist wenigstens lernfähig und reagiert zügig auf die Mehrheitsmeinungen. Fehler stehen jedem Menschen zu, wichtiger ist, diese zügig zu erkenen und Folgeschäden zu reduzieren oder gar ganz zu vermeiden. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob der Druck zunächst von Außen gekommen ist, denn die Erkenntnis ist der Erfolg!
Das Festhalten an einer Klage seitens der Umweltverbände ist einfach nur Sturheit und massive Verschwendung von Steuergeldern. Engstiernigkeit wird Förderer und Unterstützer davontreiben und somit dem Umweltgedanken langfristig schaden.

Was ein Blat Papier wert ist, das hat doch die Änderung des Alpneplans gezeigt. Je nach Zeitgeist gelten neue Regel!

  • Antwort von Zwiesel, Freitag, 06.April, 17:43 Uhr

    @kritikwürdig:
    "...reagiert zügig auf die Mehrheitsmeinungen."
    Seit 2016 ist klar, dass die Mehrheitsmeinung gegen die Schischaukel gerichtet ist. Noch im November 2017 bei der Landtagsentscheidung hat Söder den Bau der Schischaukel vehement verteidigt. Ihre Definition von zügig erschließt sich mir deshalb nicht. Und mit "Erkenntnis" hat das bei Söder nichts zu tun. Nur der Druck von aussen hat bei ihm zu einem der Wahl geschuldeten Sinneswandel geführt. Und Söder hat mit seiner Sturheit und Einsichtsunfähigkeit zur nicht notwendigen Steuerverschwendung geführt.
    Die Klage gegen die Änderung des Alpenplans muss aufrechterhalten werden. Das Festhalten an der Änderung des Alpenplans wird dem Umweltgedanken langfristig schaden, nicht die Klage zum Schutz der Alpen. Sie schreiben ja selbsst, dass sich Söder nur nach dem "Zeitgeist" gerichtet hat. Aber eben auch nur nach seinem ganz persönlichem Zeitgeist für die antstehende Wahl und seinen dafür eigenen aufgestellten Regeln.

  • Antwort von Danke FDP, Freitag, 06.April, 19:24 Uhr

    @Zwiesel
    Zitat: "... seit 2016 ist klar, dass die Mehrheitsmeinung gegen die Skischaukel gerichtet ist ..."
    Was für ein Schmarrn, die Mehrheit in Bayern interessiert das Thema gar nicht. Jetzt ist das Thema vom Tisch und trotzdem passt das jetzt auch wieder nicht. Diese Verhaltensweise kommt vielen sicherlich bekannt vor....

  • Antwort von Manfred, Freitag, 06.April, 20:05 Uhr

    Das Thema ist keineswegs "vom Tisch", sondern nur aufgeschoben. - Und da wir wissen, wie schnell die CSU ihre Meinung ändert, ist eben eine rechtlich bindende Feststellung durchaus von Bedeutung.

  • Antwort von Zwiesel, Freitag, 06.April, 20:19 Uhr

    @Danke FDP:
    "kritikwürdig" schreibt, dass Söder "zügig auf die Mehrheitsmeinungen" reagiert hat. Er ist also wie ich auch der Meinung, dass die Mehrheitsmeinung gegen die Schischaukel gerichtet ist. Wir unterscheiden uns nur in der Definition "zügig". Sie aber definieren "Mehrheit" einfach nach Ihrem Gusto. Warum nur hat die CSU nicht die Bürger Bayerns befragt? Weil sie die Entscheidung der Bayern gefürchtet hat. Und warum nur sprechen Sie mich an, nicht aber "kritikwürdig"? Ihre Verhaltensweise kommt mir durchaus bekannt vor.