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Krankenkassen Neue Verordnung verschlechtert Situation der freiberuflichen Hebammen

Mehr Qualität und eine bessere Betreuung wollen die Krankenkassen mit einer neuen Verordnung für freiberufliche Hebammen erwirken. Doch die Hebammen protestieren, denn ihre Situation wird dadurch immer schlechter.

Von: Judith Zacher

Stand: 02.01.2018

Baby in den Händen von Hebamme Gabu Muschler am Nördlinger Krankenhaus | Bild: BR/Judith Zacher

Die neue Verordnung der Krankenkassen richtet sich an sogenannte Beleghebammen, also freiberufliche Hebammen. Meistens sind das Hebammen an kleineren und mittleren Krankenhäusern. Sie sind freiberuflich tätig und rechnen ihre Leistungen mit den Krankenkassen ab.

Nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen

Geht es nach den Kassen, sollen sie in Zukunft nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen dürfen, bzw. nur noch für zwei Frauen gleichzeitig Geld bekommen. Kommt eine dritte Frau hinzu, sollen sie eine weitere Hebamme hinzuziehen.

Doch die Hebammen protestieren gegen die Regelung. Zum einen wollen sie selbst entscheiden, was sie leisten können und wo sie Hilfe brauchen. Zum anderen gibt es ohnehin schon zu wenig Hebammen, um immer eine weitere in der Hinterhand zu haben. Durch die neue Regelung leidet nach Meinung der Hebammen vor allem eines: das Wohl der schwangeren Frauen.

Betreuung von mehreren Frauen gleichzeitig nicht ungewöhnlich

Hebamme Gabi Muschler mit ihrer Patientin Tina Krauter

Denn es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass Hebammen mehrere Frauen gleichzeitig betreuen. Ein normaler Tag von Gabi Muschler am Nördlinger Krankenhaus beginnt etwa um 11 Uhr mit einem geplanten Kaiserschnitt. Danach wird die Frau noch drei Stunden im Kreißsaal überwacht. Während dieser Zeit kann Gabi Muschler gleichzeitig bei einer anderen Frau die Wehen kontrollieren.

Verdienst der Hebammen nach Leistung

Jede einzelne dieser Leistungen rechnet sie mit den Kassen ab. Im Gegensatz zu einer angestellten Hebamme bekommt sie also kein festes Gehalt. Ist an einem Tag nichts los, ist Gabi Muschler zwar auch im Krankenhaus, verdient aber nichts. Die neue Regelung der Krankenkassen kann sie sich an einem normalen Tag nicht vorstellen.  

"Das heißt, ich müsste dann zum Beispiel eine Frau, die Wehen hat, noch ein bisschen vertrösten, so dass sie warten müsste, wenn ich diese Leistung abrechnen möchte. In der Praxis machen wir das natürlich nicht. Wir sind Hebammen! Wir würden keine Frau abweisen, nur weil wir das nicht abrechnen können."

Hebamme Gabi Muschler

Leistungen werden nicht mehr bezahlt

Wenn wirklich eine zweite Hebamme notwendig war, also etwa zwei Frauen gleichzeitig heftige Wehen hatten, hat sich Gabi Muschler schon immer Unterstützung geholt – auch ohne Druck der Krankenkassen. Wenn aber eine Frau nur leichte Wehen hat und klar ist, dass es bis zur Geburt noch Stunden dauern wird, kann die Hebamme gleichzeitig noch bei einer anderen Frau die Herztöne des Babys messen und bei einer dritten den Bauch abtasten. Auch in Zukunft ist das kein Problem. Allerdings bekäme Gabi Muschler dann nicht mehr alle Leistungen bezahlt.

Situation der Hebammen insgesamt immer schwieriger

Dabei stellt die neue Regelung nur eines von vielen Problemen für freiberufliche Hebammen dar. Sie kämpfen bereits mit hohen Versicherungsbeiträgen. Dazu kommt, dass die Pauschale für Geburten gesenkt wurde und seit dem 1. Januar wird den Hebammen auch die Fahrt zum Krankenhaus nicht mehr erstattet.

Und das, obwohl es schon jetzt zu wenig Hebammen gibt. In vielen Krankenhäusern dürfte es die Hebamme, die dazu geholt werden soll, wohl gar nicht geben. Die Hebammen, die da sind, müssen sich aber mit noch mehr Bürokratie rumschlagen als bisher – und dabei verdienen sie immer weniger.

"Das finde ich total negativ. Ich würde mich lieber um die Frauen kümmern, als zu überlegen, wann ich welche Betreuungszeit aufschreiben soll."

Hebamme Gabi Muschler

Regelung gilt nur für freiberufliche Hebammen

Ob die Kassen so das Ziel einer besseren Betreuung erreichen, ist fraglich. Denn die Regelung gilt nur für freiberufliche Hebammen – Festangestellte können weiterhin so viele Frauen betreuen, wie sie möchten. Schon jetzt hat diese Situation Auswirkungen auf die Schwangeren. Gabi Muschler etwa betreut Frauen, die sich zuerst eine Hebamme gesucht haben, bevor sie von ihrer Schwangerschaft erzählten. Hauptsache, sie konnten die Betreuung sicherstellen.


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Ein Bayer, Mittwoch, 03.Januar, 19:15 Uhr

7. Für eine "Zwangsversicherung" bekommt man keine Gegenleistung

Jeder Deutsche, der nicht selbst genügend Eigenmittel - sprich: flüssiges Geld - erwerben kann, wird zwangsweise in die gesetzliche Krankenversicherung gesteckt. Das sind pro Jahr einige Tausend Euro, die einem Lohnempfänger per Gesetz einfach abgezogen werden. Nun könnte man meinen, dass dann das Geld, das ein jeder einzahlt, auch direkt bereit steht, wenn er es aus gesundheitlichen Gründen mal braucht. Wir wir wissen ist es nicht so. Wer schlechte Zähne hat oder bekommt, dem wird noch unterstellt, sich zu wenig darum gekümmert zu haben. Wer ins Pflegeheim oder Altersheim muss, dem wird sein gesamtes Vermögen durch die Pflege-Mafia gegen Null gerechnet. Dank immer weniger Landärzte ist es inzwischen schon eine finanzielle Belastung, wenn man zu einem Arzt fahren muss. Aber Arbeitsfaule, Säufer und Sozial-Abzocker bekommen alles bezahlt. Wo bleibt die Gegenleistung für die Sozialversicherungspflichtigen? Sie müssen zum Dank um jede Kostenübernahme betteln, anstatt begünstigt zu sein.

gerhard anton, Mittwoch, 03.Januar, 17:09 Uhr

6. Schöne Aussichten?

Wie nennt sich ein nicht unbedeutender Teil der Krankenkassen? Gesundheitskasse! Besser und treffender wäre die Bezeichnung "Vermichtungskasse". Vernichtung durch ausufernde Bürokratie. Und die SPD will eine "Bürgerversicherung"! Dann gibt es noch mehr Bürokratie, noch mehr Gängelung, noch nehr verwaltungstechnischer Leerlauf und explodierende Kosten für jeden Bürger*in. Und als Gegenleistung hierfür weniger medizinische Hilfe! Das sind doch schöne Aussichten, oder ... ?

Leonia, Mittwoch, 03.Januar, 16:53 Uhr

5. Unverantwortliches und unsoziales Rückzugsverhalten des Staates

Man nutzt die Uneigennützigkeit und Hilfsbereitschaft in den Pflegeberufen und bei den Hebammen schamlos aus, weil man genau weiß: die streiken nicht, weil sie das ihren Patienten nicht zumuten können. Täten sie es doch und würden dadurch Menschen zu schaden kommen, würden man die Schwestern, Pfleger und Hebammen verantwortlich machen. So lastet man die Verantwortung, die eigentlich der Staat tragen müsste, auf die Schwächsten um, zu Lasten der noch Schwächeren, nämlich der Patienten.
Das ist ein solch schäbiges Spiel, ein sich aus der Verantwortung mogeln, dass die dafür Verantwortlichen mindestens einen Monat schamrot herumlaufen müssten, wenn sie denn noch so etwas wie eine Moral haben sollten. Auf dem Rücken der Pflegedienste und Hebammen und letztlich auf dem der hilfsbedürftigen Patienten und Wöchnerinnen wird Profit generiert. So sieht es aus, wenn der Staat sich aus der Sozialverantwortung zurückzieht, auf dem Weg in Verhältnisse wie in den USA oder wie im AfD-Parteiprogramm.

Münchner1977, Mittwoch, 03.Januar, 13:02 Uhr

4.

Unser gesamtes Krankenssystem wird die nächsten Jahre zum Teufel gehen. Haben wir ja jetzt schon Krankenhäuser, die keine Kinder mehr auf die Welt bringen, ja sogar welche, die ihre Notaufnahme geschlossen haben.
Die nächsten Jahre werden richtig toll! In einem Land in dem man gut und gerne lebt..... wenn man es sich leisten kann.....

  • Antwort von Oliver M., Mittwoch, 03.Januar, 15:47 Uhr

    Logisch, denn Krankenhäuser sollen ja auch rentabel und gewinnbringend arbeiten. Dumm nur, dass das nicht möglich ist. Medizinische Versorgung ist ein Draufzahlgeschäft. Eigentlich sollten wir froh sein, wenn möglichst wenig Menschen medizinische Hilfe benötigen. Trotzdem müssen wir die Kapazitäten vorhalten für den Fall der Fälle. Also, wenn nicht unnötige Behandlungen durchgeführt werden sollen, ist die medizinische Versorgung zwangsläufig ein Draufzahlgeschäft Allerdings befürchte ich ersteres ...

    " ... Die nächsten Jahre werden richtig toll! In einem Land in dem man gut und gerne lebt..... wenn man es sich leisten kann..."
    Amerikanische Verhältnisse eben - ich hoffe nur, dass die Gewerkschaften rechtzeitig mobil machen. Dann trete auch ich ein. Allerdings habe ich da so meine Zweifel.

websaurier, Mittwoch, 03.Januar, 12:37 Uhr

3. Wozu noch Hebammen...


...wir kriegen die Kinder ja mittlerweile aus fernen Ländern.

Siehe "Projekt" Familiennachzug....

  • Antwort von Leonia, Mittwoch, 03.Januar, 16:54 Uhr

    Wenn nicht die "Besorgtbürger" ständig dagegen stänkern würden, könnte das sogar funktionieren . . .

  • Antwort von websaurier, Mittwoch, 03.Januar, 19:05 Uhr


    Wäre ja wirklich die beste Lösung...
    Gute Nacht Deutschland.