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Ermittlung in Heimarbeit Minijobber sollten Kinderpornos sichten

Was kaum einer weiß: Bei Kinderpornografie geben die Behörden die Auswertung teils an private Firmen ab. Ein solches Unternehmen aus dem Raum Augsburg wollte die Kinderpornos von Minijobbern auswerten lassen, teils in Heimarbeit. Das wirft Fragen auf.

Von: Andreas Herz

Stand: 25.10.2017

CD mit Kinderpornografie | Bild: picture-alliance/dpa

Alles beginnt mit einer Stellenanzeige eines Unternehmens im Landkreis Augsburg: Eine Bürokraft für so genannte "IT-Forensik" wird gesucht – als Minijobber, teils in Heimarbeit. Eine der Voraussetzungen: Grundkenntnisse am Computer. Als Interessenten anfragen, fallen sie aus allen Wolken: Es geht um die Auswertung von Kinderpornos. Mehrere Interessenten melden daraufhin den Fall der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Die aber hatten die Firma selbst beauftragt.

Interessenten schalten Behörden ein

Die Firma im Landkreis Augsburg

Die Zusammenarbeit wird nach den Anzeigen auf Eis gelegt, aber viele Fragen bleiben offen – zunächst an die Firma selbst. Wie kam der Geschäftsführer auf die Idee, Minijobbern solch psychologisch belastende Arbeit auferlegen zu wollen, von der fachlichen Eignung ganz zu schweigen? Immerhin sollten die Erkenntnisse der Minijobber in ein Ermittlungsverfahren einfließen. Und wie wäre sichergestellt worden, dass das brisante Material auf den heimischen Rechnern sicher gewesen wäre?

Die Firma will auf Anfrage des BR-Studio Schwaben kein Interview geben, sagt nur so viel: Man hätte die Bewerber von Fachärzten in Kliniken schulen lassen. Die Vergabe in Heimarbeit würde man aber nicht mehr anbieten, so der Tenor.

Eine Million Kinderporno-Dateien

Firmen, die mit derlei Arbeit betraut werden, müssen eine mehrjährige Berufserfahrung im Bereich "Auswertung von Datenträgern" vorweisen und in der Lage sein, ihr Gutachten vor Gericht zu vertreten, so das Bayerische Innenministerium. Die Büroräume müssten gesichert sein, ebenso wie die überlassenen Datenträger. Mitarbeiter würden sicherheitsrechtlich überprüft.

Die Behörden selbst wären oft mit den sichergestellten Datenmengen überlastet. Es kommt vor, dass Rechner mit einer Million kinderpornografischer Dateien sichergestellt werden. Zudem können spezialisierte Firmen bei der Auswertung teils mehr leisten als die Polizei.

Diese Standards fordert die Branche

Sachverständiger Fabian Unucka von der Firma "Fast Detect"

Eine Firma, die schon seit Jahren die Behörden bei Ermittlungen unterstützt, ist das Unternehmen "Fast Detect" in München. Dort hält man es für unabdingbar, dass die Rechner, auf denen ausgewertet wird, physisch vom Internet getrennt sind. Solche „Stand-Alone-Rechner“ sind weder über Kabel noch über WLAN mit dem Internet verbunden.

So sei garantiert, dass weder jemand von außen Zugriff auf das kinderpornografische Material bekomme, noch das jemand etwas vom Rechner aus versendet. In mehreren Bundesländern sind getrennte Netze für beauftragte Firmen bindend. In Bayern fehlt eine solche allgemeine Vorgabe aber.

Ein weiteres Beispiel: die ISO-Norm 27001. Kann eine Firma die vorweisen, hat sie hohe Sicherheitsstandards. Schon bei der Planung werden die ISO-Fachleute hinzugezogen, es geht um Passwörter, Backups, Firewalls. Doch auch diese Norm müssen beauftragte Firmen nicht vorweisen können.

Das Innenministerium reagiert

Beim Bayerischen Innenministerium will man nun die Vergabe-Vorgaben unter die Lupe nehmen. Man habe den Fall zum Anlass genommen, die Polizeipräsidien "nochmals ausdrücklich für die Kontrollpflichten zu sensibilisieren". Je nachdem, was die Überprüfung der Minijob-Firma ergibt, seien künftig auch schärfere Richtlinien denkbar.


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