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Neu-Ulmer Journalistin ist optimisch Meșale Tolu hat keine Angst vor dem Prozess in der Türkei

Die Journalistin und Übersetzerin Meșale Tolu aus Neu-Ulm war letztes Jahr Ende April in ihrer Istanbuler Wohnung verhaftet worden, wegen mutmaßlicher Terrorpropaganda. Erst am 18. Dezember durfte sie das Gefängnis wieder verlassen. Im ARD-Interview hat sie erzählt, wie es ihr jetzt geht.

Von: Frank Wiesner

Stand: 08.03.2018

Mesale Tolu nach ihrer Freilassung während einer Pressekonferenz | Bild: picture-alliance/dpa

Meșale Tolu ist wieder frei, aber noch in der Türkei. Sie wartet auf ihren Prozess. Und sie muss sich jede Woche in der Polizeistadion melden.

"Eigentlich geht’s mir erstmal gut, weil ich wieder in Freiheit bin, weil ich wieder das Grüne sehen kann, weil ich den Himmel unbegrenzt sehen kann. Aber natürlich ist es auch so, dass ich nicht mehr ins Ausland fliegen kann. Und das habe ich eigentlich sehr genossen. Ich war ja ständig unterwegs, bin hin und her gependelt. Deswegen ist es auch eine Scheinfreiheit, weil auf der einen Seite ist man wirklich noch irgendwie gefangen."

Die Journalistin Meșale Tolu

Der Prozess in der Türkei macht Meșale Tolu keine Angst

Im April wird Meșale Tolus Prozess fortgesetzt. Darauf bereitet sich vor. Ängstlich ist sie nicht, sagt sie, "weil ich weiß, dass ich hier nichts verbrochen habe. Ich habe an drei oder vier Demonstrationen oder Beerdigungen teilgenommen. Bei manchen war ich als Journalistin tätig. Und auch sonst waren das demokratische Versammlungsrechte, die ich in Anspruch genommen habe, deswegen kann ich dafür nicht verurteilt werden. Und wenn, dann weiß ich ja, dass es nichts rechtsstaatliches ist, deswegen beängstigt es mich nicht."

Dem Sohn von Meșale Tolu geht es wieder gut

Meșale Tolus Sohn ist wieder bei seinen Eltern, Serkan ist inzwischen drei Jahre alt, er hatte die Verhaftung seiner Mutter miterlebt und war danach so traumatisiert, dass er nicht mehr gesprochen hat. Das hat sich inzwischen geändert: "Er spricht sehr viel, wie ein Wasserfall."

Tolus Sohn Serkan lebt jetzt wieder bei seinen Eltern: "Er besucht den Kindergarten erstmal nur halbtags. Dazu haben wir uns entschieden, weil wir wollten, dass er pädagogisch betreut wird, dass er auch mit anderen Kindern Kontakt hat, dass einfach sein Umfeld sich auch etwas verändert, damit er vielleicht nicht an das Geschehene denken muss. So haben wir auch für mehr Zeit für ihn. Solange er im Kindergarten mit anderen Kindern spielt, können wir uns erholen und Kraft tanken für unseren Sohn, wenn er zurück kommt aus der Kita," so Meșale Tolu

Meșale Tolu will wieder nach Neu-Ulm

Sobald Meșale die Türkei wieder verlassen darf, ist ihr Ziel klar: Sie will zurück nach Hause, nach Neu-Ulm. Auch wegen ihres Sohnes.

"Es ist so, dass mein Sohn in Neu-Ulm im Kindergarten gemeldet ist. Er hat auch zwischenzeitlich den Kindergarten dort besucht und das einzige, was ich immer von Anfang an wollte ist, dass, wenn mein Sohn kindergartenreif ist, dass er dann in Deutschland den Kindergarten besucht. Jetzt wo er diesen Platz hat, würde ich den auch gerne wahrnehmen, deswegen würde ich natürlich ausreisen, um auch das Leben für meinen Sohn einfach wieder zu normalisieren."

Die Journalistin Meșale Tolu

Wann das sein wird, ist noch offen. Ende April geht erst einmal der Prozess von Meșale Tolu weiter.


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