44

Gegen Zeitverträge Lehrer aus Augsburg klagt wegen befristeter Stelle gegen den Freistaat

Planungssicherheit contra Flexibilität: In Bayern gibt es über 3.000 Lehrer, die nur befristet angestellt sind. Einer von ihnen ist Michael Golla, sein Vertrag läuft aus. Weder er noch seine Schüler wollen das einfach hinnehmen.

Stand: 11.12.2017

Realschullehrer Michael Golla aus Augsburg  | Bild: BR/Alex Brutscher

Niklas Ohnemus und Sebastian Thausz aus der siebten Klasse wollen unbedingt, dass ihr Lehrer an der Schule bleibt. Deshalb haben die beiden Schüler einer Realschule im Augsburger Stadtteil Oberhausen einen Brief geschrieben. Und zwar direkt an den Bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle. Dem Brief haben sie eine Liste beigelegt mit 570 Unterschriften von Schülern aller Jahrgangsstufen, die den Lehrer behalten wollen.

"Er ist einfach mein Lieblingslehrer. Es macht einfach Spaß, mit ihm Unterricht zu machen, weil er einer der nettesten und lustigsten Lehrer an der Schule ist und guten, verständlichen Unterricht macht."

Sebastian Thausz und Niklas Ohnemus, Schüler

Bereits zum siebten Mal ein Jahresvertrag

Der Lehrer Michael Golla hat erst durch Kollegen von der Aktion erfahren und findet sie fantastisch, eine Bestätigung für seine gute Arbeit. Für eine reguläre Planstelle war Gollas Abschlussnote im Studium nicht gut genug. Der Lehrer hat nun bereits den siebten Jahresvertrag. Im kommenden Jahr läuft er aus, wieder einmal.

"Als Lehrer bist du halt auch speziell ausgebildet und es ist halt auch der Beruf, den man machen will. Dann vor dem Nichts zu stehen, ist schon ziemlich schwierig. Ich mache mir natürlich Sorgen um meine Zukunft, sonst hätte ich diesen Schritt auch nicht gemacht."

Michael Golla, Lehrer

Klage gegen den Freistaat läuft

Golla klagt gegen den Freistaat. Im Bayerischen Kultusministerium möchte man sich zu seinem Fall derzeit nicht äußern, wegen des laufenden Verfahrens. Doch befristete Stellen seien nun mal nötig, so Pressesprecher Ludwig Unger. Nur so könne man Stellen besetzen, die für einen befristeten Zeitraum frei sind, etwa weil festangestellte Lehrerinnen oder Lehrer Erziehungszeit nehmen.

Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband kritisiert den Freistaat

Für den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband dagegen sind Kettenverträge wie der von Michael Golla ein Zeichen dafür, dass der Freistaat ganz grundsätzlich nicht genügend Lehrer verbeamtet. Für Michael Golla heißt das, dass er jetzt noch nicht weiß, ob er nächstes Jahr umziehen und sich einen neuen Job suchen muss.

"Mich stört, dass man in Bayern ausgebildet wird, man studiert, man macht lange Jahre den Job. In dem Fall sind es bei mir mit Referendariat jetzt neun Jahre. Und man wird dann einfach nach neun oder sieben Jahren rausgeschmissen ohne eine Perspektive."

Michael Golla, Lehrer


44

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Manfred, Mittwoch, 13.Dezember, 07:00 Uhr

13. Bildung ist unser Kapital

Das sich das Bayerische Land auch der Sklaverei bedient weiß ich ab jetzt auch und ist eine Schande .

Barbara, Dienstag, 12.Dezember, 20:30 Uhr

12. Selbst von der Befristung betroffen

Ich bin eine Lehrerin aus der Oberpfalz und schon 8mal (8 Jahre lang) befristet worden. Immer war ich als Schwangerschaftsvertretung tätig, bis ich selbst das Wagnis eine Familie zu gründen eingegangen bin, immer im Hintergedanken, dass dies das Ende im Beruf sein kann. Ein Jahr lang bei der Kleinen Elternzeit zu nehmen, hätte das Aus bedeutet. Nachdem mein Kind acht Wochen auf der Welt war, bekam ich einen Anruf, wieder für 4 Stunden zu arbeiten. Dieses Angebot kann man dann nicht ablehnen, um nicht für immer auf der Straße zu stehen. Als stillende Mutter eine Herausforderung. Man findet sich zwar irgendwann damit ab, immer als Schwangerschaftsvertretung zu arbeiten, aber wenn man selbst schwanger wird, kann man es sich nicht leisten ein bzw. drei Jahre lang für sein Kind da zu sein. Es ist irgendwie frustrierend und ungerecht.

  • Antwort von Hrdlicka, Dienstag, 12.Dezember, 21:00 Uhr

    @Barbara: und dass ei einer Staatsregierung / Partei die so oft es geht die "Förderung der Familie" lauthals hinausposaunt ! Stand noch in jedem Wahl- und Regierungsprogramm dieser chaotischen Spass Union ( CSU)...also 2018 abwählen !

Amelia, Dienstag, 12.Dezember, 19:58 Uhr

11. Abwandern?

In Hessen wird man gleich verbeamtet mit besserem Eingangsgehalt. Die können sich das eben leisten, die haben ja auch keine teure Ausbildung finanziert....:-(

Atze, Dienstag, 12.Dezember, 17:34 Uhr

10. Wo der Hase hinläuft

Schon Kinder und Jugendliche, Schüler, erfahren praktisch in ihrem jungen Leben, was es heisst, als Lehrer an der Schwelle zur Armut und Ungewissheit zu stehen.
Das würde nur Ein Staat machen, der entweder skrupellos oder dumm ist.
Motiviert man so die zukünftigen Produktivkräfte? Unterirdisch....

Miranda, Dienstag, 12.Dezember, 17:34 Uhr

9. Das hat wie immer zwei Seiten

Einerseits muß nach der Elternzeit ein Wiedereinstieg in den Job möglich sein, andererseits wird geklagt, dass es für jüngere, nicht Ortsgebundene keine unbefristenten Stellen gibt. Wie soll man das parktisch lösen?
Außerdem gibt es genug Arbeitnehmer mit unkündbarem Beschäftigungsverhältnis, die schon längst innerlich gekündigt haben, soll man das fördern anstatt einem Arbeitssuchenden eine Chance zu geben?
Je schwieriger es ist einen Arbeitnehmer, der nichts leistet oder auch einen Mieter, der sich gewaltig daneben benimmt loszuwerden, umso schwerer wird es für die, die nicht schon im Trockenen stehen. - Sie werden durchleuchtet und mit Skepsis behandelt und marginale Abweichungen vom Üblichen sind große Stolpesteine. -
Ich vermisse da die Gerechtigkeit.

  • Antwort von Agan, Dienstag, 12.Dezember, 20:00 Uhr

    Das ist der übliche Kampf derer, die drin sind gegen die, die reinwolle 9n. Die neue Regierung wird das Problem mit einem Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit noch verschärfen