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Gedenkstunde mit Stamm und Waigel Landtag gedenkt in Ursberg der Euthanasie-Opfer der Nazis

Einen Tag vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag erinnern der Bayerische Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten heute im schwäbischen Kloster Ursberg an die Menschen, die während der NS-Zeit ausgegrenzt, gequält und ermordet wurden.

Von: Joseph Weidl und Günther Rehm

Stand: 26.01.2018

Deportierung der NS-Opfer in grauen Bussen aus dem Dominikus-Ringeisen-Werk | Bild: Dominikus-Ringeisen-Werk

Das Dominikus-Ringeisen-Werk auf dem Gelände des Klosters Ursberg im Landkreis Günzburg ist eine der ältesten Förderstätten für Menschen mit Behinderungen in Bayern. 1884 hatte der katholische Geistliche Dominikus Ringeisen die Einrichtung in einer ehemaligen Abtei gegründet.

1939, als die Nationalsozialisten an der Macht waren, mussten die Schwestern Meldebögen ausfüllen, die Auskunft über die Bewohner geben. Obwohl sich die Oberin und die Ärztin weigerten, das zu tun, wurden ab 1940 Hunderte Bewohner mit Behinderung deportiert (Foto oben) und im Rahmen des Euthanasie-Programms der Nazis später ermordet.

Erst Kranzniederlegung, dann Gedenkstunde

Im Klosterhof erinnert jetzt ein Mahnmal an die Verbrechen - und genau an dieser Stelle soll heute um 10 Uhr ein Kranz niedergelegt werden. Um 11 Uhr beginnt die Gedenkstunde des Bayerischen Landtags im Ringeisen-Gymnasium.

Neben Landtagspräsidentin Barbara Stamm und dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, der Nürnberger Landtagsabgeordnete Karl Freller, wird auch Innenminister Joachim Herrmann ein Grußwort sprechen. Festredner sind der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel, der 1939 in Ursberg geboren wurde, und Kathrin Sonnenholzner, Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Landtags.

Menschen mit Behinderung gestalten Gedenkakt mit

Mit einbezogen in die Gedenkstunde werden auch Menschen mit Behinderung, die vom Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg betreut werden sowie Schülerinnen und Schüler des Ringeisen-Gymnasiums.

Im Vorfeld verwies Barbara Stamm auf die Bedeutung der Erinnerungskultur – besonders im Hinblick auf die junge Generation, derartiges Unrecht nie wieder zuzulassen:

"Wir sind und bleiben allen Opfern des Nationalsozialismus verpflichtet. Wir tragen die Verantwortung, das Geschehene als ewige Mahnung für unser Tun zu begreifen."

Landtagspräsidentin Barbara Stamm

Dauerausstellung auf Klostergelände

"Ein Geisteskranker verursacht etwa vier Mark tägliche Anstaltskosten. Was kosten diese jährlich?" Diese heute unvorstellbare Rechnung aus einem Schulbuch aus der Nazi-Zeit ist in einer Ausstellung auf dem Klostergelände zu sehen. Die Ausstellung ist einer der Pfeiler, mit denen das Ringeisen-Werk an seine dunkle Geschichte erinnert.

Der 27. Januar 1945

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. In Deutschland ist dieser Tag seit 1996 ein bundesweiter gesetzlich verankerter Gedenktag ("Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus"). 2005 riefen die Vereinten Nationen den 27. Januar als "Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust" aus.


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Martina Lenzen, Freitag, 26.Januar, 14:58 Uhr

7.

Der Großonkel einer Freundin wurde vor die Wahl gestellt: Ostfront oder KZ-Wärter. Er nahm sich das Leben. Ein junger Familienvater wär im Konflikt gewesen
Wir haben in der Demokratie wohl weniger zu befürchten als damals und trotzdem sind wir ein Land des Wegsehens und tun so, als würde es um Ethik gehen, Mut, Werte, Zivilcourage.
Werden dann bitte auch mal weitere Straßennamen geändert, dann darüber geredet und endlich auch die geehrt, die schon vor 33 Hitler nicht wollten.
Unangenehm wohl auch gerade CDU/CSU Politikern, aber nicht nur denen, dass sie mit Nikolaus Fest von der AfD, den Sohn von Joachim Fest bei sich haben im Bundestag, der ja auch Speer verharmloste, wie alle nach dem Krieg nach Möglichkeit vertuscht wurde. Kein Interesse an der Aufarbeitung.
Gewartet, bis fast alle tot sind.
Die Tatsache, dass die Liste mit Namen von Euthanasieopfern bei uns verboten war, sagt alles.
Wieso Stamm, wieso Weigel die Redner? Sie schwiegen doch. Was wollen sie??

Nachgespürt, Freitag, 26.Januar, 13:29 Uhr

6. Tatort Krankenhaus ...

Heute werden doch auch Menschenleben geopfert, sage nur wie der Titel eines Buches "Tatort Krankenhaus". Da werden Menschen todkrank aber von den Ärzten als "gesund" entlassen und sterben gleich drauf. Von Keimen u.A. Übel gar nicht zu reden. Alles nur wegen Profitmaximierung. Und die scheinheiligen Politiker, die hier einer schlimmen Zeit gedenken, haben das heutige Elend mit Todesfolgen zu verantworten.

Leute, lasst euch nicht so blenden von diesen Politikern, die uns nur verkaufen zu ihrem eigenen Gewinn. Mehr sag i ned ......

  • Antwort von Wolfgang, Freitag, 26.Januar, 13:59 Uhr

    @ Nachgespürt:

    Wieso wegen Profitmaximierung? Die Möglichkeiten der Krankenversorgung sind durch die Beitragseinnahmen insgesamt begrenzt. Und das hat die Konsequenz daß wenig aussichtsreiche Behandlungne wegen zu hoher Kosten unterbleiben mit der Folge daß die Person vermutlich bald stirbt.
    Es gilt auch hier die Frage des Wirkungsgrades innerhalb des Kollektiv "Gesundheitsversorgung durch gesetzliche Krankenkassen". ( Zu gewinnende Lebenstage und Arbeitsfähigkeit ) dividiert durch Gesamtaufwand.

    Merke, im Gegensatz zur Philosophie- oder Ethiklehrstunde hat Leben und Gesundheit eines Menschen nur einen begrenzten Wert.

    Kein Grund für moralisches Empören, willkommen in der Realität.

Martina Lenzen, Freitag, 26.Januar, 13:11 Uhr

5. Mahnung

Dass alte, demente Menschen auch verhungert sind, die ja nun auch "Ballastexistenzen" waren, hätte uns Mahnung sein müssen.
Aber wenn eben die Ärzte prägten - Otto Ambros als Kriegsverbrecher ist für Contergan verantwortlich zum Beispiel - muss man sich nicht
wundern, dass wir diese Pflegemissstände haben und auch tatsächlich die Aufforderung an alte Menschen ist,in der Demenz als Versuchskaninchen zur
Verfügung zu stehen. Der Nürnberger Kodex ist selbst Ärzten nicht bekannt.
Kein Prominenter, kein Politiker hat gesagt, das er in der Demenz zur Verfügung steht, natürlich nicht. Viele wissen gar nichts, dass man offiziell demente Menschen
als Versuchskaninchen will.
"Ethisch bedenklich" sind die Versuche, wie Professor Bothe aus Münster sagt.
Die Ethikkommissionen haben keinen Einfluss und sind nur Feigenblatt.
Dorothea Buck starb letztes Jahr mit 100 Jahren. Niemand in der Politik wollte sie all die Jahre reden lassen.
Sie wurde zwangssterilisiert, Zeugin der Euthanasie. .

saint -just 09, Freitag, 26.Januar, 09:57 Uhr

4. Ewige Mahnung.....

Ewiges Mahnen als Prophylaxe für einen evtl.aufkeimenden Nationalismus allein wird nicht reichen , zumal eine ökonomisch und politisch Kulturelle - Krise in Verbindung mit tiefen sozialen Umbrüchen der beste Nährboden für solche Bewegungen ist , da ändern auch die von Hysterie geschwängerten Gesänge der Kaffeehaus
Revolutionäre nichts. Möge uns der Wohlstand noch lange erhalten bleiben.

  • Antwort von Leo Bronstein, Freitag, 26.Januar, 11:24 Uhr

    @ saint -just
    >Möge uns der Wohlstand noch lange erhalten bleiben.<

    .
    Von welchem Wohlstand schreiben Sie?

    Ca. 30.000 - 40.000 leben in Pappschachteln oder schlafen im Winter in gnädigerweise offengehaltenen Berliner U-Bahnbahnhöfen.
    Zig bis hundert tausende Stromabschaltungen bei Privathaushalten.
    Zehntausende ohne Krankenversicherungen.

    Und ca. 1/4 der ca. 40 Millionen Berufstätigen sind im Niedriglohnsektor beschäftigt.
    Also diejenigen die mit Garantie kaum Rente bekommen werden und gleichzeitig so wenig verdienen, dass Sie keine finanziellen Mittel aufbringen können um fürs Rentenalter selbst noch finanzielle Rücklagen irgendwie bilden zu können. Auch nicht mit Hilfe des Systems, welches nach einem Genossen benannt worden ist.

    Gehören Sie etwa zu denjenigen die einmal jährlich zu den Aktionärsversammlungen mit Plastikdosen gehen, die dort am Buffet für die nächsten zwei Wochen abfüllen und sich vorher über die zu hohen Personalkosten des Unternehmens beschweren?

  • Antwort von Wolfgang, Freitag, 26.Januar, 12:34 Uhr

    @ saint-just, ist das denn eine Frage von aufkeimenden Nationalismus?

    Oder geht es um den Unterschied von Solidarität zu Almosen?

    Solidarität beruht auf gegenseitigen Rechten und Pflichten. Man denke an die seit 750 Jahren bestehende Knappschaft als Solidargemeinschaft, Hilfe in Not für Bedürftige die in guten Zeiten für andere da waren, ohne vorherige Beiragsleistung keine Unterstützung. Und keine Unterstützung bei Invalidität durch Selbstverstümmlung/Vorsatz. ein Prinzip bis heute bei den Berufsgenossenschaften.

    Und jetzt der Bezug, international wird es nicht Sache der Einzelpersonen, die Menschen in den Herkunftsländern brachten sich mehr oder weniger vorsätzlich Not mit einer Bevölkerunserhöhung auf das 5- bis 7-fache in den letzten 60 Jahren. Deshalb nach Meinung vieler Bürger nur ein Fall für absolut freiwillige Almosen, keinesfalls irgendeine Pflicht zu Solidarität.

  • Antwort von waldler, Freitag, 26.Januar, 12:35 Uhr

    @Leo Bronstein
    Es ist schon erstaunlich, wie viel Hass in den Kommentaren von den meisten AFD-Befürwortern zu erkennen ist und wie sofort mit Diffamierung geantwortet wird.
    Traurig, traurig, aber wie heißt es doch so schön:
    Ihr werdet Sie an Ihren Taten (oder auch Worten) erkennen.

  • Antwort von ceterum censeo, Freitag, 26.Januar, 13:42 Uhr

    @ waldler
    Im Kommentar von Leo Bronstein kann ich keinen Hass erkennen.
    Dafür aber so mehr in Ihrem Schmäh-Kommentar.

MacMac, Freitag, 26.Januar, 09:24 Uhr

3. ...nie wieder

... als Advocatus diaboli (Anwalt des Diabolischen) sehe ich das "nie wieder" als oberflächliche Floskel... stellen unsere Krankenkassen -ach ne: Gesundheitskassen- heutzutage nicht auch ähnliche Berechnungen wie im seinerzeitigen Schulbuch an ??? ...ein alter kranker (dementer oder aussichtslos austherapierter) Patient kostet dem Krankenhaus und bringt kein Geld mehr... Konsequenz...????? ... und dazu dann die Aussage: nie wieder... wie scheinheilig ist das doch !!!

  • Antwort von Wolfgang, Freitag, 26.Januar, 11:48 Uhr

    @ MacMac, wo ist das Problem? Im Gesundheitetat sind begrenzte Mittel, finanziell und betreff Personal, also sind die Mittel für den maximalen Gesundheitserfolg utlitaristisch einzusetzen. Angefangen bei Schwangenrenvorsorgeuntersuchungen, Schutzimpfungen, Beinbrüchen bis auch angemessen und würdevoll für Senioren und Schwerstdauerkranke.

    Heute ist die Höhe der Krankenkassenbeiträge per politischen Konsens festgeelgt, andere Wünsche der Bürger gibt es auch, von Opernhaus bis Eislaufstadion.

    Damals waren die Recourcen auch begrenzt, es wurden Pflegekräfte, Essen und Betten für Kriegsverwundete gebraucht.

    Ein Weltkrieg, ein "totaler" Krieg hat diese schutzige Seite, von anderen Staaten Atombombe oder der Feuersturm von Bomber-Harris.

    c'est la guerre, deshalb Frieden ohne neue USA-NATO-Hochrüstung.

  • Antwort von Andrea, Freitag, 26.Januar, 14:39 Uhr

    @Wolfgang. Nicht zu vergessen dass von den begrenzten Mitteln der solidarisch finanzierten Systeme nunmehr der im Gesundheits- und Pflegesystem fast schon allgegenwärtige Aktionär so großzügig wie möglich als erstes bedient werden "muss".

  • Antwort von Wolfgang, Freitag, 26.Januar, 18:14 Uhr

    @ Andrea:

    Auch den zubedienen Aktionär haben wir Bürger aufgrund des Wahlverhalten bestellt und als Teil des kapitalistischen Systemes bekommen.

    Unter diesen politischen Systemzuständen kann sich keine Klinik oder Krankenkasse anders verhalten.