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Versandkarton statt Bienenstock Inninger Obstbauer setzt Hummeln zum Bestäuben ein

Obwohl es das Sprichwort der "fleißigen Biene" gibt, ist tatsächlich die Hummel das Arbeitstier. Das nutzen seit vielen Jahren vor allem die Obstbetriebe. Tausende von Hummeln bestäuben seit ein paar Wochen Erdbeeren in Schwaben – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Von: Thommi Stottrop

Stand: 26.04.2018

Hummel als Bestäuber auf dem Obstbetrieb von Thomas Seibold in Inningen bei Augsburg: Hummel am Kartoneingang | Bild: BR/Thommi Stottrop

Es summt und brummt gewaltig in Inningen bei Augsburg. Stefan Seibold baut dort auf 80 Hektar Obst und Gemüse an. Seit Jahren setzt er dabei auf Hummeln zum Bestäuben. "Hummeln brauchen keine so hohe Temperatur und die kommen im Frühjahr schneller in die Gänge als die Biene", zählt er die Vorteile auf. Hinzu komme, dass Hummeln viel entspannter seien: "Die Hummel ist einfach genügsamer, gemütlicher, lässiger."

24 Hummelvölker sind im Einsatz

In diesen Kartons wohnen die Hummeln.

Gute Früchte bedeuten für Seibolds Familienbetrieb auch gute Geschäfte – überlebenswichtig im Konkurrenzkampf mit billiger Importware im Supermarkt. 24 Völker mit mehr als 1.000 Hummeln hat er insgesamt im Einsatz draußen in seinen Gewächstunneln. Eine Investition von etwa 2.500 Euro, die sich lohnt.

Genauer Arbeitsplan

Bestellt hat Seibold seine Helfer schon im Winter – bequem per Internet von Hummelzüchtern in Holland. Und einen genau ausgearbeiteten Arbeitsplan gibt es für die Tiere auch: "Die Hummel macht bei uns die Erdbeere. Die Blüte dauerte circa vier Wochen. Danach steigt sie um in die Himbeere. Da noch mal sechs Wochen. Bis Mitte August ist die Hummel bei uns dann fertig und dann stirbt sie auch."

Besser als Klangschale oder Musik

Der Arbeitsplatz der Hummeln: die Gewächstunnel

Die Hummel – oft verkannt – und doch so nützlich. Vom Kartonbau aus starten sie zu den Pflanzen, fressen den Pollen und transportieren ihn dabei weiter. Das Ergebnis sind perfekte Früchte genau zur richtigen Zeit, denn die Erdbeerernte in den Gewächstunneln steht kurz bevor.

"Hummelbrummen ist für mich Meditation wie für andere Klangschale oder Musik. Für mich ist das Hummelbrummen einfach toll."

Obstbauer Stefan Seibold


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Renate E., Freitag, 27.April, 15:53 Uhr

4. Nur nicht mosern - die meisten Hummeln sind BIO!

Ach, was haben hier mal wieder einige User zu meckern, dabei sind doch pelzige Hummeln echt putzige Tierchen! Man muss bloß vorsichtig sein, denen nicht ins Gehege zu kommen, denn wenn sie erschrecken, kennen sie kein Pardon! So ein Zwick-Biss ist echt schmerzhaft, dagegen ist ein Wespenstich eine Lappalie. Auf jeden Fall freue ich mich, wenn ich draußen im Garten und den Rabatten tätig bin und es dabei in den Frühlingsstauden und Blüten ordentlich brummt und summt...

Herta U., Donnerstag, 26.April, 17:02 Uhr

3. Bestäuber

Es ist eine Lösung, die aber hoffentlich nicht zur Regel wird. Das kann aber nur eine "rückwärts" gerichtete Landwirtschaft ändern, indem die Bauern einsichtig werden und nicht nur auf mehr und mehr Gewinn schauen. Es reicht schon, dass die Bodenversiegelung in unvertretbarem Ausmass zugenommen hat, da muss der Rest nicht auch noch vergiftet werden. Gegen die Konzerne, für die Verbraucher. Letztere zahlen bestimmt gerne mehr für ökologische Erzeugnisse. Warum sonst ist die diesbezügliche Nachfrage so enorm gestiegen. Das müsste doch nachdenklich machen, liebe Bauern, oder?

Unfassbar, Donnerstag, 26.April, 12:22 Uhr

2. Zynisch, was Menschen tun

Erst vergiften wir unsere Nutztiere dank staatlicher Hilfe und dann soll ich mir für Geld einen Hummel- bzw. Bienenstock mieten.
Gehts noch?
Sicher sind das restistente genmanipulierte Tiere.

websaurier, Donnerstag, 26.April, 11:59 Uhr

1. Dann hoffen wir mal...

...dass seine fleißigen "Bienchen" nicht vom klassischen Holzkopfbauern in der Nachbarschaft platt gemacht werden!
Die Giftspritzen stehen schon bereit...