7

Umgang mit dem Tod In Bobingen kann man sich seinen Sarg selbst schreinern

Mit dem eigenen Tod beschäftigen sich die meisten nicht gerne. Doch diejenigen, die zu Schreiner Fred Theiner nach Bobingen kommen, machen es besonders intensiv. Denn sie bauen ihren eigenen Sarg.

Stand: 03.01.2018

Sarg selbst bauen bei Scheiner Fred Theiner in Bobingen | Bild: BR/Christian Wagner

Als Schreiner baut Fred Theiner aus Bobingen im Landkreis Augsburg ohnehin viele Särge und zwar recht gerne. Außerdem hilft er jedem, der mag, sich selbst einen Sarg zu bauen. Den meisten, die zu ihm kommen, fällt das auch nicht schwer.

Sargbau ist in erster Linie Handwerk

Der Bau eines Sarges ist in erster Linie ein Handwerk.

Denn in erster Linie ist das Bauen des eigenen Sarges eine handwerkliche Aufgabe, die mit der Vermessung desjenigen beginnt, der den Sarg benutzen wird. Denn schließlich müssen die Bretter am Ende lang genug für die jeweilige Person sein.

Drei Tage für den eigenen Sarg

Gemeinsam mit Schreiner Fred Theiner (links) baut Michael Löhrmann seinen Sarg.

Danach wird geleimt, gehobelt und geschraubt. Michael Löhrmann aus Bremen hat dafür drei Tage eingeplant. Dann soll sein Sarg fertig sein. Bei vielen seiner Bekannten ist er mit diesem Heimwerker-Projekt eher auf Unverständnis gestoßen.

"Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich: von 'spannend', 'interessant' und 'gut' bis hin zu 'makaber'. Manche haben sich schnell abgewandt, sind einfach weggegangen. Man merkt schon, dass nicht jeder Lust hat, sich mit diesem Thema zu beschäftigen."

Michael Löhrmann

Tanne oder heimische Hölzer

Heimisches Holz verwendet Schreiner Theiner gern für den Sargbau.

Doch Michael Löhrmann hat Lust, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Sein Sarg wird einmal aus Tannenholz bestehen. Schreiner Fred Theiner verwendet zwar auch gern heimisches Holz aus dem Bobinger Stadtwald, doch wenn er das nicht bekommt, ist Tanne eine gute Wahl. Das Holz des Nadelbaums wird traditionell zum Sargbau verwendet, denn es ist harzfrei und hat ein homogenes Erscheinungsbild.

Auch nach dem Tod noch ökologisch

Fred Theiners Särge sind mit Baum- und Schafwolle ausgelegt.

Neben den heimischen Hölzern ist Schreiner Theiner auch die ökologische Verarbeitung seiner Särge wichtig. Außen sind sie nicht lackiert, innen werden keine Kunststoff-Polster verwendet. Theiners Meinung nach sollte das umweltverträgliche Leben nicht mit dem Tod vorbei sein. Seine Särge sind deshalb mit Baum- und Schafwolle ausgelegt.

Den Sarg selbst bauen ist günstig und nachhaltig

Auch für verstorbene Kinder hat Schreiner Theiner schon Särge gebaut.

Für seine Meinung und für seine Särge musste sich Theiner zwar schon mit so manchem Bestatter anlegen, doch die gesetzlichen Bestimmungen hält er alle ein. Und über seinen Abgang von dieser Welt kann er mit dem eigenen Sarg auch noch selbst bestimmen. Die letzte Reise wird so schöner und günstiger und vielleicht auch nachhaltiger.

So sieht es zumindest Freizeit-Schreiner Michael Löhrmann. Denn bevor er selbst in den Sarg gelegt wird, soll dort noch sein Werkzeug lagern. Hochkant aufgestellt will er den Sarg als Werkzeugschrank in seiner eigenen Werkstatt nutzen – mit dem Sargdeckel als Schranktür. Bereuen wird er die Arbeit wohl nicht, genauso wie die anderen Sarg-Schreiner bei Fred Theiner. Die meisten verlassen die Werkstatt mit einem zufriedenen Gesicht.


7

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

IH, Freitag, 05.Januar, 00:59 Uhr

4.

In anderen Kulturen ist das Gang und Gäbe. Ich habe vor kurzem eine sehr interessante Reportage über die Hmong gesehen, eine ethnische Minderheit im Norden Vietnams (u.a., die sind über die ganze Welt versprengt) - dort ist es üblich, dass die Söhne für die Eltern die Särge zimmern, die dann auch im/ums Haus rum gelagert werden, und die Frauen weben die Totengewänder in jungen Jahren - die gehören dort zur Aussteuer.

Eine gesunde Beschäftigung mit dem Tod tut unserer Gesellschaft ganz gut, das fördert vielleicht auch den respektvollen Umgang mit unseren Alten und Kranken, wenn man einen gesunden Realismus bzgl. seiner eigenen Sterblichkeit hat.

Von daher finde ich den Gedanken sehr gut, auch zusammen mit dem Nachhaltigkeitsgedanken. Würdevolle Bestattung in allen Ehren, aber es tut mir weh, wenn ich sehe, dass hochwertiges Holz etc. verwendet wird, um es anschließend im Boden verfaulen zu lassen.

Michael D., Donnerstag, 04.Januar, 22:12 Uhr

3. Also, da drehe ich doch lieber einen Kerzenständer...

Es gibt schon makabre Hobbys. Aber vielleicht steckt der Gedanke des Sparens dahinter. Beerdigungen werden immer teurer, da ist es sehr vorausschauend, seinen Sarg auf Vorrat zu haben...

Wolfgang Huber, Donnerstag, 04.Januar, 16:50 Uhr

2. Marke: Eigenbau

Eine gute Initiative, wie ich finde. Man sollte sich überhaupt vor dem letzten Stündlein Gedanken darüber machen, wie man einst gebettet werden möchte. Statt sich bzw. die Angehörigen von den sog. Instituten in seelischer Ausnahmesituation abzocken zu lassen, schonmal das eigene, schlichte und naturbelassene "Endlager" zimmern. Fragt sich nur, ob dann nach der Leichenschau usw. der Sarg dann z.B. direkt in ein Krematorium oder zum Firedhof gebracht werden kann, oder ob da wieder die Monopol-Sepulkranten mitmischen..? Bedenke, Mensch...dass du sogar noch nach dem Tod abgezockt wirst....

websaurier, Donnerstag, 04.Januar, 14:30 Uhr

1. Da ist der Wurm drin...


Der Sarg als Werkzeugschrank....
Eine etwas schwierige Sache.
Ich glaube nicht, dass ich mich damit anfreunden könnte.
(und Schafwolle mag ich übrigens auch nicht...)