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Fluechtlingswohnungen oder Magerweiden? Flugplatzheide Augsburg "besonders wertvoll"

Für Naturschützer ist eine der wertvollsten Grünflächen Augsburgs mit einer bedrohten Pflanzen- und Tierwelt. Für die Stadt und den Freistaat Bayern ist es Bauland für 13 Häuser, in die Flüchtlinge einziehen sollen. Jetzt hat sich das Umweltmisterium positioniert.

Von: Torsten Thierbach

Stand: 30.09.2016

Es geht um das letzte verbliebene Stück der Flugplatzheide in Haunstetten. Vier Hektar ist es groß. Um die Zukunft dieser grünen Oase wird seit Langem gerungen.
Unterstützung für die Naturschützer kommt ausgerechnet aus München. Auf einer Ortsbegehung inspiziert BR Reporter Torsten Thierbach die Flugplatzheide.

"Ja, schauen Sie! Das ist jetzt ein Zufall, dass mir der übern Weg läuft. Sehen Sie da die kleine Heuschrecke?"

Günther Groß

Tatsächlich ist die Heuschrecke nicht auf Anhieb zu sehen.

"Ja, tja, das ist genau die Taktik von dieser Heuschrecke, die ist nämlich genau angepasst an diesen Kies. Die kommt auch von den Kiesinseln des Lechs, die es heute nicht mehr gibt. Darum ist es das Tolle!"

Günther Groß

Mit Günther Groß stapfen wird durch die hohen Grashalme der Flugplatzheide. Unfreiwillig scheuchen wir einen ausgewachsenen Hasen auf, der hastig das Weite sucht. Das auf solchem intakten Naturraum einmal Häuser stehen sollen, das mag sich der Sprecher der Augsburger Umweltallianz nicht vorstellen.

"Man darf nicht vergessen, von der Historie her: Früher hat der Lech bis hier rüber seine Umlagerungsstrecken gehabt und durch das ist das gesamte Lechtal durch die letzte Eiszeit ein kiesiger Untergrund."

Günther Groß

Flugplatzheide heute größtenteils bebaut

Die Augsburger Flugplatzheide am Rande von Haunstetten war einst 200 Hektar groß. Dann wurde viel gebaut, das Univiertel entstand, Gewerbebetriebe haben sich angesiedelt.

Heute sind eben noch vier Hektar Flugplatzheide übrig. Dort wachsen und leben mehr als 85 bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Doch für den sogenannten Wohnungspakt Bayern, muss eben auch diese Grünfläche zumindest in Erwägung gezogen werden, so Karl-Heinz Meyer von der Regierung von Schwaben.

"Da geht’s um ein staatliches Förderprogramm, das von der Staatsregierung aufgelegt worden ist, mit der Zielrichtung anerkannte Flüchtlinge aber genauso für einheimische Bürgerinnen und Bürger, denen weniger Mittel zur Verfügung stehen, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen."

Karl-Heinz Meyer

Die Alternative bezahlbaren Wohnraum schaffen oder wertvollen Naturraum erhalten, will Günther Groß nicht gelten lassen.

Denn gerade dieses letzte Stück Flugplatzheide könnte statt Bauland eine wertvolle Ausgleichfläche für andere Bauprojekte sein, sagt der passionierte Naturschützer. 

"Man weiß, seit Jahren hat man einen Stau mit sozialverträglichen Wohnungen, mit Flüchtlingswohnungen. Und jetzt auf einmal soll so ein wertvolles Stück dazu beitragen, dass das behoben wird. Und das ist ja nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. So lösen wir die Probleme ganz bestimmt nicht!"

"Besonders wertvoll" aber nicht gänzlich unter Naturschutz.

Die Bayerische Umweltministerin Scharf hat sich jetzt in die Diskussion eingeschaltet. Aber noch ist nichts entschieden, so Karl-Heinz Meyer von der Regierung von Schwaben. Ihr Ministerium hat die Flugplatzheide als besonders wertvoll eingestuft. Ein Teilerfolg für die Augsburger Naturschützer, die seit Jahren dieses Stück komplett unter Naturschutz stellen wollen. Aber noch ist nicht entschieden, so Karl-Heinz Meyer von der Regierung von Schwaben.

"Die naturschutzfachliche Wertigkeit dieses gesamten Areals ist hier bei der Regierung von Schwaben bekannt und wird überhaupt nicht in Frage gestellt. Die Frage ist letzten Endes die, ob hier diese Erkenntnisse ausreichen, um ein Bauvorhaben gänzlich zu verhindern oder nicht."

Karl-Heinz Meyer


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