5

Wohlfühlort Schwaben Mal ein Turm, mal ein Konzept - nur für Störche

Es war schon etwas besonderes: Ein alter Kran wurde nach und nach von immer mehr Störchen besetzt. Doch Ende 2016 musste der Storchenkran in Kirchheim im Unterallgäu abgebaut werden. Zu baufällig. Doch die Kirchheimer wollten ihre Störche behalten.

Stand: 04.04.2018

Ein Kran kann nicht nur Baustellenfahrzeug sein, sondern auch Heimstatt für Störche. | Bild: privat

Sie haben deshalb einfach neu gebaut: Für eine Brotzeit und gegen Materialkosten stellte eine heimische Firma ebenfalls auf ihrem Gelände, gleich neben dem alten Kran, einen 21 Meter hohen Storchenturm auf. Auf zwei Ebenen sind acht Ausleger angebracht, jeweils fünf Meter lang, darauf bauen die Störche ihre Nester. Neun Paare sind es, also 18 ausgewachsene Störche – und gäbe es genügend Platz, dann würde sich gern das ein oder andere weitere Paar noch niederlassen.

Nester in schwindelnder Höhe

Im Frühling 2017 wurde der Turm eröffnet, die Nester wurden vom alten Kran auf den 100 Meter entfernten Turm umgezogen und heuer werden sie wieder richtig hübsch für den Nachwuchs gemacht. Schade für Anwohner und Besucher: Die Nester sind nicht einsehbar, es weiß also auch keiner, ob es schon Eier gibt. Eine Kamera gibt es auf dem Firmengelände auch nicht. Aber spätestens wenn kleine Schnäbel im Nest klappern, ist klar, dass es auch heuer wieder Nachwuchs gibt.

Lauingen entwickelt eigenes Konzept für Störche

Damit sich die Weißstörche auch in Lauingen wohl fühlen, wurde in der Stadt im Herbst 2017 eigens ein "Runder Storchentisch" ins Leben gerufen. Zweimal im Jahr kommen Vertreter der Stadt, Landwirte und Storchenbeauftragte zusammen und besprechen, was im Frühjahr konkret vorzubereiten ist; im Herbst wird dann kontrolliert, ob das Konzept für die Störche aufgegangen ist. Aktuell geht es um das Nahrungsangebot. Ein Storchenpaar mit vier Jungen benötigt pro Tag viereinhalb Kilogramm Futter. Und das von Ende Mai, wenn der Nachwuchs schlüpft, bis in den Herbst hinein, wenn sich die Storchenpaare samt ihren flüggen Jungvögeln in den Süden verabschieden.

Storchenkonzept fußt auf verschiedenen Bausteinen

Die Frühstückswiese auf der Bleiche in Lauingen ist nur 500 Meter vom Horst auf dem Rathausdach entfernt. Teil des neuen Konzeptes ist es nun, das Grünland nur noch abschnittsweise zu mähen, damit immer genug Nahrung darin herumwuseln kann. Und auf dem Auwaldsee soll ab diesem Sommer mehr Wasserfläche offen gehalten werden, damit möglichst viele Frösche und Lurche greifbar sind. Neu ist auch eine extra bereit gestellte Nahrungsfläche in Nähe der Lauinger Kläranlage.

Störche nisten überall in Schwaben

Seit 2014 kehrt das immer gleiche Storchenpaar auf das Rathausdach in Lauingen zurück, um zu brüten und seinen Nachwuchs aufzuziehen. Doch nicht nur hier, überall in Schwaben siedeln sich die Tiere wieder an. Der Landesbund für Vogelschutz listet die Nester in seiner bayerischen Weißstorchkarte auf. So werden allein bei Oettingen 18 Nester gezählt, in Burgau sind es fünf, im nahegelegenen Jettingen-Scheppach vier weitere. Und auch die seltenen Schwarzstörche kehren zurück: Im Kemptener Wald und bei Ottobeuren haben die Tiere die künstlich angelegten Nester akzeptiert und sich dort niedergelassen.


5

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Sachsendreier, Montag, 09.April, 15:06 Uhr

1. Bewundernde Grüße aus dem Erzgebirge!

Auch ohne Kameras eine wirklich tolle Sache! Allen dabei Beteiligten noch Hochachtung für Tierliebe und Fleiß! Danke - es ist einfach wunderbar, dass ihr euch so bemüht habt...