3

Kein Denkmalschutz Aus für den Ziegel-Schornstein: Trevira lässt Bobinger Wahrzeichen abreißen

50 Jahre lang war er in Betrieb, der Ziegel-Schornstein auf dem Gelände der Firma Trevira in Bobingen bei Augsburg. Noch prägt er das Stadtbild, doch bald soll der marode Kamin verschwinden. Trevira hat angekündigt, den Auftrag für den Abriss zu vergeben.

Von: Christian Wagner

Stand: 12.07.2018

Der Kamin auf dem Trevira-Gelände in Bobingen | Bild: Trevira

Die 17.000-Einwohner-Stadt Bobingen bei Augsburg wird eines ihrer Wahrzeichen, den Trevira-Schornstein verlieren. Denn die Firma Trevira, Nachfolgerin der Hoechst AG, will den 84 Meter hohen Kamin aus Ziegeln auf dem Werksgelände abreißen lassen. In den kommenden Tagen werde der Auftrag dazu vergeben, teilte das Unternehmen mit. Alle Gespräche mit der Stadt, Lokalpolitikern und dem Heimatverein hätten "keine sinnvolle Alternative" gebracht.

Bobingen hätte Geld für Kamin gesammelt

Mit großer Enttäuschung hat Bobingens Bürgermeister Bernd Müller auf die Entscheidung des Chemie-Unternehmens Trevira reagiert. Es sei "bedauerlich" und "schade", gerade weil auch die Bürgerschaft bereit gewesen sei, Geld für den Erhalt des 84 Meter hohen Turms aufzubringen. Noch dazu, so Müller, sei der Abriss deutlich teurer als eine Sanierung. Entscheidend seien aber wohl die voraussichtlichen Unterhaltskosten von 10.000 Euro im Jahr gewesen. Die wollten Trevira und sechs weitere Firmen auf dem ehemaligen Hoechst-Firmengelände nicht tragen.

Ziegelteile lösen sich vom Kamin

Der weithin sichtbare Kamin dominiert seit 1964 das Bobinger Stadtbild. Er gehört zu einem Dampf-Heizwerk, das jahrzehntelang für die Produktion von Kunstfasern gebraucht wurde. Seit 2014 sei der Schornstein ungenutzt, heißt es. Inzwischen sei er baufällig. Es bestehe konkreter Handlungsbedarf, weil sich "innen erste Backsteine lösen und außen kleine Ziegelteile abfallen". Deshalb werde der Schornstein noch in diesem Sommer "komplett abgetragen". Eine Sprengung komme allerdings nicht infrage, weil das Ziegelbauwerk zu nah an anderen Gebäuden stehe.

Kamin kein schützenswertes Denkmal

Mit dem Industrie-Schornstein hatte sich auch der Denkmalschutz beschäftigt. Wie Bobingens Bürgermeister Müller mitteilte, konnte aber auch ein persönliches Gespräch mit Thomas Goppel, dem Vorsitzenden des Landesdenkmalrats, nichts bewirken, da die Experten keine Denkmalwürdigkeit feststellen konnten.


3