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Ärger im Allgäu Stinkende Dieselloks fürs Ski-Paradies

Nachhaltigkeit, Umweltschutz, moderner Ski-Tourismus – damit ist in Kempten Schluss. Zumindest was den Zugverkehr anbelangt. Denn die Strecke in die Ski-Hochburg Oberstdorf bleibt vorerst ohne Strom-Oberleitung.

Von: Katharina Reichart

Stand: 15.02.2018

29. Dezember 2017 – traumhafter Wintertag am Nebelhorn bei Oberstdorf im Oberallgäu | Bild: BR/Katharina Reichart

Der Zugverkehr soll sauberer werden. Die Staatsregierung will deshalb weg von Dieselloks hin zu E-Mobilität. Bahnstrecken werden dafür elektrifiziert. Neben der Strecke München-Lindau, soll in Schwaben nun auch die Strecke Neu-Ulm – Memmingen – Kempten mit Oberleitungen bekommen.

"Das ist schlecht fürs Image"

In Kempten allerdings ist erstmal Schluss mit E-Zügen, weiter Richtung Süden müssen dann wieder Dieselloks vorgespannt werden. Die Befürchtung: Das südliche Allgäu mit seinen Top-Tourismus-Destinationen könnte ins Hintertreffen geraten.

"Das ist natürlich schlecht fürs Image. Wir sind eine Tourismusregion. Es muss natürlich weitergehen bis Oberstdorf", sagt Klaus Holetschek, Vorsitzender des Tourismusverbands Allgäu/Bayerisch-Schwaben. "Die Anreise in eine Tourismusdestination ist etwas ganz Entscheidendes und Wichtiges, und deshalb möchten wir für unsere Gäste möglichst großen Komfort."

"Wollen keine Dieselinsel bleiben"

Dazu gehöre nicht, in Kempten umsteigen oder Verzögerungen hinnehmen zu müssen, weil von E-Loks auf alte Dieselloks umgekoppelt werden muss. Ohne Elektrifizierung würden zudem weiter stinkende Dieselloks die gute Allgäuer Luft verpesten: "Wir propagieren die Nachhaltigkeit, also auch das Thema Umwelt, deswegen ist es für uns schon wichtig, dass es weitergeht und dass das Allgäu keine Dieselinsel bleibt", so Klaus Holetschek.

Von der Argumentation, es könnte in den kommenden Jahren auch alternative schadstoffarme Antriebsmöglichkeiten für Züge geben, will er sich nicht vertrösten lassen. Das Ziel des Tourismusverbandchefs ist es, die bayerische Staatsregierung so schnell wie möglich davon zu überzeugen, dass die Elektrifizierung der Bahnlinien im gesamten Allgäu unbedingt notwendig ist.


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Michael, Sonntag, 25.Februar, 23:17 Uhr

12. Dank an die Straßenbau-Lobby in der CSU

Jahrelang haben sich die regionalen CSU-Politiker (Thomas Kreuzer und Co.) auf den Straßenbau im Allgäu eingeschossen ... und jetzt wundern sich die CSU-Freunde, dass bei der Bahn wenig bis nichts passiert ist. Das einfachste ist dann natürlich, die Bahn dafür verantwortlich zu machen. Tja, wer immer nur die regionalen Straßenbauunternehmen im Focus hat, der darf sich hinterher nicht wundern, wenn auf der Schiene nichts vorwärts geht.

Nürnberger, Donnerstag, 22.Februar, 13:10 Uhr

11. Diesellok - ach wie furchtbar

Wenn ein Zug mit Diesellok durch das Allgäu fährt, wird das nicht wirklich das Image der Tourismusregion schädigen. Es wird auch keiner deswegen auf seinen Urlaub verzichten, weil keine E-Lok von Kempten nach Oberstdorf fährt. Und wenn Touris doch mal so empfindsam sein sollten, ist die Elektrifizierung auch keine Lösung. Denn die Stromleitungen könnten den Blick beeinträchtigen und deshalb negative Wirkung haben.

Die angeblich so sehr stinkenden Dieselloks sind auch weniger ein Problem als die vielen Autos. Und gerade da müssen sich die Allgäuer an die eigene Nase fassen. Herr Holetschek und viele andere fahren mit dem Auto und ich gehe jede Wette ein, auch da, wo die Fahrt mit der Bahn möglich wäre.

Also besser mehr Realitätssinn als nur Populismus

dijoh, Montag, 19.Februar, 15:52 Uhr

10. Nachhaltigkeit?

Oberallgäu und Nachhaltigkeit ist ein Widerspruch in sich, siehe die geplante Skischaukel am Rieberger Horn.

  • Antwort von Michael, Sonntag, 25.Februar, 23:05 Uhr

    Aber irgendwie schräg ist das Pseudo-Nachhaltigkeits-Argument der "Freunde der Skischaukel" schon: Dank der geplanten Skischaukel am Riedberger Horn sollen zahlreiche Fahrten in die weit, weit entfernten Nachbar-Skigebiete in Österreich vermieden werden ... und folglich ist die neue Wintersport-Infrastruktur am Riedberger Horn das tollste Spritt-Reduzierungs-Programm das man sich im Allgäu ausdenken konnte.

    Und wenn dann in 20 Jahren die selben Liftanlagen dank Schneemangel zurückgebaut werden müssen wird es sicherlich ein von der CSU-Staasregierung initiiertes Förderprogramm geben. Ist doch Alles wunderbar .... erst wird der Bau der Liftanlagen unterstützt, dann der Rückbau. Hauptsache es wird gebaut!!!

Klaus-Dieter Trenkner, Montag, 19.Februar, 10:02 Uhr

9. Diesel- Gestank

Liebes Oberallgäu, es ist schon bemerkenswert wie eine so tolle Urlaubsadresse unter den Politikern leiden muß, weil einfach nichts für einen brauchbaren Personen- Verkehr, außer Autobahn, gemacht wird. Der Nord- Süd- Verkehr muß große Umwege über München oder Stuttgart machen, weil Augsburg abgerhängt wurde. Aber auch dort immer wieder lahme und stinkende Umweltunfreundliche Dieselloks mit entsprechenden langen Fahrtzeiten. Ja, und den Flieger bis Memmingen konnte man auch nur kurze Zeit nutzen.
Noch ein klein wenig Trost: Auch bei uns in SH gibt es große Diesel- Strecken wo das Mitfahren schon fast nein Würfelspiel ist, fährt er nun, oder erst nächste Woche wieder. Hier seien die Nordsee- Inseln genannt.Dennoch, es gibt ja noch das Auto, aber eben auch Umweltfunfreundlich. Klaus-Dieter aus Hamburg

  • Antwort von Railfriend, Montag, 19.Februar, 16:25 Uhr

    @Klaus-Dieter, ich empfehle erst einmal die Vorkommentare zu lesen bevor man meint etwas Neues beizutragen.
    Bislang fährt die vermeintlich saubere el. Bahn überwiegend mit Atom- und Kohlestrom. Sie können hier ja gerne erklären,was daran umweltfreundlich sein soll.
    Mehrfach erläutert war hingegen, wie Bahnbetrieb gerade ohne Oberleitung umweltfreundlcher sein kann.
    Ihr Hinweis aufs Würfelspielen trifft gesamthaft auf den Oberleitungsbetrieb zu, der je nach Witterungsbedingungen fährt oder nicht.

  • Antwort von Michael, Sonntag, 25.Februar, 22:43 Uhr

    @Railfried ... Laut Geschäftsbericht DB 2016 beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien den die Bahn einsetzt 42 Prozent, Atomstrom macht nur noch 17 Prozent aus. Und die Bahn hat das feste Ziel 100 % erneuerbar !!!

    Das beschränkte Engagement der CSU und der Bayerischen Staatsregierung in Sachen erneuerbare Energien und ÖPNV hat einen erheblichen Anteil daran, dass auf diesem Feld so wenig passiert. Bei der nächsten Wahl halt einfach mal drüber nachdenken ...

Railfriend, Montag, 19.Februar, 09:30 Uhr

8. Elektrifizierung ?

Die Zillertal ist ganz auf der Höhe der Zeit: Daher wird hier nicht auf Oberleitung umgestellt. Dazu gibt es viele Gründe, u.a. die oberleitungsbedingte Unfallhäufung an Bahnübergängen (Fahrzeugkollisionen mit dem Fahrdraht), Vogelschutz, ästhetische Beeinträchtigung, Kupferdiebstahl, Vandalismus, Eis, Sturm, Personen-Stromunfälle usw.
Dabei muss die Zillertalbahn keineswegs auf zukünftig sauberen Bahnbetrieb auf Wasserkraftbasis verzichten. Denn aus überschüssigem Wasserkraftstrom kann man inzwischen Wasserstoff und Kraftstoffe herstellen und damit Züge sauber antrreiben.