32

Jetzt red i: Bildungsalarm in Bayern Schulen und Lehrer im roten Bereich

An Bayerns Grund- und Mittelschulen herrscht massiver Lehrermangel. Darunter leidet nicht nur die Unterrichtsqualität. Kollegien sind überlastet, viele Kinder verhaltensauffällig. Hinzu kommen veraltete Ausstattung und marode Gebäude. "Schule am Limit - Bildungsalarm in Bayern?" fragte "Jetzt red i" in Essenbach.

Von: Thomas Muggenthaler

Stand: 07.03.2018

Ein Lehrer hilft seinen Schülern im Unterricht. | Bild: BR/Julia Müller

Immer wieder muss Fritz Wenzl, Konrektor an der Grund- und Mittelschule in Essenbach bei Landshut einspringen, wenn eine Kollegin oder ein Kollege krank ist. Die mobile Reserve, die das übernehmen sollte, ist meist ausgebucht. "Das ist frustrierend", sagt Wenzl. Viele Lehrer hätten das Gefühl, dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt werde und fühlten sich "im roten Bereich".

Lehrermangel überall

Der massive Lehrermangel an Grund- und Mittelschulen war denn auch das zentrale Thema der "Jetzt red i"-Sendung in Essenbach im Landkreis Landshut mit dem Titel "Schule am Limit – Bildungsalarm in Bayern". Dass viele Lehrer fehlen, die Schülerinnen und Schüler zu oft von wechselnden Lehrkräften unterrichtet werden,  darüber waren sich Elternvertreter und Lehrer einig.

Mobile Reserve aufgestockt

In der sehr sachlich geführten Debatte verwies der aus Wien zugeschaltete bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle darauf, dass die mobile Reserve mit 2.400 Stellen bereits im letzten Jahr erhöht worden sei und auch im nächsten Jahr weiter erhöht würde. Spaenle verwies darauf, dass 2.000 neue Lehrer eingestellt werden sollen.

Martin Güll, Bildungsexperte der SPD im Bayerischen Landtag, kam gerade von Bildungskonferenzen aus Mittelfranken zurück. Er bekam überall Klagen über den Mangel an Lehrkräften zu hören. Ihm sei auch berichtet worden, dass sogar Studierende ohne erstes Staatsexamen unterrichten würden, so Güll.

Schüler haben Recht auf beste Bildung

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann betonte den Lehrermangel, wollte aber weg von der Klein-Klein-Debatte um Zahlen. Man müsse weg von der Situation, dass die Personalsituation immer auf Kante genäht sei. Die Kinder hätten es verdient, dass sie die beste Bildung bekämen. Das müsse möglich sein, schließlich sei Bayern das reichste Bundesland Deutschlands.

Leistungsdruck enorm

Simone Fleischmann wies auch auf den hohen Leistungsdruck in der dritten und vierten Klasse hin, wenn der Übertritt etwa ins Gymnasium ansteht. Dann ändere sich das Klima an den Schulen öft völlig, darin waren sich die Diskutanten einig.

Lena Föckersperger, die Gründerin der Landshuter Waldorfschule verwies darauf, dass die Schüler an ihrer Schule auch ohne diesen extremen Leistungsdruck lernen. Unterricht ohne diesen Leistungsdruck dürfe man nicht den privaten Schulen überlassen, konterte Martin Güll, der auch den Staat in der Pflicht sieht, ähnliche Bedingungen zu schaffen.

Zu viele Lehrer für Gymnasium

Eine Refrendarin eines niederbayerischen Gymnasium beklagte ebenfalls, dass sie gefragt worden sei, ob sie Alternativen zum Lehrerberuf in der Hinterhand hätte, wenn sie nicht übernommen werden würde. Dagegen betonte Spaenle, dass an den bayerischen Gymnasien seit 1946 nicht so viele Lehrer waren wie heute, aber auch für die Gymnasien neue Lehrer eingestellt werden.


32

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

abc, Freitag, 09.März, 13:37 Uhr

13. Bildungsalarm

Als ich in die Schule kam, zogen ganz in der Nähe die letzten freigelassenen Russlandgefangenen in die Notaufnahmelager und die ersten freiwilligen Bundeswehrrekruten in die Kasernen. Wir schrieben mit Griffel auf Schiefertafel, später mit Feder und Halter auf Papier. Der Unrerricht war dreigeteilt, einen Tag am Morgen, am nächsten Nachmitttags und am dritten in einer ehemaligen RAD-Baracke. Bücher und Lehrmittel gabs wenig bis garnicht und wenn die Lehrkraft ausfiel, übernahm die Nächsterreichbare aus der Nachbarklasse, die dann 2 Klassen hatte. In seiner Abwesenheit übernahm ein älterer Schüler die Aufsicht. Wir waren immer +/- 50 Schüler, von denen 5 oder 6 in höhere Schulen gingen. Und trotz dieser, für heutige Verhältnisse, primitiven Schulzeit, wurde aus den meisten soviel, dass sie dazu beitrugen, dass man heute vom reichen und wohlhabenden D spricht und solche Diskussionen, die teils notwendig, teils überschaubar und teils auf hohem Niveaugejammer sind, stattfinden können.

  • Antwort von Blechmann13, Montag, 12.März, 09:10 Uhr

    @abc

    Ich hoffe mal, sie wollen nicht zu diesen "Zuständen" zurück, um zu beweißen das aus solchen Leuten auch etwas "werden kann"... ^^

    Diese Zeit, können sie aber auch nicht mit heute vergleichen, wo damals jede "Hand" zum Wiederaufbau dankend angenommen wurde.
    Außerdem bezweifle ich, dass die zukünfitge "Elite" damals mit ihnen im Klassenzimmer saß, sondern eher die durchschnittliche zukünftige "Arbeiterschaft".
    Gymnasium und Co. schafften aus den "unteren Klassen" die Wenigsten...

    Heute hast man als Kind ja schon fast verloren, wenn es nicht min. Realschule nach der vierten wird.
    Wenn sich dann Politiker hinstellen, und sagen, "...es müsse ja schließlich nicht jeder studieren...", dann frage ich mich, wie der "Notstand" bei Fachkräften, Ingenieuren, Programmierern, ect. geschlossen werden soll.

    Zumal ein Auskommen im Alter dann, nach derzetiger Prognose, schon fast unmöglich wird, jedenfalls nicht ohne Sozialleistungen...

    mfg

Alfons Kitzinger, Donnerstag, 08.März, 17:15 Uhr

12. Gewerkschaft

Es war schon auffallend, dass zwei Diskussionsteilnehmer vom Moderator sofort ausgebremst wurden, kaum dass der Begriff "Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft" dem Gehege ihrer Zähne entfleucht war. Dagegen konnten sich z. B. Waldorfschule oder BLLV (Frau Fleischmann auf dem Podium!) durchaus breit entfalten, Herr Spänle mit seinen Standarderklärungen sowieso. Ich fürchte, das war Bayerischer Rundfunk vom alten Schlag. Im Übrigen ist der obige Zwischentitel "Zu viele Lehrer für Gymnasium" einbe krasse Fehlleistung.

Werner , Donnerstag, 08.März, 13:18 Uhr

11. Bevölkerungspolitik

Wenn die Politiker jahrzehntelang Millionen Menschen in unser Land lassen, ohne dass wir je grundsätzlich eine dauerhaften Einwanderung zugestimmt haben, und wenn zuletzt noch einmal zwei Millionen eingeladen werden, die hier grundsätzlich keinen Asylanspruch haben (GG Art. 16a Satz 2), dann sind eben davon Hunderttausende und Millionen Kinder in unseren Schulen. Und dann hat das auch Folgen für unsere Jugend und die Lehrer.
Hat irgendjemand etwas anderes erwartet?

  • Antwort von Alfons Kitzinger, Donnerstag, 08.März, 21:32 Uhr

    Sind Sie allen Ernstes der Meinung, die Misere an den niederbayerischen Grund- und Mittelschulen, wie zum Beispiel an der entspr. Schule in Essenbach, sei durch Asylbewerber verursacht? Wenn ja, dann denken Sie ungefähr genau so weit (oder so kurz) wie jene 17,34 Prozent der Essenbacher, die im September AfD wählten, und das in einer der reichsten Gemeinden Niederbayerns! Die AfD verfügt weder über ein Renten- noch ein Bildungskonzept, aber offenbar über genug Wähler, die in unsere Schulen "Hunderttausende und Millionen" von Asylbewerberkindern hineinfantasieren. Dass man keine Bildungsprobleme gelöst kriegt, wenn die gedankliche Einflughöhe so ausschaut, sollte nun wirklich nicht überraschen.

Wolfgang, Donnerstag, 08.März, 12:51 Uhr

10. Schulen und Lehrer im roten Bereich

Herzlichen Glückwunsch an die Lehrer in Essenbach. Bei uns (auch Niederbayern) wir der Unterrichtsausfall ausschließlich von den Kolleginnen und Kollegen durch Mehrarbeit ausgeglichen. Die Schulleitung glänzt hier durch konsequente Abwesenheit.

Elisabeth, Donnerstag, 08.März, 11:48 Uhr

9. Bildungsnotstand Lehrermangel, Eltern

Unser Land braucht Taten , seit Jahren wissen wir was nicht so gut läuft und irgendwann bekommt unsere Gesellschaft die Folgen dicke zu spüren.
Die verantwortlichen Politiker sind alle vom Wohlstand weichgespült , Alle !!!!!!!

Bla Bla Bla die ganze Zeit in allen Bereichen,
Bildung , Polizei , Wohnen , Altersarmut , Pflege , Integration , Enthemmte gewaltbereite Jugend .

Ich bin mit 3 Jungs noch Einblick in den zustand unserer Bildungseinrichtungen.

Mit früher brauchen wir nix mehr vergleichen , das ist vorbei , der Zeitgeist ist ein anderer.
Besser ist es nur da wo wirklich gute Lehrer Mut einem guten Direktor ein kreatives und innovatives Kollegium bilden .

Mäßige Lehrer mit einem schwachen Direktor bedeutet das Schüler die auf die Schule angewiesen sind auf der Strecke bleiben ,
den anderen Helfen die Eltern.
Tatsache ist 1970 haben sich Kinder von Arbeitern leichter getan durch die Schule auch Gymnasium zu kommen wie heute .
Es ist längst nach 12 - die Folgen!!