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Versicherungen Rekordschäden durch Naturkatastrophen 2017

Die Branche muss aufgrund zahlreicher Naturkatastrophen Rekordsummen ausbezahlen. Das zeigt der entsprechende Jahresbericht des weltweit größten Rückversicherers, der Munich Re. 2017 war demnach das bisher teuerste Naturkatastrophenjahr für die Branche.

Von: Gabriel Wirth

Stand: 04.01.2018

Überschwemmungsgebiete in Texas | Bild: picture alliance / Newscom

Die Versicherungsbranche hat ein teures Jahr hinter sich. Sie muss umgerechnet mehr als 112 Milliarden Euro für Schäden durch Naturkatastrophen aufbringen, soviel wie noch nie. Das ist allerdings nur die Summe für Schäden, die durch Versicherungen gedeckt sind. Die Gesamtschäden waren im vergangenen Jahr deutlich höher, sie beliefen sich auf umgerechnet 275 Milliarden Euro (330 Milliarden Dollar). Dabei sah es bis zur Jahresmitte eigentlich noch relativ ruhig aus, doch dann wurden die USA und die Karibik gleich von drei mächtigen Wirbelstürmen heimgesucht: der erste war Irma, der Gouverneur von Florida Rick Scott meinte damals  

"Dies ist ein katastrophaler Sturm, wie ihn unser Staat noch nicht erlebt hat, er ist breiter als unsere gesamte Halbinsel und kann lebensgefährliche Schäden zwischen beiden Küsten anrichten."

Rick Scott, Gouverneur Florida

Heftige Hurrikans in den USA

Neben Irma wurde die Region noch von den beiden heftigen Hurrikans Harvey und Maria getroffen. Daneben gab es schwere und lange Monsun-Regenfälle mit Überschwemmungen in Südasien und ein Erdbeben in Mexiko. Aber auch Europa blieb nicht verschont. Eine ungewöhnliche Kälte im April führte zu Ernteausfällen. Dazu der Klimaexperte bei der Munich Re Ernst Rauch.

"Wir können heute mit unseren Daten sagen, dass es sehr starke Indizien dafür gibt, dass in bestimmten Regionen und bei bestimmten Wettergefahren tatsächlich eine große Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Klimawandel schon manifest ist."

Ernst Rauch, Klimaexperte bei der Munich Re

Klimawandel bereits zu spüren

Als betroffene Regionen nennt Rauch die USA und Teile von Europa. Seinen Worten nach sind Zeichen des Klimawandels vor allem schwere Gewitter mit Hagel und Tornados sowie Starkregen und Überschwemmungen. Auch dem Professor Mojib Latif zufolge ist der Klimawandel bereits spürbar. Latif ist Klimaforscher am Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

"Man muss einfach die Statistik der vergangenen Jahre betrachten, wie sich die Gesamtheit der Extreme entwickelt hat. Da sehen wir einen eindeutigen Trend nach oben und das sagen uns auch die Klimamodelle, dass genau das passieren wird. Wenn die Temperatur steigt - und die Erdtemperatur ist gestiegen um ein Grad - dann das muss zwangsläufig zu mehr Wetterextremen führen."

Mojib Latif, Klimaforscher am Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung

Weniger Opfer

Einen kleinen Trost gibt es: Es kamen im vergangenen Jahr zwar mehr Menschen durch Naturkatastrophen ums Leben als im Vorjahr, und zwar 10.000, aber die Zahl der Opfer ist damit deutlich niedriger als im Jahresdurchschnitt der vergangenen zehn Jahren. Für den Klimaexperten der Munich Re Rauch ein Beleg, dass sich viel getan hat.

"Hier zeigt sich, dass Frühwarnsysteme und Prävention tatsächlich wirksam sind. Das zeigt sich sehr eindrucksvoll in den Ländern, in denen historisch, wenn man die letzten Jahrzehnte zurückgeht, immer wieder sehr, sehr hohe Opferzahlen zu beobachten waren. Bangladesch beispielsweise durch Sturmfluten oder Ähnliches. Prävention lohnt sich humanitär und ökonomisch."

Ernst Rauch, Klimaexperte bei der Munich Re

Die Erwartung der Branche, dass aufgrund der Rekordschäden auch die Prämien für die Versicherungen wieder stark steigen, hat sich bis jetzt offensichtlich aber kaum erfüllt. Nur in den besonders betroffenen Regionen in der Karibik, in den USA und Lateinamerika gab es einen Preissprung bei den Versicherungstarifen.


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