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Reaktion auf US-Wahl 2016 Facebook schafft Dark Ads ab

Bei der US-Wahl 2016 konnten russische Akteure ungestört über soziale Medien Wähler beeinflussen. Jetzt hat Facebook seine Werbeplattform überarbeitet. Wer politisch werben will, wird bald genauer unter die Lupe genommen.

Von: Max Muth

Stand: 03.07.2018

ARCHIV - Illustration - 01.06.2018, Berlin: Auf dem Bildschirm eines Smartphones sieht man das Logo von Facebook. (zu dpa: «BGH-Verhandlung zur Frage: Dürfen Eltern auf das Facebook-Konto ihrer toten Tochter zugreifen?» vom 20.06.2018) Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Fabian Sommer

Facebook hat seine Werbeplattform überarbeitet, um versteckte politische Propaganda zu verhindern. Wer auf der Plattform in Zukunft für politische Inhalte werben will, muss seine Identität und seinen Standort preisgeben. Auch gewöhnliche Werbeanzeigen werden transparenter. Künftig können auf den Facebookseiten von Unternehmen sämtliche aktive Werbeanzeigen eingesehen werden. Damit reagiert das Unternehmen auf die massive Kritik an der ungenügenden Kontrolle politischer Inhalte durch Facebook bei der US-Wahl 2016. Nach dem Wahlsieg von Donald Trump war bekannt geworden, dass russische Akteure in großen Stil Wahlwerbung an US-Wähler ausgespielt hatten - und das offenbar mit dem Ziel, eine Wahl Trumps wahrscheinlicher zu machen.

Russische Wahlwerbung bei US-Wahl

Den deshalb anberaumten Auftritt von Unternehmensanwalt Colin Stretch im US-Kongress dürfte Facebook in ausnehmend schlechter Erinnerung haben. CEO Zuckerberg und seine Vizechefin Sheryl Sandberg hatten sich entschuldigen lassen, stattdessen durfte ihr Anwalt unangenehme Fragen beantworten, wie zum Beispiel die des wortgewaltigen Senators Al Franken: "Wie konnte Facebook übersehen, dass Wahlwerbung, die in Rubel gezahlt wird, vermutlich aus Russland kommt?"

Dass die Einflussnahme im Wahlkampf nicht entdeckt wurde, lag auch daran, dass viele Anzeigen bei Facebook nur für die jeweils ausgewählte Zielgruppe sichtbar waren. Solche Dark Ads sind für normale Werbetreibende praktisch, etwa um zu verhindern, dass Konkurrenten die Werbung sehen. Für Geheimdienste, die unbemerkt Wahlen beeinflussen wollen, sind sie jedoch Gold wert.

Dark Ads werden effektiv abgeschafft

Mit den Neuerungen werden Dark Ads effektiv abgeschafft. Zwar kann Werbung auch in Zukunft nur an bestimmte Zielgruppen ausgespielt werden, wer sich dafür interessiert, kann jetzt jedoch alle Werbepostings jedes beliebigen Unternehmens einsehen, auch die Dark Ads. Dafür müssen Nutzer einfach auf die Facebookseite eines Unternehmens gehen und dort auf den Reiter "Seiteninfos und Werbung" klicken. In der Browserversion findet sich dieser im Kontextmenü auf der linken Seite, in der mobilen Version ist die Schaltfläche direkt unter dem Titelbild zu finden.

Achtung: Um auf der entsprechenden Unterseite die aktiven Werbeanzeigen der Firmen sehen zu können, müssen Adblocker für Facebook deaktiviert sein.

Politische Wahlwerbung soll sieben Jahre aufbewahrt werden

Politische Inhalte bekommen noch einmal eine Sonderbehandlung. Sie sollen in ein Archiv wandern, und unter diesem Link bis zu sieben Jahre aufbewahrt werden. Gleiches gilt auch für themenspezifische Kampagnen und für Nachrichtenartikel, deren Reichweite über Facebook-Werbung erhöht wurde. Nutzer, die für derartige Angebote Werbung machen wollen, müssen sich in einem gesonderten Prozess bei Facebook registrieren. Politische Inhalte von nicht autorisierten Nutzern werden nicht veröffentlicht. Der dazugehörige Uploadfilter scheint allerding noch nicht ganz ausgereift zu sein.

Problem #Uploadfilter: nicht jedes Clinton ist politisch

Bloomberg News berichtet, dass etwa Werbeanzeigen aus Clinton im Bundeststaat Indiana abgelehnt worden, weil der Wortfilter dahinter einen Verweis auf die Politikerin Hillary Clinton vermutete. Und ein Waxing Studio durfte nicht werben, weil es sich um den "Bush" der Kundinnen kümmern wollte. Solche Beispiele sind Wasser auf die Mühlen derer, die Uploadfilter der Plattformen zum Beispiel beim Urheberrecht ablehnen.

Um politische Dark Ads aufzuspüren, mussten Forscher und Journalisten bislang Browser-Erweiterungen programmieren und Nutzer darum bitten, die ihnen ausgespielte Werbung weiterzuleiten. So fand der NDR etwa bei der Bundestagswahl heraus, dass der anonyme Blog "Greenwatch" per Dark Ads gezielt Stimmung gegen die Grünen machte. Auf deratige Tools könnten Forscher verzichten, wenn das geplante Archiv zuverlässig arbeitet.

Rollout zuerst in Ländern, in denen gewählt wird

Facebooks Archiv der politischen Werbeinhalte startete Ende Mai in den USA, demnächst soll es auch in Brasilien ausgerollt werden, wo im Oktober die Präsidentschaftswahlen anstehen. Die Frage, ob auch ein Deutschland-Start bald auf der Agenda steht, hat Facebook bislang nicht beantwortet. Produktchef Rob Leathern betonte bei einem Q&A des Unternehmens, dass dafür zuerst in jedem einzelnen Staat regulatorische Fragen beantwortet werden müssten und das Zeit in Anspruch nehme. Facebooks Co-Chefin Sandberg wies darauf hin, dass sich Facebook beim Rollout zunächst auf Länder konzentrieren will, in denen demnächst Wahlen anstehen. Deshalb stehe Brasilien aktuell oben auf der Liste. In Europa wählen in diesem Jahr noch Slowenien, Schweden, Luxemburg und Lettland. Auch in Bayern steht im Herbst eine wichtige Wahl an.


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Nemo Nullus, Dienstag, 03.Juli, 22:48 Uhr

5. Facebook

Facebook? War da mal was?
Wen interessiert denn heute noch dieses Faselbuch? Ist voll auf dem absteigenden Ast und wird hauptsächlich nur noch von der Generation über 60 verwendet. Und die ist weder Werbe-relevant noch besonders empfänglich für die ganze "Hipsterei". Also: Keep cool and Take it Easy.

  • Antwort von Egon, Mittwoch, 04.Juli, 19:56 Uhr

    Genau ....... wenn man in 100 Jahren den Kölner Dom fragen würde, was Facebook war ..... wen interessiert das schon.

Dieter, Dienstag, 03.Juli, 20:47 Uhr

4. FACEBOOK

Grenzkontrollen? Nein! Digitale Mauer? Her damit!
M.f.G.

  • Antwort von Negan, Dienstag, 03.Juli, 21:12 Uhr

    Na also sag ich doch:-D

  • Antwort von Antidieter, Dienstag, 03.Juli, 21:24 Uhr

    Kontrollierte Zuwanderung: Ja! Unkontrollierte Internet-Hetze: Nein!!!

Dieter, Dienstag, 03.Juli, 20:44 Uhr

3. Disruptive Marktwirtschaft haben wir ja schon.

Die neue Spielart der Planwirtschaft ersetzt die freie und soziale Marktwirtschaft. es kommt die staatlich gesteuerte Ideologiewirtschaft, wie wir sie in D schon haben. Staatl. initiierte Kaufanreize (Abwrackprämie), staatl. initiierte Kaufhemmnisse (Dieselfahrverbote, E-Förderung), staatl. oktroyierte Produktionseinstellungen (KKW-Ausstieg, Kohleausstieg), staatl. verordnete Geschäftshemmnisse (EU-DSGVO). Plus Netz-DG als staatlich verordnete Kommunikationskontrolle Teil 1 (wer weiß, was noch kommt). Ist gleich = Großes Ausrufezeichen. Wie verdummt muss man außerdem sein, einerseits “disruptive” Innovationen in Technologie und Wirtschaft zu fordern und gleichzeitig die Gesellschaft mit Migration der Beliebigkeit aus innovationsfeindlichen Kulturen zu forcieren. Diese und die bürokratischen Hürden und hohe Abgaben für legal einwanderungswillige Fachleute sorgen dafür, dass jeder Spezialist und jeder mit Innovationsgeist Ausgestattete einen großen Bogen um D, und bald auch um die EU ma

  • Antwort von Herr Meier, Dienstag, 03.Juli, 21:15 Uhr

    Nur Sie selbst dürften dieses zusammenhanglose Geschwurbel verstehen! Und googeln Sie bitte mal Ihre Fremdwörter, bevor sie sie vergewaltigen! Das tut echt weh!

  • Antwort von Latein und Griechisch aktueller denn je, Mittwoch, 04.Juli, 10:16 Uhr

    @Herr Meier, ist doch zu versehen, was Dieter schreibt. Weiß nicht was Sie haben..?
    Er schreibt logisch konsistent, und weist auf die Widersprüchlichkeit der Politik hin, und wie diese selbst ihre eigenen Vorgaben und Ziele sabotiert, und die Erreichung selbiger erschwert.
    Wenn man in einer ideologischen Falle sitzt,wie vermutlich Sie, wird man sich natürlich mit den von Dieter hier beschriebenen Ansichten schwer tun.

Nadine, Dienstag, 03.Juli, 19:25 Uhr

2. Facebook Ads

Ich verstehe es absolut nicht, dass sich Firmen so sehr abhängig von Facebook und Co. machen. Anstatt auf die eigene Homepage zu setzen, welche meiner Meinung nach völlig ausreichend ist, so wirbt man auf einer fremden Seite. Das ist in etwa so, als wenn man beim Nachbarn wohnt, anstatt in seinen eigenen vier Wänden. Was soll das für einen Sinn machen? Also ich komme nicht auf die Idee, bei einem Dritten nach einer Firma zu schauen, sondern möchte dort schon auf direkten Weg hinkommen. Möchte ich den BR sehen, so gebe ich eben www.br.de ein und nicht facebook/irgendeine-firma etc. pp. Naja, offensichtlich gibt es wohl viele Leute, die Werbung lieben. Doch was soll das nur eine Werbung sein? Oh wir sind ebenso bei Facebook? Also Firmen die auf Selbständigkeit aus sind und selbst Dinge entwerfen (Webseiten) bevorzuge ich da deutlich mehr, als wenn diese nur eine Schablone einer fremden Seite übernehmen. Wo bleibt da denn nur der Einfallsreichtum?

  • Antwort von maxu, Mittwoch, 04.Juli, 07:42 Uhr

    Kann es sein, dass Sie absolut nicht kapieren was Werbung ist?
    Es geht um Werbung ( = englisch Advertising, im Plural kurz "Ads"), nicht um die Unternehmensseiten bei Facebook. Die existieren deshalb, weil Zuckerberg & Co. selber tolle PR (Werbung) gemacht haben und den Unternehmen eingeredet haben, das muss man haben, weil die Facebooknutzer zu blöd sind, auch aus Facebook wieder herauszufinden ;-) Und auch so gerne einen "Like" loswerden wollen und ohne "Like" ein Unternehmen nicht existieren kann.
    Die Ads, die Werbeschaltungen um die es geht, sind die Werbungen, die erscheinen, wenn ein Nutzer irgendeine beliebige Facebookseite aufruft. Die Werbung die erscheint, wenn Sie sich NICHT über dieses Produkt, dieses Unternehmen, diese Weltanschauung, diese Person, diese Partei etc. sich informieren wollen.
    Und die "Dark Ads" sind Werbeschaltungen, die nur auftauchen bei Nutzern, die eigentlich durch ihre Daten und durch ihre Nutzung als "Gegner" erkannt werden.

  • Antwort von maxu, Mittwoch, 04.Juli, 09:36 Uhr

    (Teil 2) Dark Ads
    Der Sinn und "Witz" von Dark Ads ist, zum Beispiel bei Parteienwerbung, genau diejenigen Nutzer zu erreichen, die dieser Partei nicht zugeneigt sind, kein "Like" gegeben haben oder sogar Gegnern dieser Partei ein "Like" gegeben haben.
    Meine (vermutlich) sicheren Wählern muss ich nicht mehr überzeugen, allerhöchsten muss ich diese Zielgruppe dazu bringen überhaupt zur Wahl zu gehen. "Neutrale Facebooknutzer" und ausgewiesene Gegner muss ich idealerweise mit jeweils unterschiedlichen Kampagnen beackern.
    Ein überzeugter Anhänger eines freiheitlich-demokratischen, pluralistischen Rechtsstaates muss ich gar nicht mit einer Wahlwerbung kommen, auf der groß "Wählt AfD" steht, einem AfD-Anhänger werde ich eher nicht mit "Wählt Merkel" erreichen. Da sind subtilere Anzeigen sinnvoller.
    Und umgekehrt, wenn ich nur meinen eingefleischten Anhängern eine Werbung zeige, die alle anderen nicht sehen, verhindere oder erschwere ich eine Reaktion/Richtigstellung. (Filterblase)

  • Antwort von Nadine, Mittwoch, 04.Juli, 16:42 Uhr

    @maxu
    Was Werbung ist, dies ist mir bekannt. Was glauben Sie wohl, weshalb ich den BR (www.br.de) so sehr mag. Qualitativ hochwertige Nachrichten und fast keine Werbung. Da können diese ganzen Facebook Algorithmen und Co. nicht einmal ansatzweise mithalten. Nein, was ich sagen wollte ist einfach nur, dass Firmen solche sozialen Netzwerke (Ads) einfach nicht brauchen, um einen Kunden zu erreichen. Insbesondere was die Datenhoheit betrifft. Bei der eigenen Seite hat man eine Kontrolle darüber, wer, was und wie sehen kann, doch bei einer dritten Seite nicht mehr. Also ich sehe in Facebook und Co. gegenüber der eigenen Homepage keine Vorteile.

  • Antwort von maxu, Donnerstag, 05.Juli, 13:28 Uhr

    ich wusste nicht dass und warum Sie den BR so gerne mögen . und ich hätte eher die leider vorhanden parteipolitische Ausrichtung in Verdacht gehabt.

    Hochwertige Nachrichten? Kommt wohl auf den Vergleich drauf an.

    "soziale" Netzwerke != Ads

    Wenn Millionen Fliegen um ... äh, wenn Millionen Nutzer diese (a)sozialen Netzwerke nutzen, dann sind sie selbstverständlich ein gutes Ziel für Werbung, um potentielle Interessenten auf sich aufmerksam zu machen. Die wenigsten Menschen kennen alle Unternehmen, die wenigsten kennen alle Anbieter für ein Bedürfnis, die wenigsten kenne sogar all ihre Bedarfe (sic, VWL-Fachbegriff. Man braucht es nicht wirklich (das wäre ein Bedürfnis), man will es aber haben - weil z.B. durch Werbung die Begierde danach geweckt wurde)
    Die Unternehmen behalten durchaus die Datenhoheit ihrer (!) Daten, die Datenhoheit über die Daten die Werbung betrachtenden ist für sie nebensächlich, die Auswertung würde bei den meisten sowieso über Google laufen.

Negan, Dienstag, 03.Juli, 19:20 Uhr

1.

Ich kann mir vorstellen, welche Partei in Deutschland gerade bedauert, dass sie einer ihrer finsteren Methoden beraubt wurde:-D

  • Antwort von maxu, Mittwoch, 04.Juli, 08:35 Uhr

    Sie wurde ja noch nicht beraubt, zur Landtagswahl geht es doch noch. Und ich sehe da eher mindestens zwei Parteien, die vor so unsauberen Methoden nicht zurückschrecken, die eine hat da ja schon "positive" Erfahrung die Jahrzehnte zurückreicht..
    Außerdem kann man immer noch über Dritte und "Unbeteiligte" (die müssen ja nicht gleich direkt in Rubel zahlen, vorher umtauschen ist keine Hexerei) ganz einfach subversive Propaganda schalten, Verschwörungstheorien u.ä. lancieren. Da sehe ich die andere Partei und ihre Unterstützer/weltanschaulich Nahestehende/davon wirtschaftlich Profitierenden voll in ihrem Element.