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Raritäten aus Bayern Bedrohte Nutztiere und ihre Halter: das schwalbenbäuchige Wollschwein

Vor gut 100 Jahren war das Mangalitza - eine Kreuzung aus serbischen und ungarischen Schweinen - auf dem gesamten Balkan verbreitet. Es galt als robust, widerstandsfähig und vorzügliches "Fettschwein". Doch mit den geänderten Essgewohnheiten musste es nach und nach den fleischigeren und vor allem magereren Rassen weichen. Dabei gilt das Wollschwein unter Feinschmeckern bereits wieder als Delikatesse. Das könnte diese alte Nutztierrasse vor dem völligen Verschwinden retten.

Von: Susanne Wimmer, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 19.04.2018

Magalitzas in Niederbayern: Die beiden Hübschen sind  Wollschwein-Zuchtsauen. Bonnie links Bild ist eine Blondinde, Clyde rechts im Bild ist dagegen dunkel und ein sogenanntes schwalbenbäuchiges Wollschwein, weil Bauch und untere Halspartie  weiß sind und an das Muster von Schwalben erinnern. | Bild: BR/Susanne Wimmer

Johanna Mehringer studiert Agrarwissenschaften und macht zudem eine Ausbildung zur Erlebnisbäuerin. Trotzdem verbringt sie viel Zeit mit ihren Magalitza-Zuchtsauen Bonnie und Clyde und dem Eber Leonardo.

"Das ist eine Leidenschaft von uns, dass wir Rassen erhalten, die bedroht sind, die nicht so auf Leistung und Masse gezüchtet sind, sondern noch widerstandsfähig sind und langsamer wachsen. Und die sind auch nicht so nervös, die sind stressresistent."

Johanna Mehringer

Magalitzas in Niederbayern: Links im Bild ist Wollschwein-Zuchteber Leonardo. Bei den übrigen Wollschweinen handelt sich um Masttiere.

Bonnie ist ein blondes Mangalitza-Schwein, Clyde hat dagegen ein schwarzes Fell und ist wie Zuchteber Leonardo ein sogenanntes schwalbenbäuchiges Wollschwein. Die Bezeichnung schwalbenbäuchig beschreibt das Merkmal, dass Bauch und unterer Halsbereich weiß sind. Für die Wollschwein-Zucht gibt es ein eigenes "Wollschwein-Register". Es legt eindeutige Standards für eine reinrassige Zucht fest, da es in der Vergangenheit häufig Einkreuzungen gab, unter anderem auch von Wildschweinen.

Eine alte Nutztierrasse "erhalten durch aufessen"

Tagsüber sind Johanna Mehringers Wollschweine draußen und grasen. Auch das ist eine Besonderheit dieser Tiere: sie können Gras verdauen, weshalb sie auch gerne Silage oder Heu fressen.

"Deswegen ist dann auch das Fleisch so besonders, weil das eben noch eine ganz andere Futtergrundlage ist, als wenn man immer nur Soja mit einem Getreide gemischt vorgelegt bekommt. Natürlich man wächst langsamer davon, aber auch gesünder."

Johanna Mehringer

So sieht ein zufriedenes Mutterschwein aus: Clyde säugt ihre Ferkel. Schön zu erkennen ist hier der "Schwalbenbauch" dieser Rasse.

Leben kann Johanna Mehringer von ihrer Zucht nicht. Sie und ihre Eltern betreiben die Landwirtschaft deshalb auch nur im Nebenerwerb. Dafür gibt es aber noch ein paar Besondernheiten auf dem Hof: neben den Wollschweinen tummeln sich hier nämlich auch Alpine Steinschafe, Waldschafe, zwei französische Esel und zwei Murnau-Werdenfelser Kühe.

Kontakt und Linktipps

Johanna Mehringer
eMail: johanna.mehringer@yahoo.de

Wollschwein-Zuchtbuch
Internet: www.wollschwein-zuchtbuch.de

Rote Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH)
Dort sind Züchter miteinander vernetzt. Die Liste ist zudem die Basis für die Anerkennung von Arche-Höfen.
Internet: www.g.e.h.de

Rote Liste "Einheimischer Nutztierrassen in Deutschland" der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE)
Internet: www.ble.de


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