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Raritäten aus Bayern Bedrohte Nutztiere und ihre Halter: das Augsburger Huhn

Die schwarzen Augsburger Hühner sind um 1870 durch eine Kreuzung der französischen Rasse La Fleche mit italienischen Lamotte-Hühnern entstanden. Das erste Augsburger Huhn erblickte streng genommen gar nicht in Augsburg das Licht der Welt, sondern in Haunstetten. Das war früher eine eigenständige Stadt und nicht wie heute ein Stadtteil von Augsburg. In mehr als einer Hinsicht ist das Augsburger Huhn besonders. So ist es die einzige bayerische Hühnerrasse, die es bislang je gab. Schon das ist ein Grund, es vor dem Aussterben zu bewahren.

Von: Tobias Chmura, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 01.04.2018

Zwei Sachen fallen auf, wenn man bei Hobby-Züchter Anton Schneider durchs Haus hindurch in den Garten läuft: Erstens, aus allen Ecken des Grundstücks hört man Gegacker. Zweitens: Dutzende von Hühnern verschiedenster Rasse haben hier immer Vorfahrt.

"Diese Augsburger Hühner, die gab es früher nur in schwarz mit so einem grünen Käferglanz. Wunderschön! Und dann eben das rote Gesicht und die weißen Ohrscheiben!"

Anton Schneider

Ist er nicht prächtig? Ein formvollendeter Kronenkamm

Mittlerweile ist durch Kreuzungen auch eine Linie entstanden, bei der die schwarzen Federn bläulich glänzen. Wichtigstes Merkmal aber ist der Kronenkamm. Bei den schönsten Tieren bildet der Kamm oben auf dem Kopf der Tiere nämlich nicht einfach nur eine rote gezackte Linie, sondern einen Kreis, den sogenannten Kronenkamm. Auch für den 72-jährigen Hobby-Züchter Anton Schneider ist das Augsburger Huhn vor allem ein schönes Tier - und eines mit Ansprüchen.

"Das Augsburger Huhn ist ein Huhn, das man nicht in Käfige sperren kann. Ein Augsburger Huhn will Freiheit, das will sich bewegen. Von der Natur aus oder vom Typ her ist es so, eben weil sie so freiheitsliebend sind und auch sehr gute Futtersucher sind, also, die ihr Futter selber finden, wenn sie entsprechend Auslauf haben!"

Anton Schneider

Verdrängt durch die Agrarindustrialisierung

Hobby-Hühnerhalter Anton Schneider und sein fabelhaftes Federvieh

Das schwarze Augsburger Huhn, das um 1870 bei Julius Meyer in Haunstetten entstand, ist die einzige bayerische Hühnerrasse, die es bislang je gab. Trotzdem war das Augsburger Huhn schon einmal in Gefahr.

Zur Zeit des Nationalsozialismus durften diese Hühner nicht auf Geflügelschauen gezeigt werden, weil sie nicht reinerbig waren; der Rassenwahn im Dritten Reich machte selbst vor Federvieh nicht halt. Heute kann das Augsburger Huhn als Nutztier nicht mit den Hochleistungsrassen mithalten. Es ist ein Zweinutzungshuhn, wie es eben früher üblich war. Eier und Fleisch. In letzter Zeit melden sich aber immer öfter private Hobby-Hühnerhalter bei Anton Schneider, weil sie sich mit Eiern selbst versorgen wollen. Jeder Lebensmittel-Skandal, zuletzt mit Fipronil belastete Eier, löst einen neuen Schub aus.

"Der Vorteil ist für uns immer, dass die Leute anrufen und wieder die alten Hühnerrassen wollen, weil sie sagen: 'Ich kann hier ein paar Hühner laufen lassen in meinem Garten, und dann habe ich meine eigenen Eier und brauche keine Angst haben, dass irgendwelche Pestizide drin sind.' Ich arbeite praktisch grundsätzlich nicht mit Medikamenten, von wegen Antibiotika oder irgendetwas. Da habe ich einen Auslauf bis da runter, wo die alle laufen können. Ja, das sind doch glückliche Hühner!"

Anton Schneider

Eier und Fleisch von "glücklichen Hühnern"

Der Rentner ist überzeugt, dass Fleisch und Eier von glücklichen Hühnern auch besser schmecken. Die große Massenproduktion sieht er kritisch.

"Ich kann durch Fütterung die Farbe des Eidotters bestimmen. Da kann man alles machen. Das machen die auch. Die ganzen Käfighühner und so weiter, die kriegen halt so Carotin und Zeug und Glump, dass sie goldgelbe Dotter haben. Aber das Ei [des Augsburger Huhns], wenn Sie das aufschlagen, da macht der Dotter so einen schönen Buckel und ist goldgelb und gut - und da ist was dahinter!"

Anton Schneider

Wer weiß, vielleicht erlebt das Augsburger Huhn irgendwann doch eine Renaissance. An der Landesanstalt für Landwirtschaft versucht man, das Augsburger Huhn leistungsstärker zu machen und vielleicht einmal als Zweinutzungsrasse zu etablieren. Dann gäbe es wieder echt bayerische Hühner in bayerischen Ställen.

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