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Sie stellen sich nicht mehr zur Wahl Prominente Abgeordnete scheiden aus dem Landtag aus

Helmut Brunner und Emilia Müller (beide bis vor kurzem Minister), Ex-CSU-Chef Erwin Huber, Christian Magerl von den Grünen, der SPD-Rechtsexperte Franz Schindler - sie alle treten nicht mehr an bei der Landtagswahl im Herbst. Der Abschied fällt ihnen nicht leicht - und eine mächtige CSU-Frau hat sich noch immer nicht entschieden.

Von: Eva Lell

Stand: 03.04.2018

"Ich bin ein Teil der Erneuerung der SPD", sagt Franz Schindler trocken. Nach 28 Jahren im Landtag tritt er nicht mehr bei der Landtagswahl an. An Ruhestand denkt er aber noch nicht, bis Herbst ist er Vorsitzender des Verfassungsausschusses im Landtag. Danach will er Stadt- und Kreisrat in Schwandorf bleiben und sich verstärkt im Mieterverein Schwandorf engagieren.

28 Jahre Opposition

Seine gesamte Zeit im Landtag hat Schindler in der Opposition verbracht. Damit hadert er. Es ist zu spüren, wie ihn das wurmt: jahrzehntelang Vorschläge machen, die abgelehnt, von der CSU aufgegriffen und dann ihr, der CSU, als Erfolg zugeschrieben werden. Als Beispiele nennt er Kinderbetreuung, mehr Personal für die Justiz oder eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft. Sein Fazit:

"Wer regiert, bekommt die Meriten. Und wer in der Opposition ist, der darf mitspielen und dem nimmt man es auch ab, dass er es ernst meint und gut meint. Und warum sollen die Pferde gewechselt werden, wenn es gut läuft."

Franz Schindler (SPD)

Traumjob Umweltminister

Christian Magerl sitzt seit 27 Jahren im Landtag. Der Biologe und Umweltausschussvorsitzende wäre gerne Umweltminister geworden in Bayern. Geklappt hat das nicht. Die Option, dass die CSU ab Herbst einen Koalitionspartner braucht, und das möglicherweise die Grünen sein könnten, bewegt ihn nicht zum Weitermachen. "Ich fühle mich wohl mit meiner Entscheidung", sagt Magerl und meint, die Grünen und er hätten auch in der Opposition einiges bewirkt:

"Wenn man sich anschaut, die Großprojekte, als ich 1986 das erste Mal gewählt worden bin, da war die große Wackersdorf-Zeit. Das ist nicht gebaut worden. Transrapid - dieser Unfug ist verhindert worden. Schon eine Menge, wo man sagen kann, es ist uns gelungen, den Widerstand zu stärken."

Christian Magerl (Grüne)

Ein Thema wird den Freisinger weiter beschäftigen, auch wenn er nicht mehr im Landtag ist: die dritte Start- und Landebahn am Münchner Flughafen. "Die wird so lange eine Rolle spielen, bis sie verhindert ist", sagt Magerl selbstbewusst.

Eine Karriere mit Höhen und Tiefen

"Ich habe mehr erreicht, als ich mir je hätte vorstellen können." So zieht der CSU-Politiker Erwin Huber Bilanz nach 40 Jahren im Landtag. Huber war CSU-Generalsekretär, Wirtschafts- und Finanzminister und CSU-Chef. Nach dem CSU-Debakel bei der Landtagswahl 2008 blieb er im Landtag. Aktuell ist er Wirtschaftsausschussvorsitzender, das habe ihm den sanften Ausstieg aus der Politik ermöglicht.

Entzug von der "Droge Politik"

Von der "Droge Politik" hat Huber selbst einmal gesprochen. Der Abschied fällt ihm nicht leicht, im Herbst will er einen klaren Schnitt machen. Beim Entzug helfen soll ihm die Musik: Huber will Klavierspielen lernen und einige Semester Philosophie studieren. Als seine eigenen Kinder klein waren, war er viel unterwegs. Umso mehr freut er sich nun, Zeit mit seinen Enkeln zu verbringen. Die Arbeitsteilung mit seiner Frau wird sich auch im Ruhestand nicht ändern:

"Ich habe mir vorgenommen, ich fange nicht zu kochen an. Ich akzeptiere, dass wie auch in den letzten Jahrzehnten meiner meistens Abwesenheit, die Frau der Herr im Haus ist. Und das wird sich auch nicht ändern."

Erwin Huber (CSU)

Rückblick auf 40 Jahre in der Politik

"Wer einen Sumpf trockenlegen will, darf nicht die Frösche fragen", das ist einer der Sprüche, die Erwin Huber nachhängen. Er steht beispielhaft für die Regierungszeit Stoiber mit seinem Staatskanzleichef Erwin Huber, die mit einer CSU-Zweidrittelmehrheit Reformen durchdrückte. Im Rückblick sagt Huber: "Ich würde es heute nicht mehr so sagen, weil es missverständlich ist." Er räumt ein, dass er die Menschen bei Entscheidungen mehr hätte mitnehmen müssen. Huber sagt aber auch: "Irgendwann muss aber eine Entscheidung getroffen werden."

Viele Landtagsabgeordnete treten nicht mehr an

Neben Huber, Schindler und Beckstein treten weitere langjährige Abgeordnete nicht mehr an. Etwa die ehemaligen Minister Helmut Brunner, Emilia Müller und Ottmar Bernhard. Aus der CSU-Fraktion scheiden zudem Ingrid Heckner, Reserl Sem, Joachim Unterländer, Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklett und Hermann Imhoff aus. Die SPD-Abgeordneten Hans-Ulrich Pfaffmann, Angelika Weikert, Bernhard Ross, Johanna Werner-Muggendorfer und Peter-Paul Gantzer treten nicht mehr an. Die Grünen-Fraktion wird neben Christian Magerl auch auf Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote und Christine Kamm verzichten müssen, die Freien Wähler auf Karl Vetter und Landtagsvizepräsident Peter Meyer.

Landtagspräsidentin Stamm überlegt noch

Die einflussreiche CSU-Frau und Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat sich noch nicht entschieden, ob sie bei der Landtagswahl wieder antritt. Spätestens Mitte April, wenn die Unterfranken-CSU ihre Liste für die Landtagswahl aufstellt, muss sie sich erklären.


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