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Heftiger Schlagabtausch erwartet Politischer Aschermittwoch: Keine Rücksicht auf die Groko

Der politische Aschermittwoch gehört zu den Tagen im Jahr, an denen die Parteien vor ihren Anhängern richtig Kante zeigen können. Gerade für die CSU ist dieser Tag wichtig, die eigene Basis im Landtagswahlkampf hinter sich zu bringen. Seehofer musste allerdings grippebedingt absagen. Vor einem schwierigen Spagat steht dagegen die SPD.

Von: Sebastian Kraft

Stand: 14.02.2018

Ein Jahr später ist bei den beiden großen Volksparteien alles ganz anders. Im jährlich errichteten Bierzelt von Vilshofen trat 2017 unter tosendem Jubel Martin Schulz auf. Es war einer der ersten Auftritte nach seiner Nominierung als Kanzlerkandidat. Die CSU musste ein paar Kilometer weiter südlich in Passau damit leben, dass der Medienrummel etwas geringer ausfiel als sonst üblich.

Dabei gab es bei den Christsozialen auch eine hübsche Geschichte zu beobachten: Ein mäßig gelaunter Markus Söder beklatsche eher lustlos die Reden von Joachim Herrmann und Alexander Dobrindt. Parteichef Horst Seehofer lies neben sich selber damals nur Bundespolitiker reden, dem ambitionierten Kronprinzen blieb nur die schmerzhafte Zuschauerrolle.

Wird Markus Söder der neue "Mister Aschermittwoch"?

Heuer wollten Seehofer und Söder ursprünglich gemeinsam in die Dreiländerhalle einziehen - wegen einer Grippe musste Horst Seehofer seinen Auftritt am Dienstagnachmittag aber absagen. Die Bühne gehört nun alleine Markus Söder. Und im Gegensatz zu Seehofer, dem das Format Aschermittwoch mit einer kernigen Rede in Bierzeltatmosphäre in den letzten Jahren nicht wirklich ans Herz gewachsen war und der sich deswegen immer weitere Hauptredner (Stoiber, Gauweiler, Herrmann, Dobrindt) organisierte, ist Markus Söder wie gemacht für das Prinzip Aschermittwoch.

„CSU pur“, heißt es aus seinem Umfeld, werde die Rede sein, von der „Südkurve“ schwärmte schon CSU-General Andreas Scheuer vorab auf Twitter. Kurzum: der designierte Ministerpräsident wird versuchen an die Tradition von Edmund Stoiber anzuknüpfen, den sie in der CSU  bis heute respektvoll „Mister Aschermittwoch“ nennen.

Wichtiges Thema beim Politischen Aschermittwoch: Flüchtlinge

Zwei Themen werden dabei besonders im Fokus stehen, wenn es darum geht, die Stimmung in der Halle anzuheizen: die Zuwanderungsfrage und der Umgang mit der AfD. Söder, der seit Anfang des Jahres unermüdlich durch Bayern reist und wöchentlich neue Schlagzeilen generiert, hat sich genau überlegt, wann er welche neuen Akzente setzen will.

Söders neuer Vorstoß in der Flüchtlingspolitik

In der Migrationspolitik, soviel scheint klar, wird zum Aschermittwoch ein neuer Vorstoß kommen. Söder will das Bayerische Integrationsgesetz noch einmal überarbeiten: Für Flüchtlinge solle es keine Übergangsklassen mehr geben, sondern richtige Deutschklassen. Hier sollen nicht nur Deutsch als Sprache, sondern auch Werte und Kultur vermittelt werden. Zudem spricht sich der designierte bayerische Ministerpräsident dafür aus, dass in jeder Behörde ein Kreuz hängen soll.

Söder will die AfD verbal angreifen

Im Gegensatz zu Seehofer will er die AfD auch offen angreifen und versuchen zu demaskieren. Das Prinzip Totschweigen oder nur geringfügig erwähnen, wie es Seehofer sonst tat, gilt in der CSU seit der verlorenen Bundestagswahl als gescheitert.

Wie wird sich Olaf Scholz beim Politischen Aschermittwoch präsentieren?

Gegen den Katzenjammer muss dagegen die Bayern-SPD ankämpfen. Mit über 2.000 Zuschauern rechnen die Genossen, Hauptredner wird der Hamburger Bürgermeister und Parteivize Olaf Scholz sein. In der kommenden Bundesregierung soll er als Vizekanzler und Finanzminister eine zentrale Rolle einnehmen. In Vilshofen steht er gleich unter doppelter Beobachtung: Zum einen wie der eher zurückhaltende Hanseate ein bayerisches Bierzelt in Stimmung bringen will, zum anderen mit welchen Argumenten er seine Anhänger beim anstehenden Mitgliederentscheid überzeugen will.

Überhaupt wird es die spannende Frage: Beschäftigt sich die SPD mit den politischen Gegnern - wozu der Aschermittwoch ja eigentlich da ist - oder wieder einmal mit sich selber?

Aiwanger wird auch die Bundespolitik angreifen

Mit seinen politischen Gegnern will sich auf jeden Fall Hubert Aiwanger in Deggendorf beschäftigen - auch wenn er bekanntlich am liebsten mit der CSU ab Herbst regieren würde. Ein Seitenhieb auf die Lage in Berlin ist garantiert, so bezeichnete Aiwanger die Merkel vorab als „sozialdemokratische Kanzlerin“ und die Koalitionspartner CSU und SPD als „Büchsenspanner.“

Die große Koalition werde zu einer Belastung für Deutschland. Scharfe Attacken wird es wohl auch Richtung Markus Söder geben: „Er ist ein unkalkulierbares Risiko. Er hat 33.000 GBW-Wohnungen verscherbelt und keine Visionen für Bayern außer weiteren Staatsbesitz wie die EON-Anteile zu verkaufen.

Die Grünen werden mit Grünen-Themen aufwarten

Mit Spannung wird in Landshut die Rede des neuen Grünen Parteichefs Robert Habeck erwartet, flankiert von dem bayerischen Spitzenduo Ludwig Hartmann und Katharina Schulze. Neben den erwartbaren Attacken auf die CSU soll es vor allem um die Grünen Kernthemen gehen: Chancengleichheit für Mann und Frau, Einsatz für Demokratie und Gestaltung der Digitalisierung.

Die beiden nicht im Landtag vertretenen Bundestagsparteien bieten ebenfalls bundespolitische Prominenz auf. Zur FDP nach Dingolfing kommt Parteichef Christian Lindner, zur AfD nach Osterhofen Jörg Meuthen.


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Kommentare

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peter b., Mittwoch, 14.Februar, 18:21 Uhr

6. Politischer Aschermittwoch

Das sind die gößten Spießbürgertreffen. Treffen von Leuten, an denen die Gesellschaft so sehr krankt. Pfui, da wird mir aber richtig übel.

Bernhard, Mittwoch, 14.Februar, 11:42 Uhr

5. Mich wundert es nur,

wenn man so gut ist, wie die CSU behauptet, warum man dann nicht den Mut hat, eine Minderheitsregierung zu starten.
Ich wünsche mir, dass die SPD sich zurückzieht, dann kann die CSU ja zeigen, was sie kann.
Und muss es dann auch verantworten.
Ansonsten lehne ich mich an den Kommentar Nr. 2 an.

  • Antwort von Horst, Mittwoch, 14.Februar, 12:30 Uhr

    Die CSU wettert gegen Berlin, obwohl sie dort seit Jahren mitregiert. Die ''Stammtischbrüder'' werden es schon nicht kapieren. Das viele Bier erfüllt auch seinen Zweck. Stimmung...........

Motzki, Mittwoch, 14.Februar, 09:52 Uhr

4. Südkurve??

Herr Scheuer, ich möchte aber keine Südkurve, gefüllt mit grölenden, biertrinkenden Leuten, die seltsame hasserfüllte Rituale gegen andere Südkurven pflegen.
Ich möchte intelligente, integere Politiker, die das Land und die Gesellschaft auf einem guten Weg voranbringen. Können Sie sich dazu kompetent äußern?

  • Antwort von Hans Nützel, Mittwoch, 14.Februar, 10:56 Uhr

    Ich vermute dass Herrn Scheuer selbst dazu die Kompetenz fehlt.

  • Antwort von Francesco, Mittwoch, 14.Februar, 11:07 Uhr

    Wenn man Scheuer - mit geschlossenen Augen und ausgeschaltetem Hirn - so zuhört, kommen einem die Tränen. Schaltet man allerdings das Hirn wieder ein und setzt die Realitätsbrille auf, wird daraus schnell Wut über die bodenlose Verarschung. Vermutlich setzt Söder jetzt noch einen drauf....

  • Antwort von klara, Mittwoch, 14.Februar, 11:18 Uhr

    Empfehle beiden,nach Oberammergau zu reisen,bei den Holzschnitzern sich einen Politiker schnitzen zu lassen.-Gerne hätte ich gesehen,wie der aussieht.
    Wissen Sie,immer nur auf die Politker zu schimpfen wird langweilig,gehen Sie doch selbst mal in die PolitikDazu haben Sie aber eines,nämlich keinen Hintern
    in der Hose

  • Antwort von Francesco, Donnerstag, 15.Februar, 10:00 Uhr

    @Hans Nützel
    Was Klara doch so alles weiß...:-))

Lohengrin, Mittwoch, 14.Februar, 09:50 Uhr

3. Das wird spannend

Söder will die AfD verbal angreifen? Das wird interessant, nachdem er inzwischen die AfD-Positionen übernommen hat. Vielleicht sind die gar nicht so schlimm?

  • Antwort von Rosl, Mittwoch, 14.Februar, 12:07 Uhr

    Lohengrin, da wird er halt die AfD schon heimlich "enttarnt" und festgestellt haben, daß deren Positionen so verkehrt nicht sind!

Didier, Mittwoch, 14.Februar, 09:15 Uhr

2. Abstoßend

Eine absolut überflüssige, widerliche Veranstaltung, die nur an niederste Instinkte apelliert. Politisch ist an dem sogenannten politischen Aschermittwoch nichts. Noch nicht mal ansatzweise etwas an Aschermittwoch Erinnerndes.
Ich wäre dafür, daß man an diesem Tag alle Politiker in einer großen Halle versammelt, ihnen einen Mundschutz aufsetzt und man ihnen aus vornehmlich armen Bevölkerungsschichten gehörig die Leviten liest und sie eindringlich auffordert, Buße zu tun. So daß ein wirklich ängstliches Beben durch ihr vom Lobbyismus durch und durch verdorbenes Gemüt geht. Und hoffentlich einen Sinneswandel erzeugt.
Stattdessen mandeln sich eitle selbstverliebte überhebliche so genannte Alphatierchen mit ihren ekligen Verbalrüpeleien auf und tun, als seien sie der Petrus am Himmelstor oder gar Gott selbst.

  • Antwort von Lela, Mittwoch, 14.Februar, 09:29 Uhr

    Didier, der Vorschlag ist gut!

  • Antwort von simmerl, Mittwoch, 14.Februar, 10:24 Uhr

    Der Vorschlag ist nicht gut,der ist mehr als gut, der ist SUPER.
    Laßt uns ihn verwirklichen !!!

  • Antwort von Kats, Mittwoch, 14.Februar, 10:58 Uhr

    Didier, einen großen Bus mieten, alle Politiker einsammeln, im Zelt auf dem
    Podium auf Kindergartenstühle setzen und los gehts.
    Zum trinken gibts für die Politikerschlingel saure Brause.
    Dafür dürfen sie kurz den Mundschutz abnehmen.
    Sie haben allerdings auch an meine niedrigsten Instinkte apelliert, ich oute mich.
    Ich bin dabei :-) !

  • Antwort von Peter, Mittwoch, 14.Februar, 11:34 Uhr

    Sie haben es auf den Punkt gebracht !!

  • Antwort von Earl fo Trudering, Mittwoch, 14.Februar, 11:44 Uhr

    Der Parlamentarismus darf sich weiter entwickeln, der Status Quo bedingt mehrheitsfähig.
    Ich bin mit ihrem Vorschlag einverstanden.

  • Antwort von Alois Steiger, Mittwoch, 14.Februar, 12:03 Uhr

    Da kann ich mich inhaltlich eigentlich nur voll und ganz anschließen.