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Wohnungsmarkt Immobilien-Wahnsinn in London

Vor einem Jahr brannte der Grenfell-Tower - Ursache waren nicht eingehaltene Brandschutzauflagen. Ist Wohnen in London für Normal- und Geringverdiener nicht nur fast unerschwinglich, sondern inzwischen potenziell sogar lebensgefährlich?

Stand: 14.06.2018

London, The City | Bild: picture-alliance/dpa

Bayern 2-radioWelt: Hat es für die mutmaßlich Verantwortlichen im Falle Grenfell Tower schon irgendwelche Konsequenzen gegeben?

Philipp Rode, Direktor, London School of Economics and Political Science: Bisher ist es immer noch in der Phase einer Kommission, die die Ergebnisse untersucht. Bisher ist mir nicht bekannt, dass Konsequenzen für individuelle Verantwortung gezogen wurden. Natürlich gibt es viele Konsequenzen im operativen und technologischen Bereich, wo man versucht, aus dieser Katastrophe zu lernen.

Bayern 2-radioWelt: Wo sind die obdachlos gewordenen Bewohner untergebracht?

Philipp Rode: Da gibt es eine Reihe von Optionen: Das fängt an mit sozialen Wohnungen in benachbarten Gegenden bis hin zu Hotels, die angemietet wurden, wo auch heute noch manche von den Bewohnern untergebracht sind.

Bayern 2-radioWelt: Wer kann es sich denn überhaupt noch leisten, in London zu wohnen?

Philipp Rode: Man muss grundsätzlich verstehen, dass die Marktprozesse, die einen Wohnpreis erzeugen, natürlich sehr viel damit zu tun haben, was für eine lokale Ökonomie vorhanden ist und welche Preise die lokale Gesellschaft bereit ist zu zahlen. Die Problematik, die diese Wohnpreise aufwerfen, ist, dass es Personen gibt, für die dieser Wohnungsmarkt nicht mehr erschließbar ist. Und da muss die Politik natürlich aktiv eingreifen.

Bayern 2-radioWelt: Den Superreichen kommt die Stadt ja sehr entgegen. Es gibt die sogenannten Eisberg-Häuser, wo die Betuchten extrem in die Tiefe bauen dürfen. Ist die Stadtverwaltung ähnlich hilfreich, wenn es darum geht, für Normalverdiener Wohnungen zu ermöglichen?

Philipp Rode: Zumindest ist es eine wichtige politische Agenda. Der jetzige Bürgermeister, Sadiq Aman Khan, wurde gewählt mit einem politischen Mandat, genau dieses Problem anzugehen. Der Konflikt ist aber viel grundlegender und geht durch die Mitte der Gesellschaft: ein Konflikt zwischen Personen, die Häuser besitzen in London - und das ist ungefähr die Hälfte - und Personen, die mieten. Dieser fundamentale Konflikt gilt für ganz Großbritannien.


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