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Schnäppchen aus dem Netz Online-Shopping in China: Was sagt der Zoll dazu?

Ein paar Klicks und die Schuhe sind gekauft – ganz einfach und schnell auch bei einem Online-Shop im Ausland. Doch nicht jedes Paket – vor allem eins aus dem Nicht-EU-Ausland – kommt direkt beim Besteller an. Dann ist häufig erstmal der Zoll dran.

Von: Maren Hellwege-Beck

Stand: 17.04.2018

Ein Klick. Und schon sind die Schuhe auf dem Weg, die Daunenjacke, die Powerbank. Sie kommen aus China. Und sind um einiges günstiger als in einem Geschäft in Deutschland oder bei einem der in Europa ansässigen Online-Portale. Doch nach einigen Tagen – oder manchmal auch erst Wochen – kommt oft die Überraschung. Ein Brief flattert ins Haus mit der Aufforderung, eine Sendung beim Zoll abzuholen.

Denn angekommen in Deutschland wird eine Sendung aus dem Nicht-EU-Ausland erst einmal überprüft. Fehlen gewisse Angaben auf dem Paket oder erscheint es verdächtig, stoppt es der Zoll. Es wird nicht direkt an den Empfänger ausgeliefert.

"Wenn da zig Pakete aus China kommen, sie alle sehr ähnlich aussehen und bei allen Geschenk angekreuzt ist, dann lässt das schon vermuten, dass es sich nicht wirklich um ein Geschenk handelt."

Thomas Meister Hauptzollamt München

Das sogenannte Risikomanagement übernimmt in Absprache mit dem Zoll DHL. Knapp 50.000 Sendungen wurden im vergangenen Jahr für den Münchner Zoll abgefangen.

Zeit mitbringen für die Abholung beim Zollamt – und Geld

Innerhalb von zwei Wochen muss die angehaltene Sendung beim Zoll abgeholt und somit das mit der  Bestellung in Fernost eventuell eingesparte Geld in Zeit investiert werden, in Anfahrtswege und Wartezeiten. Zwar kann man sich von der Deutschen Post AG vertreten lassen, doch diese Serviceleistung kostet.

Mitgebracht werden zum Zollamt müssen auf alle Fälle die Rechnung sowie andere geeignete Unterlagen, wie zum Beispiel der PayPal-Beleg. Vor Ort wird der Abholer aufgefordert, das Paket zu öffnen, der Inhalt begutachtet. Ist alles ok, müssen je nach Art und Wert der Ware Zoll und Steuern gezahlt werden. Dann kann man das Paket mitnehmen.

Achtung bei Fälschungen, Waren, die dem Artenschutz unterliegen…

Wird allerdings der Inhalt beanstandet, läuft es anders. Verstößt die Powerbank beispielsweise gegen die Produktsicherheit, wird sie entweder zerstört oder zurückgeschickt. Pech für den Verbraucher, das dafür bezahlte Geld ist meist verloren. 239 Sendungen wurden 2017 wegen Verstößen gegen die Produktsicherheit vom Zoll in München aus dem Verkehr gezogen.

Angesagte Markenturnschuhe für ein Zehntel des eigentlichen Preises, abgekupferte Markenuhren oder Markenkleidung, gefälschte elektronische Artikel namhafter Hersteller, hergestellt mit billigen Materialien und gen Westen geschickt. Auch das geht nicht durch den Zoll. 171 Sendungen mit gefälschten Artikel fielen den Münchner Zöllnern 2017 in die Hände. Die Ware wird gesammelt und meist zerstört. Und der Besteller der gefälschten Sachen?

"In aller Regel wird er nicht angezeigt. Eine Bestellung an sich ist nicht strafbar."

Stefan Kirsch, Generalzolldirektion

Ermittlungen bei Artenschutz-Verstößen oder Waffenfund

Anders liegt die Sache, wenn in dem Paket zum Beispiel Waffen oder Rauschgift gefunden wird. Oder Gegenstände, die gegen das Artenschutz-Gesetz verstoßen. Dann wird die Ermittlungsbehörde eingeschaltet und versucht zu klären, ob eine vorsätzliche Straftat vorliegt.

Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu mehreren Zehntausend Euro beziehungsweise Freiheitsstrafen von bis zu mehreren Jahren.


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