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Erfolgsrezepte unserer Nachbarn Österreichs Biobauern sind EU-Spitzenreiter

Mutterkuhhaltung, Freilandschweine, Dinkelanbau, Direktvermarktung, Besuchergruppen. Seit Jahren ist Österreichs Bio-Landwirtschaft innerhalb der Europäischen Union führend. Der Grund: Bioanbau wird schon lang gefördert. Doch Österreichs Öko-Aufstieg ist auch den Pionieren zu verdanken, jenen Bauern, die schon in den 1970er und 1980er Jahren Abschied von der konventionellen Landwirtschaft genommen haben.

Von: Clemens Verenkotte, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 14.02.2018

Seit der Regierungsbildung Mitte Dezember heißt das österreichische Landwirtschaftsministerium "Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus". Geleitet wird es von einer Biobäuerin, von der ÖVP-Politikerin Elisabeth Köstinger. Es sei eine "Verlogenheit", so Köstingers Kernüberzeugung, zu glauben, dass man für wenige Euro ein Kilo Fleisch kaufen und zugleich glauben könne, dass dieses Tier vorher glücklich auf der Weide gestanden sei.

Mehr Bio-Betriebe, mehr Bio-Projekte, mehr Bio-Produkte

Österreichs Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger ist selbst Biobäuerin

Frühzeitig, schon in den 1990er Jahren, förderten Österreichs Regierungen die biologische Landwirtschaft. Nationale Bestimmungen für eine biologische Produktion wurden festgelegt, noch bevor es die EU-Richtlinien dafür gab. Ein weiterer großer Meilenstein war, dass bereits Mitte der 90er Jahre der Lebensmitteleinzelhandel eingestiegen ist, um biologische Lebensmittel in den Geschäften zu platzieren. 2001 startete Österreich das erste Bio-Aktionsprogramm mit dem Ziel, die Größe der Bio-Flächen und den Absatz von Bio-Lebensmitteln zu erhöhen. Jetzt, für den Zeitraum von 2015 bis 2020, sieht das aktuelle Bio-Aktionsprogramm der Regierung nochmals eine deutliche Weiterentwicklung der biologischen Landwirtschaft vor: 150 Millionen Euro für Biobetriebe. Die Biobauern in Berggebieten erhalten ein Viertel der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete.

"Mehr Hirn pro Hektar" - die Erfolgsrezepte des österreichischen Nachbarn

"In den anderen Ländern haben die Landwirte einfach weit größere Flächen zu bewirtschaften. Das heißt, wenige Leute müssen viel Fläche bewirtschaften. Die ganze Energie, die sie haben, den ganzen Kopf sozusagen, stecken sie nur in diese Kulturführung rein. Ein Riesenvorteil ist bei uns in Österreich: Wir haben weniger Flächen und haben eigentlich mehr Hirn pro Hektar, was wir einsetzen, so dass wir ein wenig findiger sind und fortschrittlicher."

Leo Zauner, Biobauer aus Niederwaldkirchen

Allein im Bundesland Salzburg werden 50 Prozent der Agrarfläche biologisch bewirtschaftet. Im Pinzgau sind es sogar 80 Prozent aller Flächen, die von Bio-Bauern bewirtschaftet werden. Doch in den 1970er Jahren herrschten auch in Österreich Vorbehalte in Sachen biologische Landschaft.

"Man wurde als Sekte abgetan. War natürlich ganz gegen den Geist der Zeit damals. Es ging nur um Produktion. Man musste Lebensmittel machen, obwohl schon in den 70ern Überproduktion da war. Meine Großeltern haben aber gemerkt, dass sich vieles verändert und haben diesen Weg eingeschlagen."

Sebastian Herzog, Biobauer aus Leogang

Doch auch Brüssel hilft

Wichtiges Standbein Direktvermarktung: Die Auslagen im Dorfladen Leogang. Hier werden regionale Bio-Produkte angeboten.

Doch auch in Österreich kommen die Biobauern nicht ohne EU-Subventionen aus. Die Preise, die Bio-Höfe nehmen müssten, würden sie nicht von Brüssel gefördert, wären zu hoch und damit nicht konkurrenzfähig. Deshalb stellt auch die Direktvermarktung ihrer Bio-Erzeugnisse vor allem für die kleineren Höfe oftmals eine unverzichtbare Einnahmequelle dar. Was die Zukunft der biologischen Landwirtschaft angeht, sind die Bauern zuversichtlich, auch weil sich das Verbraucherverhalten in den beiden vergangenen Jahrzehnte erheblich gewandelt habe.

"Wenn nichts weggeschmissen wird, dann kauft man eigentlich nicht teurer ein."

Eva Rainer, Direktvermarkterin mit Hofladen in Leogang

Blick in die Statistik: Österreichs Biolandwirtschaft ist führend in der EU

Grafik: Agrarstruktur in der Europäischen Union (2013)

In den letzten Jahren hat sich der Biosektor in der EU stark vergrößert. Nach Angaben des EU-Statistikamtes Eurostat wurden 2011 in den damals noch 27 EU-Ländern insgesamt 9,6 Millionen Hektar Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet. 2002 waren es erst 5,7 Millionen Hektar.

Ein Blick in den Eurostat-Bericht vom Oktober 2016 (neuere Zahlen liegen dem Eurostat nicht vor) über den ökologischen Landbau zeigt, dass 2015 in Österreich 552.000 Hektar, das sind 20 Prozent der gesamten Anbauflächen, ökologisch genutzt wurden. Es folgten Schweden mit 17 Prozent und Estland mit 16 Prozent. Deutschland lag 2015 bei 6,3 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche; in absoluten Zahlen sind das allerdings eine Million Hektar. In Regionen mit Ebenen, in denen intensive Landwirtschaft vorherrscht, ist "die Bedeutung des ökologischen Sektors im Allgemeinen geringer", heißt es noch anmerkend im Eurostat-Bericht vom Oktober 2016.

Linktipps

Österreich, Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
Stichwort: Biologische Landwirtschaft
Zur Webseite

Deutschland, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Stichwort: Biologischer Landbau
Zur Webseite

EU-Kommission, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung
Stichwort: Biologische Landwirtschaft, Daten und Statistiken
Zur Webseite


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