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Tarifverhandlungen Öffentlicher Dienst: Entscheidende Tarifrunde beginnt

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst gehen heute in die wohl entscheidende Phase. Arbeitgebervertreter und Gewerkschaften haben ihren Willen unterstrichen, zu einem Abschluss zu kommen. Zuletzt hatte es erste Annäherungen gegeben.

Stand: 16.04.2018

15.04.2018, Brandenburg, Potsdam: Kurz vor dem Start der dritten Verhandlungsrunde im Tarifstreit für den öffentlichen Dienst treffen Innenminister Horst Seehofer (CSU,r) und der Frank Bsirske (l), Vorsitzender von Verdi, zu den Verhandlungen ein. Bisher lehnen die Arbeitgeber die Gewerkschaftsforderungen nach sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro, ab. Es geht um 2,3 Millionen Beschäftigte bei Kommunen und beim Bund. | Bild: dpa-Bildfunk/Ralf Hirschberger

Nachdem es zuletzt in den Tarifgesprächen immer noch Differenzen gab, sollen heute bis zum Mittag Arbeitsgruppen Annäherungsmöglichkeiten ausloten. Dann sollen sich die Verhandlungsführer wieder treffen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erklärte, in Einzelfragen für die künftige Bezahlung habe es Entgegenkommen gegeben. Erste Fortschritte seien zu verzeichnen. Er betonte, die Materie sei kompliziert. Die Verhandlungsatmosphäre in Potsdam ist laut Seehofer haber recht gut.

Seehofer: Gute wirtschaftliche Situation in Deutschland

Seehofer sagte, die Beschäftigten hätten ein Recht auf Teilhabe an der guten wirtschaftlichen Situation in Deutschland. Verdi-Chef Frank Bsirkse betonte, es gebe einen Handlungsbedarf bei unteren und mittleren Entgeltgruppen.

"Wir haben uns ein Stückchen nach vorne bewegt. Aber es muss noch viel gerechnet werden." Horst Seehofer, Bundesinnenminister

Sechs Prozent mehr Lohn

Vor allem in der Höhe und in der Struktur eines Tarifabschlusses gibt es nach Darstellung von Gewerkschaften und Arbeitgebern noch unterschiedliche Positionen. Entscheidender Punkt der Verhandlungen bleibt die Forderung nach 200 Euro mehr monatlich für jeden Tarif-Beschäftigten.

Die Gewerkschaften fordern sechs Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, mindestens aber 200 Euro pro Monat. Auszubildende sollen 100 Euro mehr erhalten und übernommen werden. Die Arbeitgeberseite hat die Forderungen bisher als unrealistisch zurückgewiesen und in den ersten beiden Runden kein Angebot vorgelegt.


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al.lu, Montag, 16.April, 16:12 Uhr

12. Sechs Prozent pro Jahr mindestens - Großstädte Sonderzonen mit plus 2%

Du hast ein Studium: Betriebswirtschaft, Pädagogik, Ingenieurwesen, Rechtswissenschaften oder Soziologie usw. mit Erfolg studiert
Deinen Job hast Du in München, schon seit vielen Jahren.
Beim Bund fehlen spezifische Vergütungen, differenziert nach Standort, wie es fast alle Großunternehmen anbieten.
Die Vergütung wird jedes Jahre traurig und speziell in den Großstädten. Kennt ihr die Münchner Mieten?
Nachdem seit Jahrzehnten unter der Inflationsrate vergütet wurde, liegt der Rückstand der Arbeitnehmer/innen mindestens zwischen 30% - 60% .
Höchste Zeit zu reagieren.


Nürnberger, Montag, 16.April, 11:59 Uhr

11. faire Bezahlung

zu Erik / Andy N / Zustimmer: Auch die Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst haben eine faire Bezahlung verdient. Aber das vierfache der Inflationsrate ist schon eine sehr üppige Forderung. Und was haben die Arbeitnehmer davon, wenn alle Löhne / Gehälter um 6% angehoben werden und in der Folge auf das Preissteigerungsniveau um diese Größe oder mehr steigt? Richtig, gar nichts. Deshalb moderate Lohnerhöhung bei niedriger Inflation ist mehr.
Außerdem zu Zustimmer: Ich kenne viele Dienststellen im öffentlichen Dienst, die sich bei Stellenausschreibungen um Ingenieurstellen keine Sorgen um Bewerber machen müssen. Die kriegen immer noch Nachwuchs

Und abschließend ist noch anzumerken, dass alle Arbeitnehmer im Laufe der Zeit durch Höhergruppierungen mehr bekommen, also kein Berufserfahrener zum Einsteigergehalt arbeitet. Die Würdigung der Arbeitsleistung erfolgt also nicht über die Prozente

  • Antwort von Nicht-Zustimmer, Montag, 16.April, 12:39 Uhr

    @ Nürnberger
    Haben Sie das System - Forderung und Angebot - nicht verstanden ?
    Warum geisseln Sie nicht die Arbeitgeber ?
    Diese Angebote sind nie hinnehmbar !
    Sollen die Gewerkschaften mit einem oder zwei Prozent einsteigen ?
    Was kommt dann wohl heraus ? Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von Joh, Montag, 16.April, 13:06 Uhr

    Die Inflationsrate lag allein bei 1,8% im letzten Jahr, die Produktivitätssteigerung 2,2%, macht in Summe ein BIP-Plus von 4%, die irgendwie verteilt wurden. Darauf folgte nun in der Metall-/Elektroindustrie ein Aufschlag von - alle prozentualen, betragsmäßigen (dauerhafte Sonderzahlung) und Arbeitszeitverkürzung zusammen gerechnet - im Mittel 8% Mehrkosten für die Arbeitgeber in 2 Jahren. Das ist zu verkraften, auch in der mittlerweile bestbezahlten M+E Industrie - aber wenn die anderen Branchen auf deutlich geringeren Niveaus auch noch mit weniger Prozenten aus den Tarifrunden gehen, geht die Einkommensschere auch immer weiter auseinander. Die Einkommensschere wie Armutsgefährdungsquote sind in Deutschland mittlerweile weitgehend nicht mehr eine Frage der Ausbildung und Tätigkeit, sondern der Branche und der Firma in der man arbeitet.

  • Antwort von Oliver M., Montag, 16.April, 13:22 Uhr

    Üppigen Kostensteigerungen in Form von legalem Wucher bei Wohnkosten oder Eigenverantwortung für Gesundheit oder Rente stehen halt zwangsläufig üppige Gehaltsforderungen gegenüber! Offensichtlich gehören Sie aber zu den Gutverdienenden. Damit kennen Sie viele aus kleinen Gehältern resultierende Probleme natürlich nicht.

    Wer Gehaltserhöhungen in dieser Größenordnung sicher nicht braucht, das sind gut bezahlte Ingenieure...

Michael D., Montag, 16.April, 11:52 Uhr

10. Oh ja, das beschäftigt uns natürlich...

Es ist schon merkwürdig - zu der seltsamen Anzeige kann man nicht bloggen, auch nicht zum Thema der Segnung homosexueller Paare. Ein Schelm, wer da nichts Arges dabei denkt...

  • Antwort von Immer wieder :(, Montag, 16.April, 12:40 Uhr

    Themaverfehlung !

Uboginum, Montag, 16.April, 11:41 Uhr

9. warum immer prozentuale Steigerungen?

Die Forderung von 6% mehr ist für die niedrigen Besoldungsstufen sicher nicht übertrieben - vor allem in Ballungsräumen - dagegen tut man sich wohl schwer, einen Mehrbedarf von 6% bei einem Studiendirektor (A15) zu rechtfertigen.
Wesentlich gerechter fände ich eine pauschale Erhöhung, um die Geringverdiener besser zu stellen - mit dem aktuellen System öffnet sich die Schere immer weiter...

  • Antwort von Truderinger, Montag, 16.April, 12:21 Uhr

    In der Theorie richtig, aber in der Praxis schwer umsetzbar. Wie wollen Sie für jede Besoldungsstufe separate Tarifverhandlungen führen?

  • Antwort von Joh, Montag, 16.April, 13:21 Uhr

    @ Truderinger:
    Das geschieht außerhalb des öffentlichen Dienstes und mit steigendem Anteil. Während im ö.D. nur nach Tarif bzw. Gesetz bezahlt werden darf (deswegen sind auch alle Leitungsposten abgebildet), bekommen die Arbeiter in anderen Firmen gar nicht mit, was Ihre Vorgesetzten sich im übertariflichen Bereich für Gehälter und Gehaltssteigerungen aushandeln, eher noch einen Teil der Entgeltumwandlung (z.B. Steuersparmodell Dienstwagen zur Privatnutzung). Fakt ist, dass die Gehaltssteigerungen über den gesamten übertariflichen Bereich in der Wirtschaft regelmäßig höher liegen als die tariflichen Zuwächse. Also verhandeln Gutverdiener im Durchschnitt für sich wohl besser als die Gewerkschaften für eine Menge...

M.A., Montag, 16.April, 11:29 Uhr

8. Warum immer nur %-Erhöhung

Gerade beim öffentlichen Dienst sind die Gehaltsunterschiede so hoch, dass nicht jedes Jahr um %-Erhöhungen gekämpft werden muß.
Da kommen bei einer Krankenschwester oder bei einem Pfleger ca. 80-100 € an, bei den höheren Dienstgraden sowie bei den Beamten (die sich ja immer an den Abschluss anhängen) im Schnitt 200€ an. Somit wird die Verdienst-Schere immer größer.

  • Antwort von Fakt, Montag, 16.April, 12:53 Uhr

    Fakt ist leider, dass in der Wirtschaft noch deutlich weitere Lohnspreizungen als im öffentlichen Dienst gelten. Da wären zuerst mal die Industriegewerkschaften aufgerufen, ihre Spreizung/Schere zwischen unteren und oberen Gehaltsempfängern zu verringern - aber dort geht es eben weit über eine Tariftabelle hinaus - wie bei Konzernen wie Siemens, MAN, Conti wo der Anteil der übertariflich vergüteten Mitarbeitern außerhalb der Produktion immer weiter steigt (so Personalsachbearbeiter dort übereinstimmend).
    Und zum Thema Beamte: die gibt es in allen Qualifikationsstufen und folglich auch mit Bruttogehältern von 1.800 EUR (vor Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung). Da kämen auch bei 3% nicht mehr 54 EUR brutto raus, und das netto geht oftmals weitgehend in diese private Kranken- und Pflegeversicherung. Sowohl mein Vater als auch mein Bruder sind Beamte, aber ich habe mit da aus finanzieller Sicht eines MAN-Mitarbeiters eher Mitleid als irgendwelchen Neid auf deren Sicherheit...