60

Knapp 5.000 Leihfahrräder weniger Obike sammelt heute seine Räder in München ein

Der Leihfahrrad-Anbieter Obike beginnt heute damit, einen Großteil seiner Flotte aus München abzuziehen. Künftig sollen in der Landeshauptstadt nur noch 1.000 statt 6.800 Räder stehen. Das Unternehmen stand zuletzt mehrfach in der Kritik.

Von: Jasper Ruppert

Stand: 04.04.2018

Leihfahrräder der Firma Obike liegen an der Theresienwiese in München am Boden. | Bild: BR/Günther Rehm

Eine Erfolgsstory geht anders: Innerhalb kurzer Zeit war München voll mit den gelben Leih-Rädern – und fast genauso schnell wurden sie zum Ziel von Vandalismus. Obikes in der Isar, in Baumwipfeln, an Laternen gehängt, kopfüber oder in Einzelteile zerlegt: Wer in den sozialen Medien nach dem Hashtag #sadobike sucht, merkt schnell, dass es keine Liebesbeziehung zwischen den Münchnern und den gelben Rädern ist.

Das Unternehmen aus Singapur hat inzwischen reagiert. Heute beginnt Obike damit, den Großteil seiner Räder in München wieder einzusammeln. Statt 6.800 sind dann nur noch knapp 1.000 in der Stadt. Ob das bei vielen die Freude an der Zerstörung nimmt, bleibt abzuwarten.

Zu hohe Wartungskosten in München

Obike will die eingesammelten Räder auf andere Städte verteilen. In Deutschland stehen die gelben Räder noch in Berlin, Frankfurt am Main und Hannover. Der Grund für den Abbau in München: Der ständige Vandalismus und die damit verbundene Wartung hätten dafür gesorgt, dass sich der Standort nicht mehr rentiere.

Der Abzug der Obikes bedeutet allerdings auch, dass München sein Ziel bei den Leihrädern verfehlt. Bis zum Jahresende sollten 12.000 von ihnen in der Stadt stehen. Mit den Rädern von MVG und Deutscher Bahn sind es aber nur ungefähr die Hälfte.

Viele Münchner wird der Abzug dennoch freuen, da sie von den herumliegenden Fahrrädern genervt sind. Andere, die die Räder nutzen, klagen häufig über den schlechten Zustand. Aber nicht nur deswegen steht der Anbieter in der Kritik.

Datenleck bei Obike

Eine BR-Recherche hatte im Dezember ergeben, dass Namen, Profilfotos und Bewegungsmuster der Nutzer mindestens zwei Wochen für jeden online abrufbar gewesen waren.

Laut Obike war ein Serverumzug aus China nach Europa für die Sicherheitslücke die Ursache. "Da es sich bei der Schwachstelle nur um die Sharing-Funktion handelte, waren maximal 100 Nutzer in ganz Deutschland betroffen", teilte das Unternehmen mit. Binnen einer Woche sei das Problem behoben worden.

Diese Sicherheitslücke sorgte auch dafür, dass sich die Berliner Datenschützer mit dem Unternehmen auseinandersetzen. "Es wird ein Prüfverfahren eingeleitet. Dieses Verfahren ist ergebnisoffen", sagte ein Sprecher der Berliner Datenschutzbeauftragten. Die Behörde will von Obike wissen, welche Kunden betroffen waren und ob sie vom Datenleck wussten.

Stadt München gibt Leitfaden heraus

Die Stadt München hat auf das Chaos mit den gelben Rädern inzwischen reagiert und einen Leitfaden für Fahrradverleiher herausgegeben. Empfehlungen und Richtlinien sollen ähnliche Zustände wie mit den Obikes verhindern. Anbieter sollen beispielsweise nur noch fünf Räder pro Standort aufstellen.

Die Unternehmen sind auch aufgefordert, die Kunden besser über Abstellmöglichkeiten zu informieren. Zudem gibt es Fristen, wie lang ein unbenutztes oder beschädigtes Rad öffentlich stehen darf. Der Leitfaden richtet sich aber auch an die Nutzer: Sie sollen die Räder bitte nicht in Parks, auf Gehsteigen oder – auch schon passiert – in Rettungswegen abstellen.

Reiter fordert Gesetz für Leihfahrräder

Wenn es nach Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter geht, soll dieser Leitfaden Basis für ganz Bayern werden. In einem Brief an das bayerische Innenministerium fordert er, dass die Richtlinien Teil eines bayerischen Gesetzes für Fahrradverleih werden.

Bis das soweit ist, wird wahrscheinlich noch das eine oder andere Obike die Isar hinabfließen.


60

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Thor, Sonntag, 15.April, 13:15 Uhr

5. Selbst Schuld Obike: Am teuersten und schlechtesten und GPS Tracking der Fahrt

79€ Kaution und 1€ pro halbe Stunde oder 5€ oder 10€ pro halbe Stunde bei entsprechende Strafpunkten fürs falsch abstellen, es gibt KEINEN Tagessatz!. und das für ein 50€ Fahrrad mit Vollgummireifen und einem Gang. Die Obikes haben KEIN GSM Modul, der Mieter überträgt den Standort mit seinem Smartphone inclusive der GPS Daten der gesamten Fahrt (Deshalb findet man die Bikes nicht wenn Sie jemand weggestellt hat).
Dagegen kostet das CallaBike immer 1€ die1/2 Stunde (max 12 Tag), die MVV Räder 5 cent in der Minute (max 12€/Tag). Beide haben ein GSM Modul und übertragen NUR den Abstellstandpunkt. "Obike ist gesetzlich nicht verpflichtet, an einem Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen. Da Schlichtungsstellen kostenpflichtig sind, nimmt Obike auch im wohlverstandenen Kosteninteresse des Kunden nicht freiwillig an einem Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teil.CallaBike und MVV Rad machen das Natürlich. selbst Schuld

Wolfgang, Mittwoch, 04.April, 16:13 Uhr

4. Feste Standplätze, gibt es in vielen Ländern für Leihräder.

Zurückgegeben und damit abgeschlossen könenn die nichtmehr weggetragen werden.

2. Ein zumindestens deutschlandweites, besser für die ganze EU, einheitliches Buchungs- und Aussleihsystem. Egal ob Deutsche Bahn, Stadt Innsbruck, Touristik Amsterdam oder Kurverein St-Peter-Ording der Anbieter ist.

Moderne GSM-basierte Datentechnik würde es auch möglich machen Personen OHNE Smarttphone Ausleihvorgänge zu ermöglichen, z.B. Verkauf im Touristikbüro von "Rubblellosen" mit einem Code für einen einmaligen Ausleihvorgang. Indentifikation und bar bezahlt und gut ist.

Anton M., Mittwoch, 04.April, 16:10 Uhr

3. Gute Idee, aber....

... es gilt leider das Prinzip
Was nichts kostet ist auch nichts wert!
Schade das dieses Experiment nicht funktioniert hat.

Blechmann13, Mittwoch, 04.April, 15:41 Uhr

2. Traurig,...

aber leider Realität, bzw. "menschlich".

Mit dem, was dem "Individuum" nicht gehört, bzw. nicht selbst bezahlt hat, geht er nicht, oder zumindest weniger, pfleglich um...
Deshalb wird unkontrolliertes "Sharing", egal ob Fahrrad, oder Auto, auch nie wirklich funktionieren...und das Prüfte/Kontrollieren, wer was beschädigt, oder über Gebühr beansprucht hat, ist auf Dauer zu teuer.

mfg

FranzX, Mittwoch, 04.April, 15:28 Uhr

1. Respekt

Kein Respekt vor fremden Eigentum ist hier das Problem der Münchner. Eine Gute Idee die auch noch die Umwelt schützt. (Lärm, Abgasfrei, Staus, etc)
Find ich sehr, sehr schade.
Dazu braucht es auch kein gesetzt für Fahrradverleih. Die verwahrloste Gesellschaft ist hier schuld. Wären es Leihfahrzeuge eines Automobilherstellers würden sicher gleich wieder Steuergelder locker gemacht.

  • Antwort von X 5 heinz, Mittwoch, 04.April, 18:58 Uhr

    Kein Respekt , genau Richtig, aber das ist allgemein ein Problem in München.

    Bin seid 3 Jahren in Andernach bei Koblenz, habe es nicht bereut hierher zu ziehen !

    Gruss vom Rhein

  • Antwort von Jörg Bermann, Samstag, 07.April, 09:07 Uhr

    Argument Umwelt hin oder her! Verantwortlich ist die Firma Obike aus Singapur. Ganz München wurde mit den Obikes einfach zugemüllt. In Singapur hätte es so etwas nicht gegeben. Da wäre die Firma hart bestraft worden. So hat der Münchner Bürger einfach selbst reagiert. Und das ist richtig so. Die Firma wollte schnell cash machen. Das war nicht zu übersehen. Kein Schonen der Umwelt, sondern überall Errichten von Unfallquellen und rücksichtsloser Umgang mit dem Stadtbild durch diese Firma aus Singapur. Eben chinesisch-asiatischer Raubtierkapitalismus!!