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Kabinettsbeschluss Regensburger Studierende wollen sich gegen Kreuze an Uni wehren

Studierende der Universität Regensburg haben mit Unverständnis auf den Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder reagiert, künftig in öffentlichen Gebäuden Kruzifixe aufzuhängen. Verantwortliche müssten mit Widerstand der Studierenden rechnen. Auch von der Opposition gibt es Kritik.

Von: Markus Ehrlich

Stand: 24.04.2018

Hörsaal  | Bild: picture-alliance/dpa

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will bald in allen öffentlichen Gebäuden Kruzifixe aufhängen lassen. Nach den Worten von Söder sei das ein Bekenntnis zur bayerischen Identität und christlichen Werten.

Von Oppositionspolitikern aus Niederbayern und der Oberpfalz kommt Kritik: SPD-Generalsekretär Uli Grötsch aus Waidhaus sagte, Bayern solle eine Heimat für alle sein, unabhängig vom Glauben. Grünen-Landesvorsitzende Sigi Hagl aus Landshut erklärte, es würde der christlichen Verantwortung eher gerecht werden, Barmherzigkeit und Nächstenliebe im politischen Alltag vorzuleben.

Studierende gehen auf die Barrikaden

Das Vorhaben verärgert Studierende aus Regensburg. Die Hochschule sei ein säkularer, weltoffener Raum für alle Religionen, sagte der Studentensprecher Tarek Carls dem Bayerischen Rundfunk am Dienstag.

"Wir leben auf dem Campus eine Kultur der Diversität. Für mich besteht absolut nicht der Bedarf, eine Religion zu bevorzugen."

Tarek Carls, Studentensprecher Universität Regensburg

Bis hin zum zivilen Ungehorsam

Studentensprecher Tarek Carls

Sollte beschlossen werden, dass an der Regensburger Uni ein oder mehrere Kruzifixe aufgehängt werden, müssen die Verantwortlichen mit Widerstand der Studierenden rechnen. Dieser könne auf vielfältige Art geäußert werden, sagte der Sprecher. Notfalls können Aktionen bis hin zum zivilen Ungehorsam gehen. "Weil wir diese Dinger einfach nicht aufhängen werden."

Söder will seine Ankündigung wahr machen und in allen Dienstgebäuden staatlicher Behörden Kreuze aufhängen lassen. Laut Innenministerium gilt für Universitäten faktisch eine Empfehlung, keine Verpflichtung.


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Johannes Bucka, Montag, 30.April, 18:04 Uhr

44. Das Kreuz gehört in die Kirche - das Logo sollte erneuert werden

Unis, Schulen und Behörden sind für alle Menschen da. Da gehören keine Symbole einer einzigen Religionsgemeinschaft hin. Dafür ist keinerlei Spielraum.

Die Zeit, in der der Staat oder andere Obrigkeiten seinen Bürgern vorschreiben darf, welche Bilder und Symbole er aufzuhängen hat oder ertragen soll, ist hoffentlich endgültig vorbei. Ich kann mich noch erinnern, wie Erwachsene mir vorschreiben wollten, welche Länge mein Haar haben darf, welche Schuhe o.k. sind, dass Mädchen gefälligst nur mit Rock das Haus verlassen dürfen. Wer dahin zurück will, der sollte mit großem Widerstand rechnen müssen.

Vielleicht sollten die Christen nach 2000 Jahren aber auch mal grundsätzlich über ein neues Logo nachdenken anstatt weiter auf das Kreuz, ein Werkzeug der Hinrichtung und Unterwerfung zu setzen. Die Franzosen haben nach der Revolution ja auch nicht das Schafott als Symbol des Aufbruchs gewählt sondern Marianne mit der Freiheitsfahne.

Michael Lexa, Donnerstag, 26.April, 08:47 Uhr

43. Versus Kreuz in öffentliche Gebäuden

Lieber Herr Tarek Carls
Machen Sie sich wegen der Kreuze in öffentlichen Gebäuden keine Sorgen. Menschen glauben an Jesus Christus , seinen Tod und seine Auferstehung, ob die Kreuze in öffentlichen Gebäude hängen oder nicht und es gibt Menschen, die glauben nicht an Jesus Christus auch wenn Kreuze in öffentlichen Gebäuden hängen.
Kreuze aufhänge ist eine Wertschätzung gegenüber unserem Schöpfer Gott, den Vater und seinem Sohn Jesus Christus und zeigt in welchen Land wir leben.
Lassen Sie auch der Obrigkeit des Landes Bayern die Freiheit ihre Haltung und Respekt gegenüber Gott Ausdruck zu verleihen, es wird Ihnen auch nicht schaden, ganz im Gegenteil.
Schön´n Gruß aus Schwandorf von
Michael Lexa

  • Antwort von Lucas von Beckedorff, Donnerstag, 26.April, 11:37 Uhr

    Lieber Herr Lexa,
    seit wann zeigen Kreuze in welchem Land wir leben? Habe ich was verpasst oder gibt es in Deutschland eine Staatsreligion? Ob jemand an Gott glaubt oder nicht - da gebe ich Ihnen Recht - daran werden die Kreuze in öffentlichen Gebäuden nichts ändern. Aber: Der Staat ist seinerseits zur Neutralität gegenüber allen Religionen und auch Atheisten - gemäß der in Art. 140 des Grundgesetzes definierten Bestimmungen - verpflichtet.
    Die CSU instrumentalisiert das Kreuz um Menschen anderen Glaubens auszugrenzen. Und nein: Das Kreuz ist kein Identitätszeichen irgendeines Staates, sondern nunmal ein christliches Symbol. Gerne lege ich Ihnen hierzu ein paar Meinungen der katholischen Kirche nahe. (...)

    Mit freundlichem Gruß in meine Oberpfälzer Heimat
    Lucas von Beckedorff Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Barbara, Mittwoch, 25.April, 21:58 Uhr

42. "Das Kreuz ist mein Buch!"

Das sagte kein Geringerer als der Hl. Bruder Konrad aus Altötting, als er über seine "Wissenschaft" befragt wurde. Bruder Konrad (1818-1894) ging jeden Sonntag zu Fuß zwanzig Kilometer in die Kirche und wieder zurück.

  • Antwort von Blechmann13, Donnerstag, 26.April, 08:02 Uhr

    Und was wollen sie damit sagen?
    Das er ein sehr "gläubiger" Mensch war?

    Schon möglich, aber es war SEIN, ganz persönlicher Glaube, und wenn er anstatt einer Tapete in seiner Wohnung, nur Kruzifixe hat hängen hatte, auch gut.
    Das hätte ihm aber noch lange nicht das Recht gegeben, anderen seinen Glauben aufzudrängen, und Tapeten, oder das Pferd und die Kutsche verbieten zu lassen, damit sie es ihm gleichtun.. ^^

    mfg

dana, Mittwoch, 25.April, 18:15 Uhr

41. Kreuzzwang

Wer keine Kreuze mag, soll sich verpissen aus Deutschland !!!

  • Antwort von Mediator, Mittwoch, 25.April, 19:54 Uhr

    @dana:
    Wenn man der Meinung ist, dass man alle primitiven Äußerungen schon einmal gehört hat, dann kommt jemand wie sie daher und belehrt einen eines besseren.

    Warum noch mal lieben sie Kreuze? So wie sie sich ausdrücken kann es ja nicht die christliche Lebenseinstellung sein.

    Wohin sollen sich denn bitte Deutsche "verpissen" die nicht mit ihnen übereinstimmen? Vermutlich haben sie selbst über diese erste Konsequenz ihrer Forderung nicht einmal nachgedacht.

    @BR.DE: Muss mann so etwas wirklich freischalten?

  • Antwort von Barbara, Mittwoch, 25.April, 21:51 Uhr

    Wozu braucht man hier einen "Mediator"? Das Kreuz selbst ist der wahre "Vermittler" zwischen den Menschen und Gott!

  • Antwort von Blechmann13, Donnerstag, 26.April, 08:12 Uhr

    @dana

    Dann hätten wir sicher bald kein Wohnungsproblem mehr...wäre ja auch nicht schlecht...^^

    Die Religion gehört raus aus dem Staat, und zwar jede Religion!
    Wenn ihnen das alles so wichtig ist, dann suchen sie sich eine fundamentalistische "christl. Sekte" in Amerika, oder wo anders.
    Mal sehen, wie lange es ihnen dort, als "emanzipiert geprägte Frau", dort gefallen würde...^^

    mfg

Liberdade, Mittwoch, 25.April, 18:06 Uhr

40. Falsche Prioritäten

Fein - aber wenn es in der Uni keine Kreuze geben soll, dann ist Herr Carls hoffentlich auch für einen kompletten Bann des Hidjabs, eines Symbols von Frauenverachtung und zugleich eine massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Frauen?
Ich bin Agnostikerin, sehe aber wirklich schlimmere Gefahren für die Freiheit und Weltoffenheit in Bayern als ein Kreuz an der Wand. Obwohl ungläubig, finde ich mit am sympathischsten am Christentum die Identifikation mit den Armen, Schwachen, Unterdrückten. Das Kreuz ist ein Symbol davon und erinnert daran, daß der Religionsbegründer nicht mit Pomp daherkam, sondern als ein Underdog, der aufgrund seines Bekenntnisses verfolgt und ermordet wurde. Gerade in der heutigen aufgeklärten Zeit steht das Kreuz für mich selbstverständlich nicht für all die Perversionen wie Inquisition, Kreuzzüge etc.,nicht für den Machtapparat Kirche, sondern für friedlichen Umgang mit dem Nächsten.

  • Antwort von Mediator, Mittwoch, 25.April, 21:19 Uhr

    @Liberdade:
    Mir wäre neu, dass jemand in einer Universität einen Hidjab an die Wand gehängt hat um damit irgend etwas auszudrücken.

    Sie versuchen im übrigen einer konstruktiven Diskussion auszuweichen, indem sie das Thema verlagern. Hier geht es jedoch nicht um die persönlichen Kleidungsvorlieben von Menschen und ob man darauf von Seiten des Staates einwirken sollte, sondern um die Verordnung Söders Kreuze in öffentlichen Einrichtungen aufzuhängen.

    Mir wäre neu, dass sich irgend jemand darüber beschwert hat, dass Studenten als Ausdruck der persönlichen Religiosität oder Kultur Kreuze, Kipas oder Kopftücher tragen. Vielleicht überlassen sie es der jeweiligen Frau was sie anziehen möchte. Minrock und Schlauchtop sind sicherlich auch nicht jeder Frau angenehm, auch wenn sie damit in ihren Augen wohl die Emanzipation der Frau ausdrücken. Vielleicht sollte man akzeptieren, dass neben der Mode auch kulturelle Prägungen die Kleidungswahl beeinflussen.