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Regensburg Numerus-Clausus-Debatte: Arzt werden - auch ohne Einserschnitt?

Wer Arzt werden will, braucht im Abitur Bestnoten. Diesen sogenannten Numerus Clausus, also die Note, um zum Medizinstudium zugelassen zu werden, überprüft derzeit das Bundesverfassungsgericht. In Regensburg würden Ärzte und Studenten ein Ende des NC begrüßen.

Von: Andreas Wenleder

Stand: 27.10.2017

Ein Arzt hält in einem Behandlungszimmer in seiner Praxis ein Stethoskop in der Hand, mit der anderen Hand bedient er eine Computertastatur.    +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk/Marijan Murat

Aktuell brauchen Medizinstudenten, die in Regensburg studieren wollen, einen Abiturschnitt von 1,0. Nur die besten Schüler kommen also an die Hochschule. Ungerecht, finden viele Studenten, weil man an einer Schulnote nicht sehen könne, ob aus dem Menschen später ein guter Arzt werde, so der Tenor.

Medizinische Vorkenntnisse zählen kaum

Medizin-Student übt Blut-Abnehmen

Die Durchschnittsnote im Abitur ist für Mediziner besonders wichtig. 20 Prozent der Studienplätze werden direkt durch die Abiturnote vergeben. Weitere 20 Prozent nach einer langen Wartezeit. Immerhin 60 Prozent vergeben die Unis selbst, doch auch hier ist ein guter Abi-Schnitt entscheidend. Eine medizinische Ausbildung, soziales Engagement oder ein gutes Ergebnis im sogenannten Medizinertest können die Abi-Note nur leicht aufbessern. Schon mit einer 1,5 rückt das Wunschstudium in weite Ferne.

Keine individuelle Auswahl möglich

Trotzdem könne man das System momentan nicht einfach ändern, sagt Professor Bernd Salzberger, der an der Uni-Klinik Regensburg die Ausbildung der jungen Ärzte leitet. Für eine individuelle Auswahl fehle die Kapazität. Auf 10.000 Studienplätze kämen laut Salzberger 40.000 Bewerber. Die alle persönlich zu überprüfen, wäre schlicht nicht möglich. Außerdem habe sich das bisherige System bewährt.

"Ich glaube, unsere derzeitigen Studenten werden gute Ärzte. Das größere Problem ist, ob jemand bei dem jetzigen System hinten runterfällt, der auch ein guter Arzt werden würde, der aber auch aufgrund des Numerus Clausus nie, oder nur nach sieben Jahren Wartezeit zum Studienplatz käme."

Professor Bernd Salzberger

Gerade diese verhinderten Ärzte würden aber dringend gebraucht, sagen viele Gegner des NC. Doch allein durch die Abschaffung des NC werden nicht automatisch mehr Mediziner-Studienplätze geschaffen, meint Salzberger.

Soziale Aspekte sollen berücksichtigt werden

Die Auswahlkriterien sollten trotzdem soziale Aspekte stärker berücksichtigen. Das fordert zum Beispiel der Neutraublinger Arzt Heribert Szika, der auch im Ärztlichen Kreisverband Regensburg aktiv ist.

"Der NC ist für mich persönlich das ungeeignetste Kriterium. Für den Beruf als Mediziner brauch ich doch Nächstenliebe, eine Liebe zum Patienten und zur Medizin. Das wird auf keinen Fall durch die NC-Regelung abgerufen."

Heribert Szika, Arzt

Vor allem auf dem Land würden Ärzte gebraucht, sagt Szika, der im kleinen Ort Brennberg eine Filialpraxis betreibt. Er wünscht sich Plätze für Studenten, die sich verpflichten, später als Landärzte zu arbeiten. Viele hätten eine Chance verdient. Denn auch wer beim Abiturschnitt nicht ganz oben mitmischt, kann ein guter Arzt werden. Dafür gebe es genug Beispiele, sagt Heribert Szika. Er selbst hätte heute wohl keine Chance mehr auf ein Medizin-Studium.

"Mein Abiturdurchschnitt war 2,3. Wir haben neulich spaßeshalber eine Umfrage unter zwölf Kollegen gemacht, wer nach den heutigen Kriterien noch Mediziner werden dürfte. Da waren namhafte Professoren und niedergelassene Kollegen dabei. Ich glaube, es war ein Einziger, der noch hätte studieren dürfen."

Heribert Szika, Arzt


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Patient, Freitag, 27.Oktober, 21:10 Uhr

6.

Warum ausschließlich nach der Abiturnote die Studienplätze vergeben? Das 1er-Abitur kann man auch mit "Laberfächern" machen.
Mir als Patient ist doch wichtiger, mit welcher Note sie oder er das Studium abgeschlossen hat.

Barbara, Freitag, 27.Oktober, 15:05 Uhr

5. Viele Noten sagen nicht unbedingt etwas über das Wissen und Können einer Person

aus. Natürlich kann man ein gewisses Grundwissen in einem Test abfragen, aber Prüfungs-Noten können auch situationsbedingt oder punktuell sein, z. B. wenn der Prüfling "zufällig" über das Thema abgefragt wird, das er gut gelernt hat. Die Frage ist allerdings, nach welchen Kriterien man sonst die "Auswahl" treffen sollte.

Hallo, Freitag, 27.Oktober, 10:19 Uhr

4. So einfach kann man Probleme lösen.

Viele unserer sehr fähigen Ärzte gehen ins Ausland, unser Land wird mit (oft schlechter ausgebildeten) ausländischen Ärzten überschwemmt.

Lösung des Problems:
Wir bevorzugen Einser-Abiturienten nicht mehr beim Medizin-Studium.
Die Ärzte mit schlechteren Noten haben dann im Ausland weniger Chancen und bleiben in Deutschland.
Die Einser-Abiturienten können wir in den wirklich wichtigen Gebieten (Forschung, Produktion) einsetzen.

Im Pflegebereich wurden die Anforderungen gesenkt (bzw. gar nicht erst auf internationale Standards erhöht), jetzt sind die Ärzte dran!

Andreas, Freitag, 27.Oktober, 09:36 Uhr

3. NC ist kein Qualitätskriterium

Vielmehr die soziale Kompetenz. Ich gebe Herrn Szika völlig Recht mit seiner Einschätzung. Sie wird durch meine Erfahrungen bestätigt, wonach viele Ärzte
vor allem ihrem Geldbeutel und nicht erstrangig dem Wohl des Patienten dienen.

  • Antwort von Patient, Freitag, 27.Oktober, 10:25 Uhr

    Wenn die Ärzte wollten, das man gesund wird, sind sie arbeitslos.

  • Antwort von Kats, Freitag, 27.Oktober, 11:47 Uhr

    @ Patient
    Gute Antwort !
    Ärzte kämpfen mit den niedrigen Pausch-Vorgaben und wenn sie darüber liegen,
    werden sie von den Kassen in Regress genommen.
    Hat jetzt allerdings nichts mit dem NC zu tun .

Squareman, Freitag, 27.Oktober, 09:33 Uhr

2. Ungerecht

Bildung ist Ländersache und deswegen gibt es da große Unterschiede. Gerade in Bayern ist es am schwierigsten gute Noten zu bekommen. Vielleicht sollte man doch mal über einheitliche Lehrpläne und Prüfungen nachdenken.