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Erinnerungskultur NS-Gedenken in Regensburg soll gefördert werden

Gutachter haben die Stadt Regensburg auf Defizite im Umgang mit ihrer NS-Vergangenheit aufmerksam gemacht. Es gäbe bisher keinen Raum in dem man sich über die NS-Zeit informieren kann. Die Experten raten der Stadt zu verschiedenen Maßnahmen.

Von: Thomas Muggenthaler

Stand: 11.07.2018

NS-Judenverfolgung in Regensburg | Bild: BR

Die Stadt Regensburg will ihre Defizite bei der Gedenk- und Erinnerungskultur beheben. Ein Gutachten externer Experten rät das dringend. Die drei Gutachter monieren, dass bislang keine öffentliche Präsentation zu diesem Thema angeboten wird.

Stadtarchiv und Stadtmuseum sind gefordert

Während in Nürnberg oder München große NS-Dokumentationszentren stehen, gibt es in Regensburg bis heute keinen Raum, in dem man sich über die NS-Zeit informieren kann. Das ist die zentrale Leerstelle in der Stadtgeschichte. Das Stadtarchiv und das Stadtmuseum sind bei der Aufarbeitung der NS-Zeit in Regensburg gefordert, so das Gutachten. Bislang gibt es im Stadtmuseum keine Abteilung, die sich mit dem 20. Jahrhundert auseinandersetzt. Bei dem geplanten neuen Museumskonzept muss das Thema NS-Zeit eine wichtige Rolle spielen, so die Gutachter. Die drei Gutachter sind Professor Mark Spoerer, die Geschichtsdidaktikerin Heike Wolter, beide von der Universität Regensburg sowie Jörg Skriebeleit, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Lkr. Neustadt an der Waldnaab).

Stadt soll Geld bereitstellen

Die Experten schlagen auch vor, dass die Stadt Geld in die Hand nimmt, im Jahr einen sechsstelligen Betrag, der für Projekte zur Verfügung gestellt wird. Das können Projekte sein, die die Stadt in Auftrag gibt, aber auch Ideen, die von Initiativen umgesetzt werden können.

Gestapostelle für Niederbayern und die Oberpfalz

Colosseum Stadtamhof

Ein Gremium von Fachleuten soll begutachten, was gefördert wird. Die Stadt muss sich ihrer Geschichte stellen, so könnte man das Credo des Gutachtens zusammenfassen. Da ist nicht nur das KZ-Aussenlager im Colosseum in Stadtamhof, das kurz vor Kriegsende eingerichtet worden ist und sechs Wochen bestanden hat. An das Lager erinnert ein Gedenkstein, aber mehr nicht. Da ist auch die einstige Gestapostelle für Niederbayern und die Oberpfalz im Polizeigebäude am Minoritenweg 1. Die Gestapo war für die Deportationen der Juden, für Hinrichtungen polnischer Zwangsarbeiter, für die Erschießungen sowjetischer Kriegsgefangener genauso zuständig wie für die Verfolgung politischer Gegner. An die Gestapo erinnert bis heute nichts.

Messerschmitt im Foku

Ein zentrales Thema ist für die Gutachter die Ansiedelung des Flugzeugherstellers Messerschmitt in der NS-Zeit im Stadtwesten. Messerschmitt hat Tausende Arbeiter beschäftigt, für die unter anderem die damalige Göring-Siedlung erbaut worden ist. Später hat Messerschmitt auch Zwangsarbeiter, die in Lagern untergebracht waren, beschäftigt. Die Messerschmittansiedelung prägt die Stadt bis heute, betont Jörg Skriebeleit, der Leiter der KZ Gedenkstätte Flossenbürg. Hinzu kommt, dass die Produktion aus Angst vor Bombenangriffen in die Konzentrationslager Flossenbürg und Mauthausen verlagert worden ist. Das alles ist in Regensburg kein Thema, kritisiert der Kulturwissenschaftler.

Spurensuche nach baulichen Relikten aus der NS-Zeit

Die Gutachter empfehlen eine Spurensuche nach baulichen Relikten aus der NS-Zeit. Daraus sollte ein Informationssystem zu NS-belasteten Stadträumen entwickelt werden. Das Gutachten benennt keinen Maßnahmenkatalog, sondern Themen. Und es zeigt, dass man vieles machen kann. Da sind unkonventionelle irritierende Kunstaktionen genauso möglich wie eine solide Dauerausstellung.


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