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Reichen 77-Jährigen im Schlafzimmer überfallen Mord: Regensburger zu lebenslanger Haft verurteilt

Völlig arglos schläft ein älterer Mann in seiner Wohnung in Hamburg. Da dringt ein 36-Jähriger aus Regensburg in das Schlafzimmer ein und schlägt immer wieder auf den wohlhabenden Senior ein und lässt ihn dann sterbend zurück. Nun muss der Täter für den Mord lebenslang büßen.

Stand: 17.04.2018

ARCHIV - 26.01.2018, Hamburg: Der 36-jährige Angeklagte in einem Mordprozess sitzt in einem Gerichtssaal im Landgericht. Dem Mann wird vorgeworfen, mit einem Ersatzschlüssel in die Wohnung seines Opfers gelangt zu sein und nach Beute durchsucht zu haben. Dann soll er den schlafenden 77-Jährigen aus dem Bett gerissen, gewürgt, geschlagen und im Schlafzimmer eingesperrt haben. Das Opfer starb ca. 18 Stunden später an seinen Verletzungen. (Zu dpa «Prozess um tödlichen Überfall auf Senioren - Urteil erwartet» vom 17.04.2018) (ACHTUNG Schrift auf der Rückseite des Aktendeckels aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen unkenntlich gemacht) Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Daniel Reinhardt

Am Abend vor seinem gewaltsamen Tod war der 77-Jährige noch mit einer Bekannten essen, hatte dann zu Hause seine Mails am Computer gecheckt, den Frühstückstisch gedeckt und war gegen 23 Uhr schlafen gegangen. Um 2.57 Uhr am 28. Juli 2017 erfasst eine Überwachungskamera an der nahen Baustelle eines Luxushotels an der Alster einen Mann, der die Haustür aufschließt und durch das Treppenhaus geht, ohne das Licht einzuschalten. Die Große Strafkammer am Landgericht Hamburg hatte keinen Zweifel, dass es der Mörder des wohlhabenden Seniors ist, der in diesem Moment mit einem Ersatzschlüssel in dessen Wohnung eindringt.

"Besonders brutale Tat"

Das Gericht verurteilte den 36-Jährigen aus Regensburg am Dienstag zu einer lebenslangen Haftstrafe. Die Richter sprachen den Transportunternehmer des Mordes, des Raubes mit Todesfolge und der Freiheitsberaubung mit Todesfolge schuldig. Zugleich stellte die Kammer die besondere Schwere der Schuld fest, damit kann der 36-Jährige nicht auf eine vorzeitige Entlassung hoffen. Die Tat sei ein "brutales und wirklich abscheuliches Verbrechen" gewesen, betont die Vorsitzende der Strafkammer, Petra Wende-Spohrs.

Schulden über Schulden

Der Angeklagte sei wenige Tage vor der Tat mit einem Leihwagen von Regensburg zu einer Bekannten nach Itzehoe bei Hamburg gefahren. Er habe deren Onkel, den 77-Jährigen, bereits gekannt und gewusst, dass er einen fünfstelligen Bargeldbetrag in seiner Wohnung versteckt hatte, erklärt die Richterin. 2013 habe er über die Freundin ein Darlehen von 3.500 Euro für den Neustart in Süddeutschland von dem Mann bekommen. Doch das Transportunternehmen geht Pleite. Die Leasingfirma holt die Lastwagen zurück, im Sommer 2017 hat der Angeklagte 70.000 Euro Schulden. Nun wohnt er bei seiner Mutter in einem Keller, schläft manchmal in deren Auto.

20 Mal ins Gesicht geschlagen

In der Wohnung der Bekannten nimmt der 36-Jährige nach Feststellung des Gerichts unbemerkt den Wohnungsschlüssel des Senioren an sich. Dann fährt er zu seiner Oma in der Nähe von Lübeck, der er erzählt, er müsse nachts nach Regensburg zurückkehren. Tatsächlich fährt er nach Hamburg und stellt das Auto dort ab. Der Täter durchsucht zunächst die Wohnung, auch ein ihm bekanntes Versteck am Eisschrank. Vielleicht findet er nicht genug Geld und will von dem schlafenden Senioren die Preisgabe eines weiteren Verstecks abpressen. Vielleicht wird der 77-Jährige auch wach und stört den Täter. Sicher sei nur, dass der Angeklagte den völlig arg- und wehrlosen Mann im Schlafzimmer massiv verletzt habe. Untersuchungen hätten ergeben, dass der Täter sich auf den Brustkorb des am Boden liegenden Senioren kniete, ihm dabei zahlreiche Rippen brach, ihn heftig würgte und ihm 20 Mal mit einem festen Gegenstand ins Gesicht und gegen den Kopf schlug. Der Angeklagte habe sein Opfer auf dem Boden liegend zurückgelassen und es nach dem Durchsuchen des Schlafzimmers ohne Telefon eingeschlossen. Der 77-Jährige habe nicht mehr um Hilfe schreien können, aber noch mindestens 15 Stunden gelebt, bevor er an seinen schweren Verletzungen starb.

Angeklagter leugnet hartnäckig

Einen Monat nach der Tat nimmt die bayerische Polizei den Angeklagten in Regensburg fest. Im Auto seiner Mutter finden die Beamten eine Jeanshose mit Blut des Opfers und blau-grünen Polyacryl-Fasern von dessen Bett, erklärt die Richterin. Die Hose habe genau die Größe des Angeklagten, der auch bei der Urteilsverkündung zu weißem Hemd und dunklem Sakko Jeans trägt. Ein erstes Alibi, er sei zur Tatzeit bei der Bekannten in Itzehoe gewesen, platzt. Dann gibt er an, er habe am Hamburger Hauptbahnhof ein Päckchen mit 40.000 Euro für einen Bekannten aus Regensburg übergeben wollen. Für Wende-Spohrs ist das eine "absurde Räuberpistole", die durch eine Zeugenaussage widerlegt sei. Die Richterin kommt zu dem Schluss: "Angesichts der erdrückenden Beweislast hat die Kammer nicht den Hauch eines Zweifels an der Täterschaft des Angeklagten gesehen." Es sei völlig unverständlich, dass er die Tat so hartnäckig geleugnet habe. Die Verteidigerin streicht dem Angeklagten, der das Urteil mit gesenktem Blick entgegengenommen hat, über den Rücken und kündigt einen Antrag auf Revision beim Bundesgerichtshof an.


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