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Neue Details im Skandal Krematorium Regensburg: Beschuldigter packt aus

Das Regensburger Krematorium ist schon öfter in den Schlagzeilen aufgetaucht. Amputierte Leichenteile sind angeblich illegal entsorgt worden. Einer der Beschuldigten hat jetzt vor laufender Kamera ausgepackt.

Von: Uli Scherr

Stand: 27.11.2017

Im Regensburger Krematoriumsskandal um Betrug, Veruntreuung und unsachgemäß verbrannte Körperteile kommen immer neue Details ans Licht. Einer der Beschuldigten hat jetzt vor laufender Kamera ausgepackt. In einem Interview mit dem Onlinedienst "Regensburg digital" schildert der frühere Krematoriumsmitarbeiter, wie medizinischer Abfall und amputierte Körperteile angeblich illegal entsorgt wurden.

Nach Anzeige die Kündigung

Der gelernte Elektriker bekam im Oktober nach 15 Jahren Dienst im Krematorium die fristlose Kündigung. Zuvor hatte er seine Vorgesetzten angezeigt. Der reuige Ex-Mitarbeiter ist selber tief in den Skandal verstrickt. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn unter anderem des gemeinschaftlichen Bandendiebstahls.

Im Interview mit "Regensburg Digital" schildert er, wie er mit Kollegen jahrzehntelang bei Trauerfeiern Kollektengeld abzweigte:

"Die Oberen haben in Kareth ein Sparbuch eröffnet. Dieses Geld wurde im Dezember jedes Jahres ausbezahlt. Ich rechne ungefähr 8.000 Euro im Jahr."

Ehemaliger Krematoriumsmitarbeiter

Insgesamt könnte es um mehr als 200.000 Euro gehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Februar in dem Krematoriumsskandal. Es geht neben Diebstahl um eine Fülle weiterer Vorwürfe, wie Störung der Totenruhe, Unterschlagung von Zahngold, illegale Müllentsorgung und Umweltverstöße.

Schaden an der Branche

In dem Interview schildert der Ex-Mitarbeiter zum Beispiel unter anderem detailliert, wie er und Kollegen Särge aufgeschraubt hätten und zur Verbrennung bestimmten medizinischen Abfall und amputierte Körperteile zu den Toten gepackt hätten. Branchenkenner Andreas Fien, der in Hemau im Kreis Regensburg ein privates Krematorium betreibt, beobachtet den Skandal mit Sorge. Das gesamte Bestatterwesen werde hier in Mitleidenschaft gezogen, warnte er unlängst in einem BR-Interview:

"Was der ganze Skandal mit sich gebracht hat: Wir bekommen sehr viele Anrufe von verärgerten Menschen. Dadurch ist auch hier in der Region wirklich ein Schaden an der Branche entstanden."

Andreas Fien

Stadt sieht keinen Handlungsbedarf

Die Stadt sieht keinen weiteren Handlungsbedarf. Karl Eckert, Personalreferent der Stadt, sagte dem BR, das Interview beinhalte aus seiner Sicht keine neuen Hinweise oder Vorwürfe. Die Stadt habe bereits in der Vergangenheit alles notwendige in dieser Sache unternommen.

Die Staatsanwaltschaft wollte sich unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Nahezu zeitgleich mit der Veröffentlichung des Videointerviews ging der Mann am Montag gerichtlich gegen seine Kündigung vor. Vorläufiges Ergebnis des Gütetermins vor dem Regensburger Arbeitsgericht ist eine Abfindung in Höhe von 17.000 Euro. Eine Stellungnahme der Stadt steht noch aus. Sie wird für den 1. Dezember erwartet.


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B. Sachse, Dienstag, 28.November, 17:03 Uhr

5. Kein Einzelfall.

Das ist ja genau so, wie bei der Internetoffenbarung eines Polizeiausbilders vor etlichen Tagen! Der unmögliche Zustände einfach nicht mehr ab konnte und sich so Luft machte. Der wurde als Nestbeschmutzer gebrandmarkt, die ganze Angelegenheit als übertrieben hingestellt, aber dann seltsamerweise immer wieder davon angefangen. Wenn nix dran war, wieso ist denn diese angeprangerte Ausbildungsklasse noch beurlaubt? Und wieso hat man sich mehrere Male gerechtfertigt? Genau, wie es hier der Fall ist, bestraft man nicht mehr die Verursacher, sondern den, der die Öffentlichkeit über die desaströsen Zustände informiert hat. Schlimm? Nein, nur Absurdistan live!

Hans Holtz, Dienstag, 28.November, 16:49 Uhr

4. Hier tun sich ja Abgründe auf!

Wer weiß, was die sonst noch gemacht haben. Meine Güte. Und da hält die Stadt die Hand drüber, anstatt dieses absurde Geschehen aufzuklären? Wo sind wir nur hin gekommen?

Asor, Dienstag, 28.November, 13:14 Uhr

3. Krematorium Regensburg

Es ist ein nicht tragbarer und hinnehmbarer Zustand, der von einem Mitarbeier ins Rollen gebracht wurde. Und was passiert? Dem Mitarbeiter, der diese höchst dubiosen Machenschaften nicht mehr mitträgt, wird gekündigt. - Dies ist für mich der größte Skandal!
Die dafür Verantwortlichen müssten fristlos entlassen werden!

abgestumpft, Dienstag, 28.November, 11:10 Uhr

2. Skandal

Was hat die Stadt alles unternommen? Es wirft kein gutes Licht auf die Stadt. Der Mitarbeiter wurde gekündigt. Derjenige der aussagt.... was ihm hoch anzurechnen ist.
Wie wäre es beispielsweise auch nur mit einem Bedauern über das Geschehene. Den Rest erledigt ja zum Glück die Staatsanwaltschaft!
"Die Stadt habe bereits in der Vergangenheit alles notwendige in dieser Sache unternommen." Das wirkt doch schon sehr nüchtern und der "Sache" nicht angemessen und es erscheint auch keinesfalls so als ob "alles notwendige" schon unternommen wäre.
Moral Fehlanzeige.

Interessant , Montag, 27.November, 08:26 Uhr

1. Link

Könnt ihr bitte nen Link zum Interview setzen?