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Wackersdorf 30 Jahre nach WAA-Widerstand: Schüler restaurieren Franziskus-Marterl

Vor gut 30 Jahren war der Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAA) auf dem Höhepunkt. Treffpunkt für die Demonstranten war jahrelang das Franziskus-Marterl. Berufsschüler aus Neunburg vorm Wald haben das Marterl und den Erinnerungsort nun restauriert.

Von: Margit Ringer

Stand: 16.04.2018

Hergerichtete Sitzbank am Franziskusmaterl bei Bodenwöhr | Bild: BR/Marcel Kehrer

Zehntausende Demonstranten haben sich vor rund 30 Jahren am Franziskus-Marterl versammelt, um gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf (Lkr. Schwandorf) zu protestieren. Nun haben sich Schüler aus Neunburg vorm Wald dem Erinnerungsort angenommen und ihn restauriert. Am Montagnachmittag wurden die Arbeiten abgeschlossen. Dazu kam nach Bodenwöhr auch Alt-Landrat Hans Schuierer (SPD).

Alt-Landrat Hans Schuierer auf der restaurierten Bank.

Schuierer zeigte sich erfreut über die Restaurierung. Es sei wichtig, die Erinnerung wach zu halten: "Was hier passiert ist, ist ein Mahnbeispiel, was in einem Rechtsstaat nicht passieren darf. Aber es ist auch ein Lehrbeispiel, was in einer Demokratie möglich ist. Denn wir haben in einem jahrelangen friedlichen Widerstand diese Anlage verhindert."

WAA-Widerstand auf dem Stundenplan

Die Forstschüler haben diese Sitzgruppe restauriert.

Die Forstschüler im dritten Lehrjahr haben Schnitzereien restauriert, Sitzgruppen und Bänke erneuert und befestigen heute die letzte Bank wieder an ihrem Platz. Danach gab es eine kleine Andacht. Auch im Deutschunterricht an der Berufsschule in Neunburg vorm Wald haben sie aufgrund des Widerstands-Jubiläums im Herbst das Thema WAA und den Widerstand dagegen aufgegriffen.

Die Geschichte eines Marterls

Das Franziskus-Marterl, eine kleine Kapelle mit einer Fläche von einem Quadratmeter, haben WAA-Gegner im September 1984 "Im Blaubeerwald" im Taxöldener Forst, südöstlich des WAA-Geländes, errichtet. Sie nutzten es als Treffpunkt für den Widerstand, hielten hier immer sonntags ökumenische Andachten ab und zogen dann zum Bauzaun der WAA. Gewidmet ist das Marterl dem heiligen Franz von Assisi. Noch heute finden hier mehrmals im Jahr Andachten statt, unter anderem am Gedenktag des Super-Gaus von Tschernobyl. Neben dem Franziskus-Marterl gibt es weitere Protest-Denkmäler wie ein Holzkreuz. Vor zwei Jahren hat der Landkreis Schwandorf auch eine Gedenktafel angebracht, auf der Baufortschritte der WAA, die Entwicklung des Protestes und das Ende des Projektes dargestellt sind.


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KON, Dienstag, 17.April, 08:56 Uhr

3. Franziskus-Marterl

Es ist gut, dass solche Symbole des bürgerlichen Widerstandes erhalten bleiben. Zeigen diese uns Bürgern doch, dass es möglich ist, sich gegen die staatliche Obrigkeit (und den damit verbundenen Lobbyisten) erfolgreich zu widersetzen. In Hinblick auf den Klimawandel ist ein solches Aufbäumen wie damals gegen die WAA wieder dringend notwendig.

Politi, Dienstag, 17.April, 08:34 Uhr

2. Gelebte christliche Prägung

Dieses Marterl zeigt für was die christliche Prägung in Deutschland steht. Für die Bewahrung von und für lebenswerte Umwelt und für das friedliche Verhindern von wahnwitzigen Ideen!

Ich freue mich, dass die "christlichen" Politiker das auch so sehen und dort ein Bußgebet ablegen, statt gegen andere zu hetzen!

  • Antwort von thorie, Dienstag, 17.April, 09:51 Uhr

    Das ist kein Platz "christlicher Prägung" , sondern lediglich der Treffpunkt damaliger "Staatsfeinde", ..."Terroristen"... auf neupolit-deutsch: "MOB".

  • Antwort von Truderinger, Dienstag, 17.April, 11:32 Uhr

    Ähm nein thorie, damals wurden diese Menschen zu Unrecht diffamiert, während diejenigen, die heute als Mob bezeichnet werden, sich diese "Auszeichnung" redlich verdient haben! Für AfD, Pegida und Co wird man niemals Erinnerungsorte errichten! Es gibt noch genügende, die von ihren geistigen Vorfahren errichtet worden sind!

Müller, Dienstag, 17.April, 08:26 Uhr

1. Historie

Nach damaliger Lesart der damaligen Staatstregierung alles Terroristen.

  • Antwort von Didier, Dienstag, 17.April, 10:13 Uhr

    Nicht nur nach damaliger Lesart. Die csu tut sich immer wieder hervor mit menschenvarachtenden Aktionen. Damals Wackersdorf, in den 80ern wollte man HIV-Infizierte wegsperren, und nun in einem neuen Gesetzentwurf Menschen, die an Depressionen leiden, registrieren und zwangseinweisen. Böse Welt da draußen für manche csuler ...

  • Antwort von Müller, Dienstag, 17.April, 11:05 Uhr

    Ist das ein Plädoyer für die Schutzhaft solcher CSUler ?

  • Antwort von Didier, Dienstag, 17.April, 11:27 Uhr

    Als Wähler hat man ja nur zwei Möglichkeiten: Anders wählen, oder eben den friedlichen Protest. Schutzhaft unter wessen Gewaltmonopol? Lynchjustiz wollen wir ja nicht.