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Staatsanwaltschaft Hof Anklage gegen Lerchenberg und Beck

Die Staatsanwaltschaft Hof hat Anklage gegen Michael Lerchenberg, den früheren Intendanten der Luisenburg-Festspiele, und gegen Wunsiedels Bürgermeister Karl-Willi Beck (CSU) erhoben. Sie sollen Sozialbeiträge für Mitarbeiter in Höhe von rund 300.000 Euro nicht abgeführt haben.

Von: Annerose Zuber

Stand: 17.05.2018

 Michael Lerchenberg, der frühere Intendant der Luisenburg-Festspiele (links), und Karl-Willi Beck (CSU), Bürgermeister von Wunsiedel | Bild: dpa, BR/Kristina Kreutzer (Montage BR)

Nach mehr als dreijähriger Ermittlungsarbeit steht für die Wirtschaftsstrafabteilung der Staatsanwaltschaft fest: Lerchenberg und Beck sollen Sozialabgaben für Mitarbeiter der Luisenburg-Festspiele nicht abgeführt und so bei den Krankenkassen einen Schaden von rund 300.000 Euro verursacht haben. Es geht um den Vorwurf der Scheinselbständigkeit.

23 Mitarbeiter betroffen

Wie die Staatsanwaltschaft Hof nun mitteilt, soll Intendant Lerchenberg von 2008 bis 2015 mit Mitarbeitern der Festspiele Werkverträge als Selbständige abgeschlossen haben. Tatsächlich seien diese 18 Mitarbeiter aber so in den Arbeitsablauf der Festspiele eingebunden gewesen, dass sie sozialversicherungspflichtig gewesen wären.

Weitere fünf Arbeitnehmer sollen nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hof und des Hauptzollamts Regensburg als geringfügig Beschäftigte zur Sozialversicherung angemeldet gewesen sein, obwohl die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden weit darüber hinaus gingen und teilweise einer Vollzeitbeschäftigung entsprachen.

Beck soll informiert gewesen sein

Da die Stadt Wunsiedel die Luisenburg-Festspiele als selbständigen Eigenbetrieb führt, sei Bürgermeister Karl-Willi Beck über dieses Vorgehen informiert gewesen. Er sei aber nicht eingeschritten. Das Landgericht Hof muss nun prüfen, ob und wann die Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen und ein Prozess gegen die beiden Angeschuldigten geführt wird. Beck wollte sich auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks nicht zu den Vorwürfen äußern.

Michael Lerchenberg war 2004 Intendant der Festspiele geworden und hatte seinen Posten 2017 vorzeitig aufgegeben. Damals beklagte er auch die mangelnde Unterstützung von Seiten der Politik.


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Kommentare

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Eclat Blanc, Donnerstag, 17.Mai, 16:38 Uhr

3. Mehr Sachlichkeit, bitte

1. Künstler, auch wenn sie Besonderes geleistet haben, werden in einem Rechtsstaat nach Recht und Gesetz behandelt. Die Urteile werden von Richtern gesprochen und nicht von Rezensenten!
2. Es muß nicht Selbständigkeit fingiert werden, wenn eine Beschäftigung absehbar nicht auf Dauer bestehen wird. Für diese Fälle gibt es legal die Möglichkeit befristeter Verträge.
3. Die Schuld auf Subalterne zu schieben ist eine beliebte Ausrede. Ist ein Chef nur bei Sonnenschein Chef? Warum dann die monetäre und gesellschaftliche Honorierung?

Theo, Donnerstag, 17.Mai, 13:01 Uhr

2. Dummheit

Wer schon mal ein Stück von lerchenberg gesehen hat, der weiß, daß er immer sein Bestes gibt um das Puplikum zu erfreuen.
Solche Vorwürfe an jemanden der den Menschen ein Stück Kultur näher bringt ist schon grotesk!! Scheinselbständigkeit?? Wurden denn die Leute die dort angeblich so Angestellt waren befragt? Meines Wissens sind Künstler meist Selbständig...was ja auch Sinn macht, weiß man ja nicht, ob das Stück nur einmalig läuft oder Jahrzehnte. Soll die Bühne sich dann 30 personen fest anstellen, die Sie lt Vertrag dann über diese Zeit bezahlen müssen?? Das tut doch keiner!!
Ich hoffe für Herrn lerchenberg, daß das so nicht durchgeht, da das sonst ein Signal an alle Bühnen ist den betrieb einzustellen um sich später nicht solchen Vorwürfen ausgesetzt zu sehen. Diese leichte Art wichtiges Kulturgut Theater weiter zu geben darf an sowas nicht kaputt gehen!!

Gabriele K, Donnerstag, 17.Mai, 12:51 Uhr

1. Betrug oder Unverständniss?

Es ist schon sehr traurig, wenn Künstlern wie Herrn Lerchenberg aus seiner " guten Unterhaltung im Theater für Jedermann" solche Vorwürfe zur Last gelegt werden. Die meisten Künstler die nicht an Staatlichen Bühnen angestellt sind, sind Selbständig. Das war früher so und ist es auch heute noch. Und die Helfer auf und hinter der Bühne sind meist auch Selbständig, da es ja auf Zeit ist und Zeitverträge von Arbeitgebern noch weniger gern wie Festanstellungen unterzeichnet werden - wegen der vielen Gesetze gegen die man dabei verstoßen kann, wenn man da nicht einen Juristen damit betraut. Bei kleinen Budgets wie in der Kunstlerszene oft auch bei "großen Häusern" üblich, ist das nicht machbar. Und da Schauspieler, Roadies und Helfer/Freiwillige in jeder Form meist nicht in jedem Stück mitspielen, ist es schon einfacher wenn die Künstler usw Selbständig sind. Dann werden Sie meist auch lieber eingestellt....Eigene Erfahrung - keine Bild -Zeitungs -Weisheit! Das ist überall Praxis...