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Landgericht Hof Neues Urteil im Jäger-Prozess: Jäger bekommt ein Jahr auf Bewährung

Im Berufungsprozess gegen einen Jäger hat das Landgericht Hof den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Damit blieb das Gericht unter dem ursprünglichen Urteil des Amtsgerichts Wunsiedel, das den 57-Jährigen zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt hatte.

Von: Annerose Zuber

Stand: 16.04.2018

Der tragische Tod eines jungen Mannes in einem Maisfeld wurde vor dem Landgericht Hof neu aufgerollt. Ein Jäger hatte im September 2012 einen 26-jährigen Mann in einem Maisfeld bei Schönwald für ein Wildschwein gehalten und ihn vom Hochsitz aus erschossen. Im Berufungsprozess gegen ihn hat das Landgericht Hof den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Das Gericht geht davon aus, dass sich der Schuss am 8. September 2012 versehentlich gelöst hatte. Damit blieb das Gericht unter dem ursprünglichen Urteil des Amtsgerichts Wunsiedel.

Unterschiedliche Bewertung

Vor drei Jahren war der Fall erstmals vor dem Amtsgericht Wunsiedel verhandelt worden. Der 57-jährige Jäger war zunächst zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Doch weder die Verteidigung, noch die Staatsanwaltschaft und Familie des Getöteten hatten das Urteil akzeptiert und Rechtsmittel eingelegt. Auch nach der intensiven Beweisaufnahme im Berufungsverfahren bewerteten die Juristen den Fall unterschiedlich.

Kein gezielter Schuss

Nach der intensiven Beweisaufnahme sah es die Berufungskammer des Landgerichts Hof jetzt als erwiesen an, dass der 57-jährige erfahrene Jäger und Büchsenmacher nicht absichtlich auf den jungen Mann gezielt hat, sondern sich der Schuss beim Ablegen der Waffe gelöst habe. Und zwar aus Unachtsamkeit des Jägers. Außerdem müssten Jäger grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Menschen im Wald rechnen. Völlig klären könne man den Fall nicht mehr, so die Richterin. Dies sei die plausibelste Erklärung für den tragischen Tod des 26-Jährigen, hatte auch ein Waffenexperte des LKA im Prozess geschildert. Dieses Gutachten sei wohl das entscheidende "Zünglein an der Waage" gewesen, meinte auch Verteidiger Jürgen Schmidt nach der Urteils-Verkündung im BR-Gespräch.

57-jähriger Schütze bedauert das tragische Geschehen

Der 57-jährige Jäger und Büchsenmacher betonte in seinem Schlusswort, dass ihm der Tod des jungen Mannes sehr leid tue und er sich täglich mit dem tragischen Geschehen beschäftige. Sein Schuss hatte einen 26-Jährigen getroffen, der im Drogenrausch durch den Wald gelaufen war. 


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