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Polsterbräu in Nankendorf Waischenfeld will NPD-Funktionär als Gasthof-Wirt verhindern

Ein NPD-Funktionär will das ehemalige Polsterbräu-Gebäude in Nankendorf im Kreis Bayreuth kaufen. Das will die Stadt Waischenfeld nun verhindern. Sie will das leerstehende Wirtshaus selbst kaufen, um nicht mit Rechtsextremen in Verbindung gebracht zu werden.

Von: Christiane Scherm

Stand: 30.01.2018

Leerstehender Brauerei-Gasthof Polster-Bräu in Nankendorf (Lkr. Bayreuth). | Bild: BR-Studio Franken/Claudia Stern

Die Stadt Waischenfeld (Lkr. Bayreuth) will verhindern, dass der NPD-Funktionär Janus Nowak (NPD-Landeschef von Baden-Württemberg) das Gebäude der ehemaligen Polster-Bräu in Nankendorf (Lkr. Bayreuth) kauft. Sie will das leerstehende Wirtshaus mit Brauerei kurzerhand selbst vom Eigentümer erwerben. Bürgermeister Edmund Pirkelmann (Bürgerblock Breitenlesau-Siegritzberg) hat bereits am Sonntag (28.01.18) bei einer Sondersitzung des Stadtrats für den geplanten Kauf grünes Licht bekommen.

Termin mit der Regierung von Oberfranken

Möglich ist der Kauf der Stadt, weil Janus Nowak für das Polsterbräu-Gebäude noch nicht den vollen Kaufpreis bezahlt hat. Unterstützung geben könnte es für die Stadt zusätzlich von der Regierung von Oberfranken. Am Mittwoch (31.01.18) soll es daher ein Gespräch in Bayreuth geben, bei dem es auch um Fördergelder für den Kauf und die Sanierung der Immobilie geht.

Finanzhilfe vom Freistaat

Waischenfeld ist eine sogenannte Stabilisierungsgemeinde und erhalte vom Freistaat Finanzhilfen, so Pirkelmann. Deshalb sei beim Kauf einer Immobilie und eines Grundstücks eine Genehmigung nötig. Stabilisierungshilfen sollen Kommunen, die als strukturschwach gelten und sich unverschuldet in einer finanziellen Notlage befinden, als staatliche Hilfe zur Selbsthilfe dienen.

Medienberichte und Tourismus

Das Thema rund um den Kauf des Gasthofes habe in der ganzen Region große Wellen geschlagen, auch durch die Berichterstattung in den Medien, so Pirkelmann. "Für mich als Bürgermeister ist das kein Alltagsgeschäft, mich hat das sehr beschäftigt. In einer Fremdenverkehrsregion wie der Fränkischen Schweiz wollen wir nicht mit der NPD in Verbindung gebracht werden. Das wäre für uns immer ein Klotz am Bein", betont der Bürgermeister im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

Keine Partei-Veranstaltungen

Auch wenn der potentielle Käufer der Polster-Bräu bereits signalisiert hat, dass er in seinem Gasthaus keine Partei-Veranstaltungen der NPD stattfinden lassen will, hätte man keinen Einfluss auf das Publikum. "Die NPD-Leute können sich ja auch privat dort treffen. Wenn dann am Stammtisch entsprechende Gespräche geführt werden, können wir das als Gemeinde nicht kontrollieren oder verhindern", so Bürgermeister Pirkelmann weiter.

Viele Ideen für Gasthof

Nach dem Kauf des Gasthauses soll es saniert und für Ein-Tages-Übernachtungen angeboten werden. Das wäre zumindest die Vorstellung des Bürgermeisters. Nankendorf liegt in der Fränkischen Schweiz, direkt an einem Bierwanderweg und an einem Radweg. Viele Touristen bleiben oft nur eine Nacht – dafür sei das Gasthaus perfekt, so Pirkelmann. Denkbar wäre auch die Nutzung als Unterbringung für Flüchtlinge, für Sozialwohnungen oder als therapeutische Praxis. "Wir sind offen für alles", so Pirkelmann abschließend.


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