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Diabetiker-Warnhund in Coburg Mehr Lebensqualität dank Lucy

Sandra Kieser ist Diabetikerin Typ 1. Sie merkt meistens viel zu spät, wenn sie in den Unterzucker gerät. Das kann für sie lebensbedrohlich sein. Dank ihres Diabetikerhundes Lucy hat sie ein neues Leben.

Von: Christina Schmitt

Stand: 22.05.2017

Sandra Kieser und ihr Diabetes-Warnhund beim Training | Bild: BR - Studio Franken / Christina Schmitt

Kein Bellen, kein Aufspringen: Anders als die meisten Hunde bleibt Lucy ruhig liegen, wenn ein Gast kommt. Denn die Labradorhündin arbeitet. Ihr Job ist es, rund um die Uhr auf ihre Besitzerin Sandra Kieser zu achten. Sie muss erschnüffeln, ob es ihr gut geht. Wenn Sandra Kiesers Blutzuckerspiegel unter den kritischen Wert sinkt, muss Lucy sie warnen.

Unterzucker: Gefahr für sich selbst – und die Familie

Sandra Kieser ist auf Lucy angewiesen. Viele Diabetiker merken, wenn sie in den Unterzucker geraten. Die Coburgerin hat das Gespür verloren, als vor vier Jahren ihr drittes Kind zur Welt kam. "Ich habe dann mal gemessen und war bei einem 32er Wert", sagt sie. "Es heißt, da liegen manche Leute schon ohnmächtig am Boden." Fast jeden zweiten Tag gerät Sandra Kieser in den Unterzucker. Das bedeutet, dass ihr Blutzuckerspiegel unter ihren persönlichen Schwellwert sinkt: 50 mg pro Deziliter. Dann wird sie zittrig – und im schlimmsten Fall könnte sie ohnmächtig werden. Das ist vor allem ein Problem, wenn sie allein mit ihren drei Kindern ist.

"Da kommen Situationen, in denen die Kinder mitbekommen, dass es der Mama schlecht geht, dass sie nicht so schnell auf die Beine kommt oder dass sie einfach nur da liegt. Das ist ein ungutes Gefühl. Ich bin ja auch für sie verantwortlich."

Sandra Kieser, Diabetikerin

Ausbildung zum Diabetiker-Warnhund in Selbitz

Als sie Lucy noch nicht hatte, musste Sandra Kieser alle zwei Stunden ihren Blutzucker messen. Bis sie vor drei Jahren auf eine Anzeige aufmerksam wurde: Der Verein "Mein Assistenzhund" aus Selbitz suchte eine neue Besitzerin für eine junge Diabetiker-Warnhündin. Sandra Kieser bewarb sich und bekam den Zuschlag.

Training mit der gelben Dose: Lucy muss den Geruch darin erschnüffeln.

Anschließend absolvierte sie mehrere Trainingseinheiten mit der Hündin in Selbitz. Inzwischen hat Lucy ihre Ausbildung abgeschlossen. "Trainieren müssen wir trotzdem immer noch, damit sich keine Fehler einschleichen.“ Sie muss sich auf Lucy verlassen können.

"Das war wie ein 6er im Lotto. Mit Zusatzzahl."

Sandra Kieser, Diabetikerin

Training mit der gelben Dose

Seit drei Jahren unterstützt Warnhündin Lucy ihre Besitzerin Sandra Kieser bei ihrer Diabetes-Erkrankung

Sandra Kieser testet die Labradorhündin regelmäßig. Dafür präpariert sie eine Dose voll mit Wattebäuschen, mit denen sie sich im Unterzucker die Stirn abgetupft hat. Lucy muss auf den Geruch anspringen und ihre Besitzerin warnen. Das tut sie, indem sie Sandra Kieser anstupst oder anspringt. Danach muss sie ihr ein kleines schwarzes Säckchen bringen: Darin sind Traubenzucker für Sandra Kieser und eine Belohnung für sich selbst.

"Lucy ist mein Partner für meinen Diabetes. Einer, der mich nicht gängelt und fragt: Hast du schon etwas gegessen? Bist du sicher, dass es dir gut geht? Lucy macht das nicht. Sie ist einfach nur für mich da."

Sandra-Kieser, Diabetikerin

Diabetiker-Warnhunde müssen draußen bleiben

Sandra Kieser sollte Lucy eigentlich stets an ihrer Seite haben. Doch Diabetiker-Warnhunde sind – anders als Blindenhunde – noch relativ unbekannt und deshalb weniger akzeptiert. Beim Einkauf im Supermarkt zum Beispiel muss Lucy draußen warten. Auch Museen sträuben sich oft dagegen, den Hund hinein zu lassen. "Ich bin gerade dabei, mit verschiedenen Ladeninhabern darüber zu sprechen, ob ich Lucy nicht doch mitnehmen kann", erzählt sie. In einem Baumarkt in Coburg kann Lucy bereits mitkommen. "Und vielleicht werden es bald noch mehr Geschäfte."


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