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Kritik am Koalitionsvertrag Caritas fordert radikalen Systemwechsel in der Pflege

Der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg hat mit Enttäuschung auf den Koalitionsvertrag reagiert. Union und SPD kündigen in der Vereinbarung ein Sofortprogramm für die Pflege an. Doch das geht der Caritas nicht weit genug.

Von: Heiner Gremer

Stand: 14.02.2018

Eine Pflegerin hält einem Altenheim die Hand einer Bewohnerin.    | Bild: dpa-Bildfunk/Oliver Berg

Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag ein Sofortprogramm für die Pflege angekündigt. Demnach sollen 8.000 neue Fachkraftstellen in Pflegeeinrichtungen geschaffen werden. Bei fast 14.000 Pflegeheimen in Deutschland sei das ein Tropfen auf den heißen Stein, wird Bambergs Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein in einer Presseerklärung zitiert.

"Keine wesentliche Verbesserung"

Die versprochene Maßnahme bringe weder eine wesentliche Verbesserung noch sei sie ein entscheidender Schritt hin zu einer Reform der Altenhilfe, so die Bamberger Caritas. Zwar solle für die versprochenen 8.000 zusätzlichen Stellen der "finanzielle Mehraufwand durch eine Vollfinanzierung aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung" beglichen werden. Ansonsten gelte aber weiterhin, dass jede Verbesserung bei der Personalausstattung komplett von den Heimbewohnern bezahlt werden muss, kritisiert Öhlein.

Zudem werde bei der Vereinbarung völlig ignoriert, dass die benötigten Fachkräfte gar nicht vorhanden seien. Gleichzeitig werde verschwiegen, dass gegenwärtig jede Gehaltssteigerung in der Altenpflege allein von den Betroffenen finanziert wird. Das widerspreche komplett der Aussage des Koalitionsvertrages, wonach Pflegebedürftige auf die Solidarität der Gesellschaft vertrauen könnten.

Allgemeinheit soll für Mehrkosten aufkommen

Der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg fordert stattdessen einen grundlegenden Systemwechsel in der Altenpflege. Eine Ausweitung des Personals und eine signifikante Erhöhung der Gehälter seien nur möglich, wenn auch die Pflegeversicherung von Grund auf reformiert werde. Laut Öhlein führten Verbesserungen in der Pflege, vor allem durch eine bessere Personalausstattung, zu Kostensteigerungen. Diese müssten von der Allgemeinheit getragen werden, fordert er. Die einzelnen Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen seien schon jetzt finanziell überlastet und könnten die zusätzlichen Kosten nicht aufbringen.

Nach eigenen Angaben vertritt der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg e.V. 30 Pflegeheime und Seniorenzentren, 35 ambulante Pflegedienste und zwei Berufsfachschulen für Altenpflege in Ober- und Mittelfranken. Davon befinden sich 15 Pflegeheime und eine Altenpflegeschule in seiner eigenen Trägerschaft.


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Kommentare

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Ottonormalo, Freitag, 16.Februar, 08:39 Uhr

2.

Dann soll der Caritasverband mal damit anfangen und seine Verwaltung auf Ehrenamtlich umstellen. Es ist nicht zu vermitteln, das es Vorstände und für diese Vorstände auch noch Personal wie Vorstandssprecher im Fernsehen auftreten und jammern, das es zu wenig Geld gibt.
Wenn es nicht dieser Verein ist, sind es andere Pflegeeinrichtungen mit mehreren Geschäftsführern und Verwaltungspersonal ohne Ende. Nur für die Arbeit an der Basis ist kein Geld da. Dann soll der Steuerzahler dafür aufkommen.

  • Antwort von K. Krieger, Montag, 19.Februar, 17:11 Uhr

    Auch falsch! Die Vergütung der Vorstände von Caritasverbänden hat mit der Finanzierung stationärer Pflege rein gar nichts zu tun. Verbandsleitungen der Caritas sind aus der Kirchensteuer finanziert und kosten Otto Normalverbraucher (so er nicht Mitglied der katholischen Kirche ist) keinen Cent.

Renate E., Donnerstag, 15.Februar, 14:47 Uhr

1. Hier ist generell viel im Argen.

Die Caritas ist Deutschlands größter Arbeitgeber. Da hat die sicherlich Einfluss auf die Pflege. Doch wird auch die Caritas gewinnorientiert agieren, oder? Und schaut man sich an, wie es 2zugeht, wenn es ums Geld geht - da ist letztendlich jeder Arbeitgeber so, dass er Gewinn machen will. Und nicht zu knapp. Deutschlands Pflege würde nur besser, wenn sich der Staat als stetes Kontrollorgan in der Pflicht sehen würde. Und sofort einschreiten würde mit empfindlichen Strafen beim Missbrauch der Befugnisse und schlechter Qualität. Am Preis kann es ja nicht liegen - die Sätze sind ja schon hoch genug! Für einen Monatsbetrag könnte man als Senior sich manchen Luxus gönnen auf dem Traumschiff, oder?

  • Antwort von Elfriede Pe., Freitag, 16.Februar, 08:54 Uhr

    Nein an den Sätzen liegt es nicht. Viele wissen gar nicht wie hoch die Sätze sind und was noch zusätzlich berechnet wird.
    Durchschnittliche Zahlen für zu Pflegende mittlerer Stufe : Grundpflege mit Hilfe zur Körperpflege und zur Mobilität 1.885 €, Verpflegung und Unterkunft ca. 720 €, Investitionskosten ca. 310 €, Einzelzimmerzuschlag ca 230 € 12 - 15 qm ergibt pro Monat 3.145 € für 1 Person.
    Da fragt man sich warum das Zimmer mit 3 Mahlzeiten am Tag 1.260€ kostet . Das ist ein durchschnittlicher qm Preis von 84 € nur für den Raum/ Essen.
    Wo bleibt denn da die so hochgelobte Mietpreisbremse ?

    Für mich ist dieses System einfach nur krank .

  • Antwort von K. Krieger, Montag, 19.Februar, 17:06 Uhr

    Falsch! Die Caritas arbeitet nicht gewinnorientiert. Als gemeinnütziger Verband strebt sie lediglich den Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben an. Wer verlangt, die Pflegeheime sollten Defizit machen, will, dass sie geschlossen werden.