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Schwere Vorwürfe der Bayreuther Unterstützer Abschiebung eines Afghanen ohne persönliche Gegenstände

Nach der Abschiebung eines Afghanen, der in Bayreuth gelebt hat, erheben seine Freunde und Unterstützung schwere Vorwürfe gegen die Behörden in Bayern. Er sei ohne persönliche Gegenstände und ohne Ausweis abgeschoben worden, sagte eine Freundin dem Bayerischen Rundfunk.

Von: Claudia Stern

Stand: 07.12.2017

Baryalai (mitte) wird abgeschoben. Seine Freunde verabschieden sich von ihm. | Bild: BR

Der Abschiebeflieger mit insgesamt 27 Afghanen, der am Mittwochabend (06.12.17) am Flughafen Frankfurt am Main gestartet ist, ist am Donnerstagmorgen (07.12.17) in Kabul angekommen. Unter den abgeschobenen Flüchtlingen war auch der 26 Jahre alte Afghane Baryalai Samili, der bis zu seiner Abschiebung in Bayreuth gelebt hatte.

Vorwürfe der Unterstützer

Seine Freunde und Unterstützer konnten bislang noch keinen Kontakt zu ihm aufnehmen, erheben aber schwere Vorwürfe gegen die bayerischen Behörden. Man habe Samili ohne jegliche persönliche Gegenstände und ohne seinen Ausweis, die Taskira, abgeschoben, erzählt eine Freundin des jungen Mannes dem BR unter Tränen.

"Menschenverachtend und skandalös"

Auch sein Anwalt Philipp Pruy bestätigte, dass Samili lediglich das mitnehmen durfte, was er am Körper trug. Er bezeichnete diese Art und Weise der Abschiebung als menschenverachtend und skandalös. Zumal sein Mandant weder ein Straftäter noch ein Gefährder sei.

Abgeschoben wurde er als "hartnäckiger Identitätsverweigerer", weil er lauten den Behörden seinen Ausweis drei Monate zu spät vorgelegt hatte. Diese Argumentation können sein Anwalt und seine Unterstützer allerdings nicht nachvollziehen, da sich die dreimonatige Verzögerung auf die Zeit vor Änderung der Rechtslage im Dezember 2016 bezogen habe. Nachdem die Bundesregierung beschlossen hatte, Identitätsverweigerer abzuschieben, habe Samili seinen Ausweis umgehend vorgelegt.

Afghane gut in Bayreuth integriert

Der 26-Jährige hatte in Bayreuth die Mittelschule abgeschlossen, Deutsch gelernt und gearbeitet, bis ihm von den Behörden die Arbeitserlaubnis entzogen worden war. Am 28. November war er in der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Bayreuth festgenommen worden. Seine Anwältin konnte allerdings seine Freilassung erwirken.

Seither musste sich Samili zweimal täglich bei der Ausländerbehörde melden. Sein Geburtsland hat er bereits als Fünfjähriger verlassen. Er floh damals mit seinem Onkel vor den Taliban in den Iran. Ob seine Eltern noch am Leben sind, weiß er nicht. Salimis Vater war politisch aktiv. Der 26-Jährige befürchtet deshalb, dass sein Leben in Afghanistan bedroht ist.

Demonstration in Bayreuth

Der Bayreuther Unterstützerkreis "Bunt statt Braun" hatte am Mittwoch (06.12.17) noch versucht, seine Abschiebung mit einer Demonstration vor der Zentralen Ausländerbehörde Bayreuth zu verhindern. An die 50 Menschen hatten gegen die Sammelabschiebung nach Afghanistan protestiert. Trotz aller Bemühungen mussten die Demonstranten mit ansehen, wie Baryalai Salimi bei dem Termin in der Ausländerbehörde von Beamten der Bundespolizei festgenommen, abgeführt und zum Flughafen gebracht wurde.


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