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Präventionsprogramm Wie Rollenspiele radikale Salafisten in der JVA verhindern sollen

Salafistische Radikalisierung findet auch in bayerischen Gefängnissen statt. Heute wurde in der JVA Neuburg-Herrenwörth ein Projekt vorgestellt, das eine solche Radikalisierung verhindern soll

Von: Joseph Röhmel

Stand: 18.05.2018

In einem bayerischen Gefängnis treffen wir einen Mann, den wir Rama nennen. Der Mann ist Ende 20 und ein verurteilter Unterstützer einer Terrorgruppe in Syrien. Im Interview wirkt er entspannt und berichtet, dass er Post bekommen hat – von einem Islamisten, der ebenfalls in Haft sitzt:

"Ich soll standhaft bleiben. Dieses Geschwätz halt wieder."

Rama, Salafisten-Aussteiger

Rama hat sich davon nicht beeindrucken lassen. Er ist ausgestiegen, hat sich vom radikalen Islam abgewandt. Der Fall zeigt aber: Salafisten im Knast verstehen sich als Stütze und Sozialarbeiter für junge Menschen, sagt der Psychologe und Buchautor Ahmad Mansour:

"Gefängnisse sind Orte, in denen Menschen ganz viel Zeit haben zum Reflektieren und zum Nachdenken. Und vor allem sind es aber Orte, in denen man nach Halt und einem neuen Anfang sucht. Salafisten erkennen das. Sie versuchen diese Jugendlichen in dieser persönlichen Krise anzusprechen und für sich zu gewinnen."

Ahmad Mansour

Beschimpfen, weil er nicht fasten will

Ahmad Mansour arbeitet schon seit Jahren mit radikalisierungsfährdeten Menschen zusammen. Er hat gemeinsam mit dem bayerischen Justizministerium ein Projekt konzipiert, das seit vergangenem Sommer in Gefängnissen im Freistaat durchgeführt wird. Heute wurde das Projekt "Restart - Freiheit beginnt im Kopf“ in der Jugendhaftanstalt Neuburg-Herrenwörth vorgestellt. Das Justizministerium will verhindern, dass Islamisten im Knast erfolgreich missionieren.

Es ist ein Projekt mit Rollenspielen: Wenn etwa ein salafistischer Mentor im Knast seinen Bruder als Ungläubigen beschimpft, weil er am Ramadan nicht fasten will.

"Du stehst vor dem Abgrund Bruder weißt du. Und es ist meine Aufgabe dir zu sagen, wenn du noch einen Schritt weiter gehst, dann fällst du in die Hölle. Und wenn du da drin bist, da kommst du nicht raus."

Salafist im Rollenspiel

Ins Gespräch kommen

Solche Rollenspiele werden von einem sechsköpfigen Team aus Pädagogen und Psychologen durchgeführt -  gemeinsam mit jungen Häftlingen, mit denen der Psychologe Ahmad Mansour ins Gespräch kommen will.  

"Wir versuchen vorzuspielen, was im Alltag sehr oft kommt. Also Jugendliche, die angesprochen werden über Angstpädagogik, über Schuldgefühle. Es geht auch um Identität: Bist du Muslim oder nicht, gehörst du zu uns oder nicht."

Ahmad Mansour

Salafisten agieren nicht immer sichtbar, sondern häufig im Verborgenen. Deshalb brauchen Häftlinge Strategien, die sie immun machen gegen solchen radikalen Ansprechpartnern.

Workshops in ganz Bayern

Justizminister Winfried Bausback lobt das Projekt und glaubt, dass damit Radikalisierung in bayerischen Gefängnissen dauerhaft verhindert werden kann:

"Wir haben sehr positive Rückmeldungen von den Anstalten und auch von den Praktikern des Vollzuges. Ich denke, wir werden das Projekt weiter fahren und auch ausbauen."

Justizminister Winfried Bausback

Seit dem Start der Pilotphase im Sommer 2017 wurden laut bayerischem Justizministerium fast 30 Workshops durchgeführt. Angelaufen ist das Projekt in der Jugendhaftanstalt Neuburg-Herrenwörth. Mittlerweile werden auch in der JVA Stadelheim in München, im oberbayerischen Laufen oder im oberfränkischen Ebrach Workshops durchgeführt.


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