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Streit über Kühlschränke eskaliert Waldkraiburg: Ausschreitungen in Flüchtlingsunterkunft

Ausnahmezustand in Waldkraiburg: Bei Ausschreitungen in einer Asylunterkunft ist ein 29-Jähriger schwer verletzt worden. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen versuchter Tötung. Auslöser für die Tumulte war ein Streit über Kühlschränke.

Von: Veronika Beer, Angela Braun, Till Erdtracht

Stand: 07.06.2018

Asylunterkunft Waldkraiburg  | Bild: BR

Auf Anordungung der Regierung von Oberbayern sollten am Mittwochvormittag illegal angeschlossene Kühlschränke in den Zimmern der Erstaufnahme-Einrichtung in Waldkraiburg (Landkreis Mühldorf) entfernt werden. Dafür hatte die Leitung der Asylbewerberunterkunft den Sicherheitstdienst gerufen.

Eine 24-jährige Bewohnerin war damit nicht einverstanden und sorgte gemeinsam mit weiteren Bewohnern für Tumulte. Polizisten konnten die verärgerten Menschen zunächst beruhigen.

Flüchtlinge griffen Polizei mit Steinen und Flaschen an

Wegen des Vorfalls sollte die 24-Jährige in eine andere Einrichtung verlegt werden. Diese Nachricht sorgte laut Polizei für eine aufgeheizte Stimmung und massive Ausschreitungen. Die Polizeibeamten wurde unter anderem mit Steinen und Flaschen angegriffen. Es kam zu Sachbeschädigungen; ein Feueralarm wurde offensichtlich mutwillig ausgelöst.

Mit Polizeikräften des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, der Bayerischen Bereitschaftspolizei und der Bundespolizei gelang es schließlich, die Lage zu befrieden. Die 24-jährige Bewohnerin wurde mit richterlicher Bestätigung in Gewahrsam genommen.

Mehrere Verletzte durch Messerstiche

Am Abend heizte sich die Stimmung unter den Bewohnern erneut auf. Es kam zu massiven Auseinandersetzungen, bei denen auch Messer verwendet wurden. Ein 29-jähriger Bewohner musste mit einer Stichverletzung am Oberkörper in ein Krankenhaus geflogen werden.

Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes erlitt eine Schnittwunde am rechten Arm, ein weiterer blieb nur wegen einer Schutzweste unverletzt. Drei Bewohner mussten mit leichten Verletzungen ambulant behandelt werden. 

Mutmaßlicher Täter festgenommen

Das Polizei gelang es schließlich, die massiven Auseinandersetzungen zu beenden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Mühldorf zum genauen Ablauf der Auseinandersetzungen und zum versuchten Tötungsdelikt laufen.

Der Täter wurde festgenommen. Drei weitere Bewohner wurden vorläufig in Gewahrsam genommen.

"Für uns hat der Schutz der überwiegend friedlichen Bewohner der Unterkunft oberste Priorität. Deshalb werden wir Gewaltexzessen in keiner Weise dulden."
– Harald Pickert, Polizeivizepräsident Oberbayern Süd –

Flüchtlingsrat kritisiert Wohnverhältnisse

Der bayerische Flüchtlingsrat kritisierte die beengten Wohnverhältnisse in der Einrichtung. Wenn etwa 330 Menschen über Monate ohne sinnvolle Beschäftigung in einer Massenunterkunft zusammengepfercht würden, sorge das zwangsläufig für Aggressionen.

Die Regierung von Oberbayern teilte mit, ab sofort seien in der Einrichtung zehn statt sechs Sicherheitskräfte rund um die Uhr im Einsatz. Mit Blick auf den Auslöser der Tumulte erklärte die Behörde, in Erstaufnahmeeinrichtungen seien eigentlich keine Kühlschränke erlaubt – aus Brandschutzgründen. Sie würden auch nicht gebraucht, weil die Flüchtlinge in der Einrichtung Frühstück, Mittag- und Abendessen erhielten. Die Unterkunft in Waldkraiburg wurde früher aber als Wohnheim genutzt, daher waren dort Kühlschränke vorhanden.

Bürgermeister Robert Pötzsch kündigte an, mögliche Konsequenzen an einem runden Tisch besprechen. Sein Ziel ist eine dauerhafte Lösung für die Bewohner der Einrichtung und für die Bürger von Waldkraiburg im Landkreis Mühldorf.

Mehrere hundert Asylbewerber – und öfter Streit

In der Waldkraiburger Unterkunft sind mehrere hundert Asylbewerber untergebracht. Zuletzt wurden dort gehäuft Polizeieinsätze durchgeführt. Im März rückten 300 Beamte für eine großangelegte Kontrollaktion an, um – wie es hieß – eine Brennpunktbildung zu verhindern.


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