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Ganztägige Demo in München Urteile gegen Zschäpe-Helfer erzürnen "Kein Schlussstrich"-Aktivisten

Im NSU-Verfahren sind heute in München die Urteile gefallen. Vor dem Gerichtsgebäude an der Nymphenburger Straße findet seit 8 Uhr die bundesweite Kampagne "Kein Schlussstrich" statt. Die Teilnehmer nahmen die Urteile gemischt auf.

Von: Moritz Steinbacher und Günther Rehm

Stand: 11.07.2018

Demonstrationszug nach NSU-Urteil | Bild: BR / Birgit Grundner

Ein Zug von etwa 2000 Demonstrante, darunter Angehörige der Mordopfer, zog am Abend vom Gericht in der Nymphenburgerstraße zum Innenministerium am Odeonsplatz. Sie trugen Bildtafeln der Ermordeten. Vor dem Ministerium findet die Schlusskundgebung statt.

Die Situation am Nachmittag - Stände vor dem Gericht

Vor dem Oberlandesgericht sind mehrere kleine Stände aufgebaut. Auf einer Bühne wird seit dem Morgen der Opfer der Anschläge des NSU Terrors gedacht. Zu Beginn wurden die Namen aller Ermordeten vorgelesen. Es folgte eine Schweigeminute.

Demonstration verstummt beim Urteil gegen Zschäpe

Als das Urteil gegen Beate Zschäpe – lebenslange Haft – unter den 100 Demonstranten bekannt wird, herrscht kurzzeitig Stille. Damit hatte man gerechnet. Als aber die Urteile von Ralf Wohlleben und André E. bekannt gegeben werden, die zu 10 Jahren und 2 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt wurden, sind viele fassungslos:

"Ich glaub, das kann man für alle hier sprechen: Da hätte man sich schon mehr erwartet – und schon zu Recht, finden wir." "Zweieinhalb Jahre für E. ist ein Hohn für alle Opfer, die jetzt hier hören müssen, dass jemand, der noch als bekennender Neonazi unterwegs und darauf stolz ist, oder ein Wohlleben mit diesen Jahren davon kommen sollen – und gleichzeitig müssen sie erleben, wie ihre Angehörigen getötet wurden." Umfrage

Am Abend Demozug zum Odeonsplatz und Abschlusskundgebung

Bis zum Abend findet die Demonstration "Kein Schlussstrich" vorm Oberlandesgericht in statt. "Tag X" heißt der Tag der Urteilsverkündung bei den Initiatoren der bundesweiten Kampagne, zu der unter anderem die Initiative "NSU-Watch" und das "Münchner Bündnis gegen Naziterror und Rassismus" gehören. Sie sind der Meinung, dass auch nach mehr als 400 Verhandlungstagen zu viele Fragen offen sind.

Enormer Andrang am Morgen

Mehrere Stunden vor der Urteilsverkündung im NSU-Prozess hatte sich vor dem Oberlandesgericht schon eine lange Zuschauer-Schlange gebildet. Gegen 7 Uhr warteten bereits rund 150 Menschen auf dem Vorplatz des Gerichts. Einige waren bereits seit dem späten Dienstagabend dort. In den Saal durften aber nur 50 Zuschauer – nach penibler Kontrolle – hinein.


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