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Polizei ermittelt Pfleger unter Mordverdacht

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen einen Pfleger, der in Ottobrunn aus Habgier einen Rentner getötet haben soll. Zudem gibt es eine Vielzahl von weiteren Verdachtsfällen, in denen die Opfer überlebten. Nach weiteren Betreuungspersonen, bei denen der Mann tätig war, wird im Moment noch gesucht.

Von: Henning Pfeifer

Stand: 06.03.2018

Pfleger unter Mordverdacht - PK der Polizei | Bild: BR

Der 36-Jährige war als ungelernte Pflegehilfskraft tätig - zuletzt im Landkreis München. Am Rosenmontag rief er selbst den Pflegenotruf, weil er den von ihm betreuten 87-jährige Rentner bewusstlos im Bett aufgefunden hätte. Der Notarzt konnte jedoch nur noch den Tod des Rentners feststellen, wie die Polizei München bekanntgab.

Als die Leiche weiter untersucht wurde, stellten die Ärzte Auffälligkeiten fest, die eine nicht natürliche Todesursache nahelegten. Der ungelernte Pfleger, der aus Polen stammt, wurde festgenommen.

Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass der Mann polizeibekannt ist. Gegen ihn wurde mehrfach ermittelt - unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung bei einem von ihm betreuten Rentner in Weilheim.

Tatverdächtiger in U-Haft

Bei dem Pfleger wurden 1.200 Euro Bargeld und zwei EC-Karten des Verstorbenen sowie Insulin sichergestellt. Bei der Vernehmung räumte er ein, dem Rentner Insulin gespritzt zu haben. Weitere Angaben machte er nicht.

Vielzahl von Fällen mit Auffälligkeiten

Der Pole arbeitete seit 2008 als ungelernte Pflegekraft. Seit 2012 hielt er sich offenbar durchgehend in Deutschland auf. Bislang konnten etwa 20 Personen von der Polizei ermittelt werden, die von ihm "betreut" wurden. Vier dieser Betreuungspersonen mussten in teilweise lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Bei allen ist ein nicht erklärbarer, teils extrem niedriger Blutzuckerwert festgestellt worden. Durch medizinische Notfallmaßnahmen konnten alle vier überleben, eine der Personen verstarb jedoch kurze Zeit später. Ob hier ein Zusammenhang besteht, ist noch unklar.

Eine weitere Person jedoch verstarb nur wenige Tage nach der Ankunft des 36-Jährigen. Drei weitere soll er ebenfalls bestohlen haben. Bei vielen vom Pfleger betreuten Personen wurde sein Vertrag vorzeitig beendet. Als Gründe wurden immer wieder sein offenbar mangelndes Engagement und sein aggressives Verhalten gegenüber den betreuten Personen angeführt.

Staatsanwaltschaft veranlasst Öffentlichkeitsfahndung

Damit die Behörden herausfinden, wo genau Grzegorz Stanislaw Wolstajn tätig war und wen er noch betreut hat, startete die Staatsanwaltschaft eine öffentliche Fahndung.

Zeugen und Angehörige sollen sich melden, um das Bewegungsbild des Mannes rekonstruieren zu können und um noch weitere mögliche Opfer ausfindig zu machen.


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