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Seenotretter im BR-Interview Lifeline-Kapitän Reisch stellt sich dem Prozess in Malta

Der Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline" Claus Peter Reisch muss sich Ende Juli auf Malta weiter vor Gericht verantworten. Bevor der Prozess fortgesetzt wird, kommt er noch einmal nach Hause nach Landsberg. Im Interview mit BR-Moderator Weberpals ist er sich seiner Sache sicher.

Von: Michael Weberpals

Stand: 13.07.2018

Es geht mir ganz gut. Ich kann mich auf Malta ja frei bewegen und kann am Montag nach Hause fliegen für zwei Wochen und werde mich dann natürlich auch am 29. hier wieder einfinden. Der nächste Gerichtstermin ist am 30. Juli und den möchte ich nicht verpassen. Ich werde das durchstehen. Ich laufe vor nichts davon.

Mit 230 Flüchtlingen eine Woche lang auf dem Mittelmeer zu dümpeln: Was waren denn das für Zustände an Bord?

Die Situationen auf dem Schiff waren nicht immer einfach. Auch hier muss einfach der Crew unserer Mission Sechs den allerhöchsten Respekt zollen. Die Leute haben wirklich hervorragend gearbeitet bis zur Selbstaufgabe. Ob das jetzt die Küchen-Truppe war: Wir haben 5.000 warme Essen am Tag produziert. Das muss man sich mal vorstellen - in der Küche kaum größer als die vom Appartement.

Das Schiff ist 33 Meter lang und acht Meter breit. Der Platz ist relativ begrenzt. Da gab es zum Schluss am letzten Tag, das war wirklich heftig, 150 schwer seekranke Leute auf dem Schiff, drei davon in unserem Bord-Krankenhaus mit Infusionen versorgt. Weil die fallen dann in den Unterzucker. Die schlafen einfach ein komatös - und dann sterben sie einfach an Unterzuckerung. Aber wir haben nicht einen Menschen verloren. Nicht einen einzigen. Wir haben alle lebend an Land gebracht. Da habe ich auch kein Problem damit, dass ich mich vor den Richter stelle.
Vielleicht gibt es noch einen ganzen anderen Richter ein Stück weit über uns. Letztendlich wird der das Urteil fällen.

Herr Reisch jetzt heißt es, Ihr Schiff, die Lifeline hätte keine richtige Zulassung. Im schlimmsten Fall droht ihnen nach maltesischen Recht eine Strafe von einem Jahr Haft. Wie gehen Sie damit um?

Mir ist wichtig daran, festzustellen, zum einen, ob dieses Schiff tatsächlich ein Zulassungs-Papier hat, was nicht gültig ist. Was ich bestreite. Ich habe das Ding im Original. Man hat auf dem Gericht auch zugeben müssen, das ist ein Original, was ich habe. Aber es wäre nicht gültig.

Jetzt sage ich mal so: Wie Sie haben einen Kraftfahrzeugschein von der Zulassungsstelle und dann hält sie der Polizist auf und sagt:  Na ja, ist zwar nett, dass du so einen Fahrzeugschein hast, aber er gilt nicht. Da fällt mir erst mal nichts dazu ein. Ich kann das nicht so wirklich verstehen.

Mittlerweile sind ja auch mehrere private Seenotrettungs-Schiffe vor Malta stillgelegt worden. Die dürfen nicht mehr auslaufen. Glauben Sie, Herr Reisch, dass da ein Masterplan da hinter steht, dass der die private Seenotrettung auf dem Mittelmeer eventuell ganz unterbinden möchte?  

Ja, das sehe ich durchaus so. Hier liegt zum Beispiel die Sea Watch 3. Die Sea Watch 3 wäre jetzt eine Mission gefahren. Man lässt sie jetzt einfach nicht aus dem Hafen - mit der Begründung. Sie bekommen keine Ausfahrtsgenehmigung. Dann fragt man auch, warum, dann kriegt man keine Antwort. Es gibt hier auf Malta ein Suchflugzeug, das heißt Moon Bird. Moon Bird darf nicht starten, bekommt keine Starterlaubnis.

Und auf Lampedusa gibt es ein weiteres Flugzeug. Das steht da rum. Und es bekommt einfach keinen Treibstoff, dem verweigert man schlicht das Benzin zum Starten. Warum macht man das? Wenn man die Flugzeuge und die Schiffe von da weg hält, dann ist es so, wie wenn der Theatervorhang zugeht. Und dahinter findet das Drama weiter statt. Man will nicht, dass die Weltöffentlichkeit das weiter sieht. Und das ist ein großes Problem -  auf bayerisch gesagt: eine große Schweinerei.


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Elisabeth, Samstag, 14.Juli, 08:30 Uhr

9. Elisabeth

Es ist so verrückt , brave Bürger gehen auf brave Bürger los . Die einen Leben ein vermeintlichvdo ist es richtig Leben , ein Anderer meint Menschenleben retten zu müssen und wird dafür jetzt kriminalisiert .

Die braven alles richtig machenden Bürger sollen sich mal an das Lied Monopolie erinnern .
Es gibt Menschen für dir sind wir alle nur Spielbälle , die gehen über Leichen.

Alle die jetzt nur Grenzen dicht schreien haben keine Ahnung das ihnen evtl. Alles widerfahren könnte wenn sie in Not sind .

Die Globalisierung Frist ihre Kinder , wir sind auf der Fresser Seite .
Natürlich haben wir keinen Einfluss auf die emokratieentwicklung in Afrika Aber der Welthandel wäre schon ein Instrument es auf drt Welt ein bisserl gerechter werden zu lassen .

Also statt rechte Parolen kopflos zu über nehmen , Hirn einschalten und an der Welt Gerechtigkeit arbeiten .
Momentan gibt es Keine Partei die es richtig macht Aber es kann immer neues entstehen

Käptn, Samstag, 14.Juli, 07:36 Uhr

8. Schlepper

Was geht nur in den Köpfen solcher Leute vor? Betätigen sich als Schlepper und stellen sich als Gutmenschen dar. Sie sind der wichtigste Pullfaktor, der die Leute veranlasst, in die Schlepperboote zu steigen. Wenn dann welche ertrinken, weisen Sie gerne die Schuld anderen zu. Dabei sind Leute wie dieser dubiose Kapitän es, die für die Ertrunkenen verantwortlich sind.

Per, Samstag, 14.Juli, 07:23 Uhr

7. Der Theatevorhangvergleich hinkt

Wenn man ihn zuzieht, gehen die Schauspieler heim, weil sie keine Aufmerksamkeit mehr bekommen.

Dave, Samstag, 14.Juli, 01:38 Uhr

6. Gesetze gebrochen

Am Retten an sich ist ja nichts auszusetzen. Das können jetzt aber auch die Libyer komplett übernehmen. Das wollen die Open Border Fanatiker halt nicht wahrhaben. Rettung ist da nur Europa.
Hätte Ihm vielleicht auffallen sollen, das Ihm da jemand ein Mofaschild mit Mofapapieren für ein Auto verkauft hat. Ich wette die Vorstände von Lifeline habens gewusst. Regulär bekommt ein deutscher Verein keine Zulassung in den Niederlanden für Schiffe dieser Größe.
Man fährt in Europa auch nicht mit Pkws und 25 Leuten drin. Da gibt's Ärger. Außerdem hat man Anweisungen von Behörden zu folgen.
Stellt sich auch die Frage, ob bei einer fast ausschließlichen Rettung und Rückführung durch die libysche Küstenwache die Anzahl der gefährlichen Überfahrten und damit auch die Anzahl der Ertrinkenden insgesamt eher steigen oder fallen wird. Ich denke Sie wird fallen.
Ich bin gegen NGOs im Mittelmeer!

Chiemgauer, Freitag, 13.Juli, 19:29 Uhr

5. Alle anderen sind Lügner

Natürlich kann man Menschen die in Seenot sind retten, was allerdings diese Privaten Schiffe da 5 bis 10 km vor der Küste in Libyen machen ist in meinen Augen Schleusen und nicht retten. Die Schleuser lassen die Migranten ohne Außenbordmotor nach ein paar km allein und schon ist man in Seenot. Ein Abgeordneter der AFD der selber Schiffskapitän war und selber schon Menschen gerettet hat, erklärte das sehr gut im Deutschen Bundestag. Das was hier als Seenotrettung dargestellt wird, ist in Wirklichkeit einfach nur mithilfe zum Schleusen von Menschen. Die Menschen an den nahegelegensten Hafen zu bringen, um schlimmeres zu verhindern liegt nicht im Interesse der NOG s. Nein sie wollen diese auf dem schnellsten Weg nach Europa bringen.

  • Antwort von Kats, Freitag, 13.Juli, 23:37 Uhr

    Menschen die Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten kriminalisieren.
    Die neue Art Politik zu machen. Die AfD als Vorreiter - passt !
    Rechte Regierungen ( z.B. Italien) denen Menschenleben nichts wert sind auf
    dem Vor-MARSCH ! Es wir aufgerüstet gegen Menschlichkeit.
    Lauter grünversiffte Gutmenschen, wo kämen wir dahin ?!

    Die Rettungsschiffe dürfen nicht mehr auslaufen, lieber sollen die Flüchtlinge
    ertrinken. Schönes, neues Europa. Wir sind ja soooo Christlich.

  • Antwort von Leopold, Samstag, 14.Juli, 08:03 Uhr

    @Kats: stop!
    Genauso wie man der AfD vorwirft immer weiter die rote Linie zu verschieben, was ich auch so empfinde, sehe ich das gerade bei Ihrem Statement auch. Diesen barmherzigen Samariter kauf’ ich Euch schon lange nicht mehr ab. Die Frage, die man sich heutzutage immer stellen muss: wem nützt es? So und wer bleibt dabei immer auf der Strecke?

  • Antwort von thorie, Samstag, 14.Juli, 08:22 Uhr

    Kats
    Seenotrettung heißt: " Die Menschen an den nahegelegensten Hafen zu bringen, um schlimmeres zu verhindern...."
    und nicht, die Geretteten an ein Ziel ihrer Wahl zu bringen. Solange der Abholdienst so gut funktioniert wie der MVV , ist es die beste Einladung .