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Bürgerentscheid Keine neue Jugendherberge in Prien

In der Marktgemeinde am Chiemsee kann keine Jugendherberge auf einem neuen Bauplatz errichtet werden. Bei zwei Bürgerentscheiden gab es am Sonntag jeweils eine Mehrheit von 54 Prozent gegen entsprechende Pläne des Jugendherbergswerks.

Von: Martin Binder

Stand: 13.05.2018

Schild zur alten Jugendherberge in der Carl-Braun-Straße. Sie wurde 2013 wegen Brandschutzmängeln geschlossen. | Bild: BR/Martin Binder

Die Bürger hatten einmal über ein Ratsbegehren abzustimmen und die Frage "Für oder gegen eine Jugendherberge auf diesem Platz?" sowie das Begehren einer Bürgerinitiative. Diese hatte gefragt, ob die Bürger eine weitere Planung der Gemeinde für eine Jugendherberge auf diesem Platz wollen oder nicht.

Überhaupt keine Jugendherberge mehr in Prien

In beiden Fällen sprachen sich etwa 54 Prozent der Stimmberechtigten gegen den Bau einer Jugendherberge an dem geplanten neuen Bauplatz aus. Die Wahlbeteiligung lag bei 54 Prozent. Damit wird es in Zukunft keine Jugendherberge mehr in Prien geben. Das Jugendherbergswerk hatte schon im Vorfeld angekündigt, sich zurückzuziehen, falls der Bürgerentscheid eine Bebauung auf dem gewünschten neuen Grundstück verhindere.

2013 wurde die alte Jugendherberge in Prien geschlossen – wegen Brandschutzmängeln. Sie steht seitdem leer. Das Jugendherbergswerk plante deshalb eine neue Umwelt-Jugendherberge für 13 Millionen Euro. Sie sollte 200 Betten bekommen, Seminar- und Werkräume sowie ein begrüntes Dach. Etwa 18.000 Gäste pro Jahr wurden erwartet.

Bürgermeister enttäuscht

Für den neuen Platz, auf einem bisher landwirtschaftlich genutzten Grundstück etwas näher am Chiemsee als die alte Jugendherberge, waren fast alle Fraktionen im Gemeinderat und Bürgermeister Jürgen Seifert. Der zeigte ich enttäuscht: "Das ist schade für Prien. Wir haben fünf Jahre lang zusammen mit dem Jugendherbergswerk nach einem neuen Bauplatz für die Jugendherberge gesucht. Der Bürger hat jetzt anders entschieden, mit einem eindeutigen Ergebnis. Das ist das Aus für eine Jugendherberge in Prien."

Umweltliste: "Stein vom Herzen gefallen"

Die "Bürger für Prien", eine Umweltliste, waren zwar nicht gegen eine Jugendherberge, wollten aber dafür kein bisher unbebautes Grundstück verbrauchen. Christoph Bach, Vorsitzender der Liste, argumentierte, dass auch am alten Standort ein neues Gebäude gebaut werden könnte, dadurch würde Flächenfraß vermieden. "Wir haben gewonnen, uns ist ein Stein vom Herzen gefallen", sagte er dem BR.

"Wir sind ja nicht gegen eine Jugendherberge in Prien, sondern waren gegen den geplanten Standort. Deshalb wollen wir versuchen, doch noch eine Jugendherberge nach Prien zu bekommen."

Christoph Bach, Vorsitzender von 'Bürger für Prien'

Für die weitere Nutzung des Grundstückes müsse man nach Kompromissen suchen. Michael Gößl, Vorstand des Jugendherbergswerks Bayern, hatte schon vor dem Bürgerentscheid klar gemacht, dass ein Neubau auf dem alten Gelände aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich sei, da das Grundstück mittlerweile auf drei Seiten von Wohnbebauung umgeben sei. Deshalb werde es in Zukunft keine Jugendherberge mehr in Prien am Chiemsee geben.

Vielleicht andernorts am Chiemsee

Gößl zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung, die er allerdings als das Ergebnis eines demokratischen Prozesses selbstverständlich akzeptiere. Mit dem Aus für den Standort in Prien sei aber keineswegs das Aus für eine neue Jugendherberge im Chiemgau besiegelt. "Wir sind nach wie vor sehr interessiert am Standort Chiemgau, wollen in der Region bleiben und mittelfristig dort auch eine neue Jugendherberge eröffnen", sagte er dem BR. Schon jetzt hätten einige Gemeinden rund um den Chiemsee Interesse gezeigt.


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Bernd Krieger, Montag, 14.Mai, 18:12 Uhr

10. Jugendherberge

Vielleicht sollten sich die "Bürger für Prien" statt ein ökologisch und wirtschaftlich sinnvolles Projekt zu verhindern , lieber dafür einsetzen, das an der Mündung Hochries-Bernauerstr ein zusätzlicher Kreisel gebaut wird. Da stauen sich die Autos bereits im Mai bis hinter zu den Supermärkten, im Sommer dann wahrscheinlich bis zum Bahnhof. Statt Unsummen dafür auszugeben, Broschüren zu drucken um damit 2 Pferden ein paar tausend Quadratmeter Auslauf zu ermöglichen.

Krieger Bernd, Montag, 14.Mai, 17:28 Uhr

9. Ablehnung Jugendherberge

Wenn man solche Leute wie die "Bürger für Prien" in der Gemeinde hat, braucht man keine Feinde mehr. Eine Schande

Gedankenmacher, Montag, 14.Mai, 10:24 Uhr

8. Menschen die mitdenken

Kein unbebautes Grundstück ...
Bei dem grassierenden Flächenfraß finde ich es sehr gut, dass ein bereits bebautes
Grundstück gesucht wird. Einen Platz für eine Jugendherberge auf einem
bebauten Grubdstück sollte doch zu finden sein. Wenn sich alle soviele Gedanken
bei der Ausweisung neuer Baugrundstücke machen würden, wäre Bayern nicht so zersiedelt.

  • Antwort von Ritschi, Montag, 14.Mai, 13:05 Uhr

    Der Gedanke an sich ist nicht ohne.
    Aber versuchen Sie mal wie folgt zu denken:
    Wenn Sie (Gedankenmacher) ein neues Haus auf einem Grundstück bauen wollen, auf dem bereits ein altes Haus steht, muss ich die Mehrkosten für den Abriss und die Entsorgung des Bauschutts mit einkalkulieren. Das Grundstück müsste also entsprechend billiger sein, damit sich die Mehrkosten aufheben.
    Ansonsten würden sie von dem Grundstück auch die Finger lassen - Richtig?

  • Antwort von Krieger Bernd, Montag, 14.Mai, 17:31 Uhr

    Vielleicht kapieren es irgend wann auch mal die allerletzten. Es wird keine Jungendherberge auf einem anderen Grundstück geben in Prien. Die umliegenden Gemeinden reiben sich schon die Hände. Eine Verjüngung der Gemeine wird nicht stattfinden. Vielleicht noch eine Klinik oder ein Altersheim am gleichen Standort. Meine Güte

Claudia, Montag, 14.Mai, 09:06 Uhr

7.

Die Verhinderung der Jugendherberge ist ein wirklich bedauernswertes Statement der Priener....

  • Antwort von @realDonaldTrump, Montag, 14.Mai, 13:07 Uhr

    Man kann ja künftig in zahlreiche andere Orte ausweichen, dann können die alten Priener ganz alleine unter sich bleiben ! Ich storniere mienen Urlaub dort auf alle Fälle

Anne, Montag, 14.Mai, 07:11 Uhr

6. Danke BfP!

Danke, an die Bürger für Prien, für dieses Engagement! Nur weil Michael Gößl vom Deutschen Jugendherbergswerk sich mit einem völlig überdimensionierten Prestigeobjekt in Prien ein Denkmal setzen möchte, sollen wertvolle Grünflächen am Chiemseeufer zubetoniert werden. Dabei haben die Bürger für Prien gemeinsam mit einem Architekten Pläne entwickelt und aufgezeigt, dass ein Neubau am alten bisherigen Standort gut möglich ist. Ganz ohne Flächenfrass am Chiemsee. Aber das ist dem Jugendherbergswerk nicht gut genug, daher hat es sich beleidigt ganz aus dem Projekt zurückgezogen. Schade. Denn diese eitle Selbstdarstellung geht auf Kosten von Kindern und Jugendlichen, die jetzt keine Jugendherberge mehr in Prien haben. Die phantastische Natur und die bezaubernde Landschaft sind es, die Urlauber immer wieder nach Prien zieht. Mit dem Zubetonieren von Flächen besonders am Chiemseeufer, verbaut sich Prien langfristig das wertvollste Kapital, das es hat. Unwiederbringlich.

  • Antwort von Ritschi, Montag, 14.Mai, 07:37 Uhr

    Nicht zu vergessen das andere wichtige Kapital von dem wir in Prien leben - der Tourismus.
    Auch nicht vergessen will ich unsere Zukunft - die Jugend. Die in Prien wieder mal zu kurz kommt.
    Beides haben wir mit dieser Entscheidung nun aber ausgesperrt.
    Wenn auch nur ein Mitglied der BfP nun irgendwo ein Haus bauen will, hoffe ich, dass der Bauantrag wegen Flächenfraß abgelehnt wird.

  • Antwort von Krieger Bernd, Montag, 14.Mai, 18:50 Uhr

    Überdimensioniert ist doch wohl nur ein Weidegrundstück mit ein paar tausend qm für 2 Pferde. Wieder eine Chance vertan, Prien etwas zu verjüngen, junge Leute und Familien in den Ort zu bringen, die Essen, Trinken und Einkaufen Aber vielleicht brauchen wir ja noch eine Klinik oder ein Seniorenheim, das dann dort sicher gebaut wird. Die BfP sollte sich vielleicht besser darum kümmern, das an der Bernauerstr. Abbiegung Hochriesstr, dringend noch ein Kreisel ratsam wäre. Fahren sie da mal Richtung Bernauerstr. Das wäre eine sinnvolle Tätigkeit für den BfP

  • Antwort von Togood, Montag, 14.Mai, 21:43 Uhr

    Mir wäre gänzlich neu, das in Jugendherbergen nur Jugendliche und Kinder sind. Vielmehr sieht man dort in die Jahre gekommene Reisegruppen, also doch wieder Senioren. Das Image vor 30 Jahren hat die Jugendherberge fantastisch aufrecht erhalten, auch wenn die Zielgruppe mittlerweile einem normalen Hotel gleicht. Wäre die Fragestellung, Möchten Sie hier ein Hotel hinbauen mit günstigen Zimmerpreisen?- hätte niemals jemand zugestimmt- vermeintlich geht es um die Jugend. Wenn Prien sein Publikum verjüngen möchte, sollte es mal im Gemeinderat mit der Verjüngung anfangen, dann bei den Mietpreisen- ist ja für Familien kaum mehr machbar und dann kann man mit Discos oder anderen Teeniegeschichten anfangen die eigene Jugend zu bespaßen. Und wenn sich das hält- auch in der Nebensaison, dann kann man mal über „Teenager“ Gäste nachdenken....