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Garmisch-Partenkirchen bangt Der Ferchenbach - die Bedrohung für die Partnachklamm

Der Ferchenbach fließt kurz vor der Partnachklamm in die Partnach. Dort hat sich viel Holz im Bachbett angesammelt. Bei plötzlichem Hochwasser droht dieses Holz in die Partnachklamm geschwemmt zu werden und diese zu verstopfen. Die Folge: Wenn das aufgestaute Wasser den Pfropfen sprengt, droht Garmisch-Partenkirchen eine Flutwelle.

Von: Julia Schlegel

Stand: 21.06.2018

Vergangene Woche ereignete sich in Garmisch-Partenkirchen ein Horror-Szenario Der Pegel der Partnach in und unterhalb der Partnachklamm stieg schlagartig an. Ein Mann wurde von den Wassermassen mitgerissen und ertrank. Eine Schluklasse in der Klamm kam gerade noch einmal mit dem Schrecken davon. Der Grund für den schnellen Anstieg: extremer Starkregen in den Bergen oberhalb der Klamm. Auch im Gebiet des Ferchenbachs – der sich in kürzester Zeit in einen reißenden Fluss verwandelt hat.

Ferchenbach hat hohes Gefahrenpotential für Partnachklamm und Garmisch-Partenkirchen

Anwohner und Ortskundige, auch im Germeinderat von Garmisch-Partenkirchen, hatten ja in der Vergangenheit immer wieder gewarnt, dass der Ferchenbach in Sachen Hochwasser durchaus Gefahrenpotential birgt. Bevor der Wildbach oberhalb der Klamm in die Partnach fließt, hat er sich auf auf vier Kilometern Länge in ein enges Tal hineingefressen.

Hang über dem Ferchenbach kommt schnell ins Rutschen

Das Problem: die Hänge auf beiden Seiten sind aus weichem Partnachschiefer, weshalb es reihenweise Muren und Hangrutsche gibt - und gigantische Mengen von Holz, die im Bach landen. Ganze Bäume, riesige Wurzeln die beim Starkregen vergangene Woche von den Wassermassen sogar bis in die Klamm gespült wurden und dort wohl zu sogenannten Verklausungen geführt haben.

Stopfen in der Partnachklamm

Das ist quasi eine Verstopfung, die bei enstprechendem Druck schlagartig durchbricht und zu einer Art Flutwelle führt. Was auch eine Erklärung ist für den schnellen Anstieg des Partnach-Pegels bis hinein nach Garmisch-Partenkirchen.

Ferchenbach war etwas in Vergessenheit geraten – da Forsstraße unpassierbar

Der Grundstückseigentümer, die Staatsforsten, haben nach dem letzten Hochwasser und einem großen Hangrutsch die Forststraße am Ferchenbach vor über 10 Jahren aufgegeben – der Bach ist somit über weite Strecken gar nicht mehr erreichbar.  Und die Gemeinde, die für die Sicherung des Ferchenbachs zuständig ist und entsprechend  die Kosten dafür tragen muss, sah ganz offensichtlich auch keinen größeren Handlungsbedarf. Jedenfalls hat sich über Jahre hinweg gefährlich viel Holz im Bach angesammelt. Manche in Garmisch-Partenkirchen sprechen jetzt sogar von einer tickenden Zeitbombe.

Jetzt muss das Schwemm-Holz aus dem Ferchenbach

Klar ist, dass das viele Holz so schnell wie möglich raus muss aus dem Ferchenbach. Dort sieht es derzeit chaotisch aus, mit zum Teil riesigen Bäumen, die kreuz und quer in den Bach gerutscht sind. Doch ohne Straße ist es schwer an die Stellen ranzukommen. Technische Lösungen gibt es, allerdings nur theoretisch, sagen die Experten des Wasserwirtschaftsamtes: das sind zum Beispiel große Wildholzrechen, Wildholznetze oder sogenannte Sperrenbauwerke. Nur für den Bau dieser Einrichtungen fehlt eben noch die Zufahrt.

Runder Tisch zum Ferchenbach für nächste Woche anberaumt

Die Sicherung des Ferchenbachs wird also auf alle Fälle kompliziert und entsprechend teuer. Nächste Woche werden die Verantwortlichen von Gemeinde, Forst und Wasserwirtschaftsamt bei einem runden Tisch die Möglichkeiten ausloten. Eine extra Gemeinderatssitzung soll es außerdem geben... Immerhin ist nach dramatischen Ereignissen in der vergangene Woche jetzt allen klar, dass am Ferchenbach dringend was getan werden muss.


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Andrea, Donnerstag, 21.Juni, 22:36 Uhr

4. Diese Baumstämme muessen aus der Partnachklamm raus!!

Also zu der Sache habe ich auch schon Berichte in anderen Quellen mitbekommen und ich sage mal:

diese Baumstämme muessen aus der Partnachklamm raus und zwar schnellstens! Es darf nicht riskiert werden, dass es zu dieser Flutwelle kommt! Kann man da nicht mit Kränen oder sowas ran und diese Baumnstämme rausziehen und die Baumstämme dann in Sägewerke schaffen?? Hier ist Gefahr im Verzug!!

Oliver M., Donnerstag, 21.Juni, 13:18 Uhr

3.

Viele Alternativen wird es nicht geben:
- aufräumen da oben,
- präventive Maßnahmen ergreifen,
- der Natur überlassen.
Schwemmholz ist normal, nur gefährden die Konsequenzen hier eine erschlossene Klamm und Siedlungen. Ansonsten wären das eben die Folgen von etwas völlig natürlichem.

Sepp, Donnerstag, 21.Juni, 12:58 Uhr

2. Problem - Staatsforsten AöR

Lieber BR,
als privater Bergwaldbesitzer und Bergbauer kenne ich die Problematik zu gut: Durch die Umwandlung des Bayerischen Staatsforstes in eine Anstalt des Öffentlicheb Rechts wurde die Gewinnmaximierung an vordere Stelle gesetzt. Dies mag im "Flachland" noch funktionieren, im Bergwald ist es eine Katastrophe. Das beschriebene Szenario, mit Holzansammlungen in Bachläufen (oftmals auch durch Holzeinschlag zurückgebliebene Baumgipfeln und Holzstämme), gibt es hundertfach in den Bayerischen Alpen. Es muss immer erst etwas passieren, damit die Allgemeinheit darauf aufmerksam wird. Solange das Wasser gleichmäßig abfließen kann, ist ein Bachlauf durchaus in der Lage, große Wassermengen durchzuleiten. Bei einer Anstauung werden schon normale Regenmengen sehr gefährlich. Die eigentliche Lösung kann nur darin liegen, dass im Bergwald die Schutzaufgabe wieder in den Vordergrund gestellt wird. Gewinnorientierte Geschäftsmodelle in den Bayerischen Alpen sind sicherlich keine Lösung.

  • Antwort von kritikwürdig, Freitag, 22.Juni, 00:06 Uhr

    Der typische CSU Wähler glaubt vermutlich diese Behauptung: Nationalstolz und Heimatliebe = CSU. Und deshalb gibt es die Staatforsten.
    Ich habe es schon vor Jahren aufgeben, in hiesiegen Wäldern ausgedehnte Wanderungen und bike-Touren zu unternehmen, nachdem immer wieder ganze Waldstücke inklusive aller Wanderwege vernichtet wurden. Jetzt reise ich dank Staatsforsten halt viel häufiger mit dem Auto in die Nachbarländer, wo massvoller Waldbau betrieben wird.

    Die Gier und der übertriebene Nationalstolz endet dann halt in solchen überflüssigen Zerstörungen. Wer das derzeitige Waldkonzept in Frage stellt, der wird als Linker oder als Unwissender abgewatscht.

  • Antwort von Francesco, Samstag, 23.Juni, 10:29 Uhr

    @Sepp

    Lieber Sepp, Du hast ja so recht. Aber die Zeiten sind leider längst vorbei, als die Erfahrung von Generationen bei Entscheidungen eine Rolle spielten. Heute muss man studiert haben und sein Aufgabengebiet am Geschäftsjahresende mit Gewinn abschließen. Und das geht theoretisch auch ohne jegliche Erfahrung vom Schreibtisch aus. Selbst dass die Natur mittlerweile bereits zurückschlägt, kann man vom Schreibtisch aus ignorieren. Die Ignoranten sind ja schließlich (noch) nicht betroffen......

Ebert, Donnerstag, 21.Juni, 11:05 Uhr

1. Randbemerkungen

Nun, liebe Leser, wo ist das eigentliche Problem?

Man weiß, da liegt viel Holz, also keine sinnlosen Diskussionen führen, sondern das Holz ganz einfach entfernen.

Arbeitskräfte gibt es ja genug; unsere Herren Asylanten sind bestimmt froh, wenn sie mal, auf freiwilliger Basis natürlich, nutz voll eingesetzt werden.

Ebert

  • Antwort von homsa, Donnerstag, 21.Juni, 11:47 Uhr

    Hallo Erbert,

    vielleicht sind Experten wie Sie dabei besser zu gange, oder haben Sie schiss davor?

    Reden ist nicht handeln, letzteres ist ja auch von Ihnen angesprcehen, als worauf warten Sie?

  • Antwort von Leonia, Donnerstag, 21.Juni, 12:25 Uhr

    Muss eigentlich jedes Thema ausgeschlachtet werden, um obsessiv ein Flüchtlings"problem" daraus zu machen? Fällt Ihnen, Herr Ebert, eigentlich gar nichts anderes mehr ein?

  • Antwort von Oliver M., Donnerstag, 21.Juni, 13:09 Uhr

    Und genau das dürfen wir nicht tun: Asylanten als billige Arbeitssklaven missbrauchen, womöglich zu Lasten von Fachfirmen vor Ort! Wenn, dann mit Bezahlung zu branchenüblichen Konditionen!

  • Antwort von Rosl, Donnerstag, 21.Juni, 13:31 Uhr

    Oliver M.: "Asylanten als billige Arbeitssklaven missbrauchen"

    Was glauben Sie, warum die ins Land geholt werden?! Die sind nicht gewerkschaftlich organisiert und für etwas Handgeld arbeiten manche von denen sogar. Anders als die linken Willkommensplärrer.

  • Antwort von Darauf muss man erst kommen, Donnerstag, 21.Juni, 20:58 Uhr

    Was haben die Flüchtlinge mit dem Holz im Bachbett zu tun?

    Gibt es denn wirklich kein einziges Thema, das sich N I C H T mit Flüchtlingen verbinden lässt?

    Man muss schon ziemlich eindimensional gelagert sein, um das nicht zu erkennen.