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Keine Nachfolgerinnen Den Frauenklöstern gehen die Nonnen aus

Im Kloster Reutberg, im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, leben Franziskanerinnen. Doch dem Kloster droht die Schließung. Es gibt zu wenig Nonnen. Damit ist das Kloster Reutberg kein Einzelfall.

Von: Christian Wölfel

Stand: 02.04.2018

Franziskanerinnenkloster Reutberg in Sachsenkam, im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen | Bild: picture-alliance/dpa / Arco Images GmbH

Auf dem Tisch im Speisesaal des Klosters Reutberg steht eine Kerze auf dem Tisch. Drum herum sitzen Menschen, die sich Sorgen machen. Sachsenkamer Gruppe nennen sie sich und kämpfen um den Erhalt des Schwesternkonvents. Denn der soll aufgelöst werden, obwohl das die Schwestern nicht wollen, wie Ulrich Rührmair, zweiter Vorsitzender des Pfarrgemeinderats sagt: "Man muss sich immer vor Augen führen, die Schwestern sind seit 400 Jahren am Reutberg, die haben das Gebäude irgendwann mal mit erbaut, die haben das mit Leben erfüllt, mit geistlichem und spirituellen."

Aus Sicht Rührmairs kann "man nicht so respektlos mit ihnen umgehen, dass man sie an beiden Beinen aus dem Kloster herauszieht. Da werden sie sich mit beiden Händen am Kreuz festhalten".

Nur noch zwei Frauen leben im Kloster Reutberg

Zwei Schwestern leben derzeit noch am Reutberg, eine davon ist mit ihren 90 Jahren pflegebedürftig. Geleistet wird dies von ihrer Mitschwester, die knappe 40 Jahre jünger ist. Doch für einen Konvent braucht es dem Kirchenrecht zufolge drei Schwestern. Denn nur so ist die Wahl einer Oberin möglich. In Reutberg gibt es diese schon nicht mehr. Das habe die zuständige Stelle im Vatikan schon 2007 festgestellt, sagt Gabriele Rüttiger vom Ressort Grundsatzfragen des Erzbistums München und Freising: "Wir werden nun einen Bericht nach Rom schicken, das ist unsere Aufgabe gewesen, diesen Prozess zu begleiten und der Religiosenkongregation zu berichten, wie dieser Prozess gelaufen ist und dann wird Rom eine Entscheidung treffen."

Was tun, wenn Klöster immer weniger Nonnen haben?

Entscheidungen, die immer öfter in Deutschland getroffen werden müssen. Denn die Zahlen sind eindeutig, die die Deutsche Ordensobernkonferenz erhoben hat. Gab es im Jahr 1990 noch 37.000 Ordensfrauen, sind es heute nur noch 16.000. Davon ist aber gerade einmal jede sechste noch unter 65 Jahre alt. Deshalb gibt es seit 2015 von der Ordensobernkonferenz ein Unterstützungsangebot für alternde Gemeinschaften. Die Kölner Benediktinerin Schwester Johanna Domek ist dabei eine Beraterin. "Es ist besser, ihr gestaltet es selbst als dass es über Euch kommt. Sowohl das Abgeben wie auch das Weitergehen. Das ist wie bei alten Menschen. Es ist besser man räumt selber eine Wohnung auf als dass sie hinter einem aufgeräumt wird", sagt Domek.

Klosterauflösungen funktionieren nicht immer ohne Streit

Doch das gelingt nicht immer. Deshalb musste sich das Erzbistum München und Freising immer wieder um Klosterauflösungen kümmern. Manchmal gelingt dies leichter wie etwa in Beuerberg, anderswo führt es zu Verletzungen und Konflikten, etwa in Altomünster. Grundsatz-Referentin Gabriele Rüttinger vom Erzbistum sieht mehrere wichtige Faktoren bei solchen Prozessen: "Geduld zu haben, in Kontakt mit den Menschen zu treten, Netzwerker zu sein, offen zu sein für Ideen von anderen, aber auch eine klare Linie zu haben, was geht und was geht nicht."

Nonnen aus verschiedenen Ordensgemeinschaften in einem Kloster?

Bei Kloster Reutberg könnte das nun genau das Problem sein. Zwar befürworten die Menschen dort den Plan des Erzbistums, ein Seelsorgezentrum  zu errichten. Doch die Reutberger wollen den Konvent erhalten. Schwestern von anderen Gemeinschaften wären bereit zu kommen, heißt es. So könnte dann auch wieder eine Oberin gewählt werden, wie es das Kirchenrecht vorsieht. Das Erzbistum sieht das anders. Man könne nicht einfach Ordensgemeinschaften mit ihren unterschiedlichen Traditionen vermischen.

Doch damit wollen sich die Menschen in Reutberg nicht zufrieden geben, wie Gerald Ohlbaum von den Freunden des Klosters Reutberg sagt: "Wir werden mit unseren Mitteln kämpfen, dass der Konvent nicht geschlossen wird." Ihr Kloster ist den Menschen am Reutberg so wichtig, dass sie nun sogar den Ministerpräsidenten eingeschaltet haben.


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gschaftlhuber, Montag, 02.April, 14:30 Uhr

8. An einer alternativen Verwendung führt kein Weg vorbei

Das Erzbistum sollte sich hier nicht von dem kommerziell richtigen Weg abbringen lassen.
Wenn die ReutbergInnen ein Kloster haben möchten, müssen sie halt entsprechende Human Res. vorhalten.
Dies ist hier nicht der Fall. Sie sollten den STrukturwandeln nicht überflüssig im Weg stehen.
München hat den Weg vorgezeichnet. Aus einer KArtoffelfabrik wurde dort auch was sinnvolles gestaltet.
Ich kann mir hier durchaus den Altersruhesitz für betuchte Städter vorstellen - abseits von jedlichem Kinderlärm.
Oder einen Zweitwohnsitz für Work-Life-Balance orientierte Leistungsträger mit ausreichendem SUV-Parkplatz.
Optionen sind reichlich vorhanden, um unser Bayern lebenswert zu gestalten.

  • Antwort von Barbara, Montag, 02.April, 15:16 Uhr

    "Alterssitz für betuchte Städter"? Ich denke, die vielen Armuts-Rentner hätten es nötiger, daß sie endlich einmal anständig wohnen könnten.

  • Antwort von Oliver M., Montag, 02.April, 16:04 Uhr

    Ich hoffe, Sie meinen das sarkastisch ...

    „Leistungsträger“ haben nicht zwingend einen SUV. Denken Sie mal an Bäcker, Pflegepersonal, Busfahrer, Bauarbeiter, etc. etc.
    Das sind keine Leistungsträger meinen Sie? O doch! Jeder, der seinen Teil zum alltäglichen Funktionieren unserer Gesellschaft beiträgt, ist ein Leistungsträger! Und so mancher mickrig bezahlte erbringt für das alltägliche Funktionieren unserer Gesellschaft eine essenziellere Leistung, als so mancher SUV fahrender Theoretiker!!! Stellen Sie sich mal vor, alle „Nichtleistungsträger“ legen die Arbeit nieder - Stillstand von heute auf morgen. Unter diesem Gesichtspunkt erbringt so mancher top bezahlte SUV-Fahrer weniger Leistung, wie so mancher mickrig bezahlte Arbeitssklave ...

  • Antwort von gschaftlhuber, Montag, 02.April, 17:09 Uhr

    @Oliver M.
    Ich meine es sarkastisch.
    Aber Ihre Fragestellung zeigt - soweit vom Original einiger Immobilienentwickler usw. bin ich nicht entfernt. LEIDER.
    Ich hoffe, das Kloster findet eine nachhaltige und eine der örtlich entsprechende Verwendung.
    Dass die Klöster mangels Personal aufgelöst werden, zeichnet sich ja schon seit Jahren(zehnten) ab.
    Jedoch habe ich kein Pauschalrezept für eine Nachfolgelösung.
    Meine Befürchtung ist tatsächlich, dass das Erzbistum wie oben beschrieben eine Luxusvariante einschlägt und
    somit der dörflichen Gentrifizierung Vorschub leistet.

B. Mazzetti, Montag, 02.April, 11:56 Uhr

7. Reine Geldgier des Erzbistums

Nach Auflösung des Klosters fällt das gesamte Hab und Gut des Klosters an das Erzbistum München und Freising und mehrt den Milliardenreichtum seiner wohlbeleibten Eminenz.

Die Ländereien im schönen Oberland dürften einiges wert sein und an interessierten Investoren sollte kein Mangel bestehen.

  • Antwort von Barbara, Montag, 02.April, 13:12 Uhr

    Wenn hier jemand geldgierig ist, dann sind SIE es, denn Sie sehen nur den materiellen Wert der Besitztümer und Ländereien. Daß die Klöster Orte der Anbetung und Verherrlichung Gottes sind, auf diesen Gedanken kommen Sie anscheinend gar nicht. Wer sollte denn sonst diese Anwesen verwalten, wenn nicht die kath. Kirche, die ja die Eigentümerin ist.

  • Antwort von B. Mazzetti, Montag, 02.April, 14:03 Uhr

    Ich würde Ihnen ja zustimmen, wenn es nicht sowohl im Vatikan als auch in vielen deutschen Bistümern reihenweise "Vorkommnisse" in Finanzangelegenheiten gegeben hätte. Die Vorstellung von den reinen und spirituellen Absichten des Münchner Ordinariats scheint mir daher recht blauäugig.

    Die Frage ist im übrigen nicht, ob "die Kirche" Eigentümerin des Klosters ist, sondern wer "in der Kirche" die Verfügungsgewalt über die Güter hat. Das ist solange das Kloster existiert der Orden und wenn es aufgelöst ist, das Erzbistum. Da gibt es knallharte materielle Interessen.

  • Antwort von Barbara, Montag, 02.April, 15:10 Uhr

    "Vorkommnisse in Finanzangelegenheiten" gibt es überall auf der Welt. Warum sollte es in der Kirche anders sein? Aber es ist sinnlos, ständig nur auf die Kirche zu zeigen und ihr Vorwürfe zu machen. Diesen Fehler hatte schon Luther gemacht, der meinte, der Kirche "finanzielles Fehlverhalten" vorwerfen zu müssen. Er selber war ja auch nicht besser. Und Sie selber sind sicher auch nicht hundertprozentig "heilig in Finanzangelegenheiten". Im übrigen hat immer noch der Eigentümer zugleich auch die Verfügungsgewalt, und zwar sowohl im Zivilrecht als auch im Kirchenrecht (cic).

  • Antwort von Franz Penzkofer, Montag, 02.April, 17:04 Uhr

    Wie stellen Sie sich die Verfügungsgewalt durch eine 90- und eine 50-.jährige Ordensfrau vor? Anwälte würden da einen Reibach machen und danach fiele der verprozessierte Rest doch dem Erzbistum M-Fs anheim. Ihnen geht es offensichtlich darum, der Kirche vors Schienbein zu treten. Das Erzbistum M-FS lässt seine Finanzen von außenstehenden, unabhängigen Fachleuten überprüfen. Dazu gibt es genügend Informationen für die, die es wissen wollen. Zu diesem Personenkreis scheinen Sie nicht zu gehören

Karl Napf, Montag, 02.April, 09:13 Uhr

6. Vielleicht

Will man das Kloster lukrativer nutzen......

QuoVadis, Montag, 02.April, 08:54 Uhr

5. Die Zeit der (Frauen)klöster ist vorbei

Früher war es auch noch Aufgabe der Klöster reichen adligen Töchtern und Bauerstöchtern und auf dem Arbeits- und Heiratsmarkt "überschüssigen" Frauen eine Bleibe zu geben, wobei die erstgenannten sehr wahrscheinlich ein angenehmeres Klosterleben hatten, Heutzutage haben aber Frauen die Möglichkeit ein selbstbestimmtes Leben ohne finanzielle Abhängigkeit von Mann oder Familie zu leben.Um ein spirituelles Leben zu führen, muss frau nicht unbedingt ein Leben lang, was heutzutage schon mal 70 Jahre bedeuten kann.im klösterlichen Zwang gefangen sein. Männliche Ordensmänner werden in der Regel Pfarrer, haben dementsprechend eine gut bezahlte Beschäftigung und auch einen höheren Rang in der Kirchenhierachie. Die katholische Kirche hält heut noch an überholten Traditionen fest, als wären dies Dogmen. Die Kirche war und ist aber im schon immer im Wandel. Es wird Zeit für eine Gleichberechtigung. Schließlich war sich Gott nicht zu schade, durch eine Frau geboren zu werden.

  • Antwort von Oliver M., Montag, 02.April, 14:32 Uhr

    Tja - und früher waren in Pflegeberufen häufig Ordensschwestern anzutreffen, welche diese Tätigkeit nicht selten aus Nächstenliebe ausgeführt haben. Keineswegs waren Klöster die „Resteverwertung“ für die übrig gebliebenen!
    Heute lässt man diese Tätigkeit von mickrig bezahlten Arbeitskräften erledigen - angestellt von gewinnorientierten Unternehmen, in denen das Kapital im Vordergrund steht und nicht mehr der Mensch! Zu einem Gehalt, das heutzutage kaum noch reicht, um in Städten wie München den Miet- und Immobilienwucher finanzieren zu können. Geschweige denn Eigenverantwortung!

    Richtig, auch die Kirchen müssen mit der Zeit gehen. Aber längst nicht alle Traditionen sind veraltet! Und - da drauf traue ich mich zu wetten - auf einen Teil dieser Traditionen wird man sich eines Tages schmerzhaft rückbesinnen, wenn sie verschwunden sind. Die heutige, von Wachstumswahn, Kapitalismus und Konsum verseuchte Zweiklassengesellschaft ist definitiv auch nicht der goldene Weg!

  • Antwort von QuoVadis, Montag, 02.April, 21:06 Uhr

    Tja - und früher durften auch die Mönche lesen und schreiben lernen. Ja sogar in der Wissenschaft machten sich Mönche einen Namen. Nur weil Frauen auch heute noch ungleich bezahlt werden und aufgrund ihres Geschlechtes benachteiligt werden, rechtfertigt es nicht dass sich die Kirchenfürsten auf die Nächstenliebe ihrer Bettelorden und auch Frauenorden berufen haben und selbst machtgei, eitell und blind der Menschlichkeit waren. Gar so wie Papst Franziskus die Kurie auch heute dafür abgewatscht hat. Wie lange hat es gedauert bis die Apostelin Maria den Aposteln gleichgestellt wurde. Jesus war einer der wenigen der auch Frauen ernst genommen hat, der eine Frau als Mensch gleichwertig gesehen hat. Wird die katholische Kirche und hier vor allem die männlichen Vertreter sich nicht abwenden von falscher Tradition, die nur die Vormachtstellung des Mannes bewahren möchte, wird ihr auf Dauer mindestens die Hälfte der Kirche abhanden kommen.

Polli, Montag, 02.April, 08:45 Uhr

4. Wozu dieser Medienhype?

Ich verstehe die Aufregung nicht!
Seit Jahrzehnten werden von überall die Nonnen abgezogen und die Klöster bzw. Ordensniederlassungen aufgelöst. Denen wurde der Beschluss verkündet und dann waren die weg. Schweren Herzens, aber sie gingen. Die Bevölkerung hätte sie gern da behalten, Pflege- und Kindergartenstellen mussten neu besetzt werden, teilweise fehlen sie und ihre Arbeit immer noch.
Was ist jetzt an diesen beiden Damen so besonders, dass dass nicht funktioniert?
In der Kirche gibt es doch diese Gehorsamspflicht, deshalb müssen sich auch Pfarrer versetzen lassen, auch wenn sie nicht wegwollen.
Was gilt daran für diese Mädels nicht und warum wird das so medial breitgetreten?